FTD Warum brauchen Lehrlinge überhaupt Nachhilfe?
Jürgen Hoffmann Sie brauchen nicht Nachhilfe, zumindest nicht im schulischen Sinne, sondern Unterstützung. Unternehmen müssen heute wegen der rückläufigen Schülerzahlen zunehmend auch Absolventen nehmen, die nicht alle gewünschten Eigenschaften mitbringen. Da versuchen wir nachzubessern.
Wo setzen Sie an?
Es gibt immer wieder Klagen, dass Lehrlinge unpünktlich sind, unordentlich oder unfreundlich gegenüber Kunden. Die Ursache dafür liegt für mich in der fehlenden Motivation. Die Jugendlichen sind oft lustlos, weil sie nicht wissen, wofür sie den Job machen. Sie trauen sich komplexe Dinge nicht zu. Dann fehlen ihnen der Erfolg und der Antrieb. Wir wollen diesen Kreislauf durchbrechen.
Wie machen Sie das?
Die Azubischule basiert auf verschiedenen Elementen aus Managementtrainings, kombiniert mit Lerntechniken. Zunächst gehen wir für drei Tage in das Unternehmen, anschließend begleiten wir die Azubis ein Jahr lang. Vor Ort geht es um Gedächtnistraining, aktives Stimmungsmanagement und Präsentationstechniken. Dabei lernen die Auszubildenden, wie sie sich auch zu Dingen motivieren können, auf die sie zunächst keine Lust haben. Und wie sie sich Kunden gegenüber nett und höflich verhalten.
Wer sind Ihre Kunden?
Die meisten kommen aus der Dienstleistungsbranche: Friseure, Verkäufer, Handwerker. Der Haarpflegespezialist Wella etwa schickt Azubis ebenso die Douglas Holding und Sparkassen. Insgesamt haben bislang gut 1200 junge Leute teilgenommen.
Und mit ein bisschen Tschakka-Tschakka machen Sie aus lustlosen Jugendlichen begeisterte Lehrlinge?
Wir motivieren Azubis dazu, sich als Aushängeschilder ihres Unternehmens zu sehen und damit auch zum wirtschaftlichen Erfolg beizutragen. Die Ausbilder bestätigen uns das. So sagte mir ein Friseurmeister, er hätte es nicht für möglich gehalten, dass seine Azubis morgens mit einem Lächeln in den Salon kommen können.
Interview: Marion Schmidt