"Willst Du noch kurz mein Büro sehen?", fragte er. Klar will man mal schauen, wo der Kumpel so sitzt und von wo aus er den ganzen Tag diese lustigen Bilder auf Facebook postet. Wir gingen durch ewig lange Gänge, vorbei an kahlen Wänden und viel Glas. Dann stand ich in meinem Büro.
Zumindest glaubte ich das: sein Schreibtisch - wie bei mir. Graue Tischplatte, ein Verlängerungselement. Zwei graue Rollcontainer - wie bei mir. Bildschirm, das graue Siemens-Systemtelefon. Auch wie bei mir. Ein Unterschied: Sein Besprechungstisch, mausgrau, steingrau oder aschgrau, ist rechteckig, meiner rund. Rund, witzelte mein Freund, bekäme er erst bei der nächsten Beförderung.
WAS IST NUR AUS UNS GEWORDEN? Man könnte sagen, ist doch banal, Unternehmen kaufen halt bei den gleichen Ausstattern ein. Es ist aber nicht banal, sondern furchtbar. Ich vermute ja, dass wir von den gleichen Menschen gefangen gehalten werden. Ich könnte mich wohl ohne Probleme morgens an seinen Schreibtisch setzen, den Rechner hochfahren und wild herumtelefonieren. Ich würde sein Unternehmen sogar voranbringen!
Oh Gott, unsere Träume von einst! "Ich werde über große Dinge schreiben", hatte ich getönt. "Ich werde große Dinge bewegen", rief er. "Ich werde mit meinen Kolumnen die Welt vor der Klimakatastrophe retten!" "Ich werde die Welt kaufen!" Alles vergebens. Nach zehn Jahren sitzen wir einfach an dem gleichen blöden grauen Schreibtisch.
Diese Kolumne ist meinem Freund E. gewidmet. Wir müssen nur noch 30 Jahre durchhalten!