Kürzlich besuchte ich eine Wrestling-Veranstaltung, um meine trudelnde Work-Life-Balance wieder zurück ins Gleichgewicht zu wuchten. Wenn mein Kopf wummert und das Hirn vom vielen Denken pocht, habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, Männern in Spandex-Pelle dabei zuzusehen, wie sie sich platschend auf die Plauzen hauen.
Der Abend war ein voller Erfolg. Man zog sich gegenseitig Klappstühle über den Schädel, ein Kombattant würgte seinen Gegner bewusstlos. Ein anderer, ausgestattet mit pinkfarbener Federboa, benutzte seinen kleinwüchsigen Manager als Rammbock, um ihn seinem Widersacher in den Bauch zu, nun ja, rammen. Verglichen mit dem zermürbenden Taktieren und Diplomatisieren, das einem die Arbeitswelt beständig abnötigt, war das erfrischend direkt (und lieferte allerlei Anregungen für den Umgang mit künftigen Bürokontroversen). Dazu wurden vorzügliche Schmalzbrote serviert.
Nur eines hatten die Wrestler völlig falsch verstanden: Alle hatten aufwendige Einmarschrituale, mit eigener Hymne, Bodennebel, begleitenden Hotpants-Dohlen. Größtmögliches Bohei! Dabei kommt es in der Wrestling- wie in der Arbeitswelt nicht auf den perfekt inszenierten Auftritt, sondern vielmehr den würdevollen Abgang an. Besonders, wenn man gerade mit Schmackes k.o. gegangen ist.
Statt bedröppelt aus der Arena zu taumeln, sollte man den Auszug zelebrieren, auch und gerade als Geschlagener. Ich empfehle, sich schon in guten Zeiten Gedanken über eine adäquate Auszugszeremonie zu machen. Eine fade Massenmail allein reicht nicht für einen Exit mit Grandezza. Falls Sie dabei mit Abgeschmacktheiten wie "Time to Say Goodbye" oder "My Way" liebäugeln - besorgen Sie sich lieber einen gut sitzenden Spandexanzug.