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An der Metalldetektorschleuse unten in der Schule trudeln um zehn Uhr morgens immer noch Schüler ein. Ein Mädchen trägt Lockenwickler im Haar, die Jungen sind in bester Gangsta-Manier mit tief sitzenden Jeans und Baseballkappen ausstaffiert. Oben im dritten Stock aber sitzen schon seit Stunden ordentlich gekleidete Schüler über einem Test.
Ausgerechnet hier, an der Paul Robeson High School in einem Problembezirk im New Yorker Stadtteil Brooklyn, ist seit einem Jahr ein in den USA einzigartiges Bildungsmodell untergebracht: die Pathways in Technology Early College Highschool, kurz P-Tech genannt.
Dabei werden erstmals eine Oberstufenschule, ein College und eine Berufsausbildung miteinander verbunden. P-Tech ist eine Public-Private Partnership, gemeinsam entwickelt und finanziert von der Stadt New York, dem IT-Konzern IBM und dem City College. Die Stadt stellt die Lehrer und das Gebäude, IBM hat den Lehrplan erarbeitet, den Schulleiter ausgesucht und stellt die technische Ausrüstung. Jährlich werden rund 100 Schüler in die neunte Klasse aufgenommen. Innerhalb von sechs Jahren werden sie praxisnah für Computerberufe ausgebildet. Ein IBM-Mentor begleitet jeden Schüler und vermittelt Praktika, sodass die Schüler am Ende einen Highschool-Abschluss, ein College-Diplom und eine Lehre haben. Und dann, so der Plan, auch gleich einen Job bei IBM bekommen.
Eine berufsbegleitende Schule - das ist Neuland in den USA. Denn eine betriebliche Berufsausbildung wie in Deutschland oder Berufsakademien, die ein Studium während der Arbeit ermöglichen, sind dort unbekannt. Firmen klagen seit Langem über schlecht und praxisfern ausgebildete Absolventen von Highschools und Colleges, bieten aber kaum eigene Ideen, um das Problem zu lösen. IBM hat das nun erkannt und handelt. "Wir haben in Amerika eine Qualifikationskrise", sagt Stanley Litow, Präsident der IBM-Stiftung, die P-Tech trägt. Die Schule soll die Krise bekämpfen.
Mit Schülern wie dem 14-jährigen Cletus Andoh, der IT-Fachkraft von morgen werden soll - und will: "Ich bin Teil der Mouse Squad, die hier in der Schule die Computer repariert", erzählt er, "und wir bauen gerade einen Roboter, der laufen kann." Wie die meisten seiner Schulkameraden ist er Afroamerikaner, seine Familie ist arm. P-Tech will bewusst Jugendliche aus sozial schwachen Familien fördern und sie aus der Armutsspirale herausholen. Viele von ihnen könnten die Ersten in ihrer Familie sein, die ein College besuchen. Und das, ohne auch nur einen Cent Schulgeld zu zahlen.
| Wenig effizient |
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| Schwach Die Leistungen amerikanischer Schüler sind unterdurchschnittlich. Die letzte Pisa-Studie offenbarte Schwächen vor allem in Mathematik und Naturwissenschaften. 68 Prozent der 15-Jährigen können nicht gut rechnen. |
| Spendabel Dabei gibt kaum ein anderes Industrieland so viel Geld für Bildung aus. Etwa 10.000 Dollar lassen sich die USA einen Schüler pro Jahr kosten (Deutschland: etwa 6000 Dollar). |
"Unsere Schule hat die Kraft, Generationen zu verändern", sagt Rashid Davis. Der 41-jährige Schuldirektor trägt rückenlange Dreadlocks. Er weiß, dass es nicht reicht, einen anspruchsvollen Lehrplan einzuführen. Nötig sind vor allem Lehrer, die ihn richtig umsetzen: "Ich habe Lehrer ausgesucht, die daran glauben, dass jedes Kind es schaffen kann, hier abzuschließen, und die nicht aufgeben, wenn ein Teenager einen Stoff nicht beim ersten Anlauf versteht." Jeder Schüler wird mit Foto auf dem Schulflur vorgestellt, die mit herausragenden Leistungen besonders groß. "Die Schüler sollen sehen, dass es gut ist, Leistung zu zeigen."
Für IBM ist P-Tech das erste Bildungsprojekt, bei dem sich Mitarbeiter auch inhaltlich engagieren. "IBM hat die Scheckbuchwohlfahrt aufgegeben", sagt Litow, "anstatt nur Geld wollen wir geben, was am nötigsten ist: unsere Erfahrung und unsere Technologie." Geld gibt es aber auch: Bisher hat IBM 500.000 Dollar für P-Tech ausgegeben. Zudem stehen 100 IBM-Angestellte als Mentoren online im wöchentlichen Kontakt mit den Schülern und helfen ihnen bei den Hausaufgaben.
Für das nächste Jahr ist in New York die Eröffnung von drei weiteren berufsbildenden Schulen in Zusammenarbeit mit Unternehmen geplant. Chicago will schon in diesem Herbst gleich fünf neue Schulen mit Unternehmenssponsoren starten. Dabei sind neben IBM auch Microsoft , Cisco , Motorola Solutions und Verizon . Das ist ganz nach Stanley Litows Geschmack: "Wir wollen unser Schulmodell kreuz und quer in den USA ausrollen."