Die Bologna-Reform an den Hochschulen, die vor genau zehn Jahren angestoßen wurde, war ambitioniert: Sie veränderte grundlegend deutsche Studienabschlüsse und Universitäten, hat sie internationalisiert und das Studium verkürzt.
Sie kritiklos einen Erfolg zu nennen geht aber zu weit. Da macht es sich Bundesbildungsministerin Annette Schavan zu einfach. Denn tatsächlich hat die Reform viele Ziele nur zum Teil erreicht. Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, hat jetzt die Fehler klar benannt: Die Zahl der Hochschulwechsel ist viel zu gering und die Abbrecherquote zu hoch, die Strukturen sind viel zu unflexibel und zu verschult für Auslandssemester, Elternschaft und Nebenjobs. Und das Studium bringt inzwischen zwar schneller Absolventen hervor, aber leider weniger Persönlichkeiten, wie sie die Wirtschaft verlangt.
Hippler stellt sich offen gegen die Bildungsministerin - was sachlich berechtigt ist, aber vielleicht nicht geschickt, um notwendige Veränderungen mit ihr zu verhandeln.
Die Kritikpunkte sind nicht neu. Sie wurden schon vor fünf Jahren genannt, und Studenten schreiben sie regelmäßig auf Protestplakate. Umso beunruhigender ist, dass sie immer noch nicht angegangen werden. Das liegt zum Teil an den Hochschulen selbst. Die haben derzeit gar kein Interesse an neuerlichen Reformen. Sie müssen infolge geburtenstarker Jahrgänge und des G8-Abiturs mehr Studentenmassen als je zuvor bewältigen - und sind froh, wenn sie diese nach drei Jahren Bachelor wieder los sind.
Dabei wollen viele von denen weiterstudieren, mit einem Master haben sie eher eine Chance auf einen Job. Für mehr Masterplätze aber fehlt den Hochschulen das Geld. Das erhalten sie weder von den Ländern, die die Bologna-Reform als Sparreform missbrauchten, noch vom Bund: Schavans groß angekündigter Hochschulpakt 2020 finanziert keinen einzigen zusätzlichen Masterstudienplatz.