Neulich war ich hier auf den Gängen irgendwohin unterwegs, zu einem Drucker, Snackautomaten oder Chef, ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls begegnete ich einem Kollegen, wir grüßten uns, dann bog ich zweimal ab, ging ewig lange weiter über die speckigen Teppiche, die auch doppelte Schaumreinigungen nicht mehr hinbekommen - bis ich den Kollegen erneut traf. Inzwischen hatte ich vergessen, warum ich eigentlich so durch die Gänge ging (und der Kollege offenbar auch), jedenfalls grüßten wir uns erneut, etwas stummer und verschämter als beim ersten Mal, beschleunigten unseren Gang und taten weiter sehr strebend und geschäftig.
Ich bog erneut ab und überlegte, ob ich den Kollegen wohl zum dritten Mal treffen würde. Und wie ich so streifte und strolchte, überlegte ich noch weiter, ob ich nicht künftig einen Großteil des Tages mit diesem Herumgehen und Abbiegen bestreiten könnte. Bald würden Kollegen mir schon von Weitem voller Ehrfurcht ausweichen, sie würden raunen: "Oh, da geht Horst wieder, der Arme, er hetzt hier immer durch die Gänge. Der hat bestimmt wieder etwas Superwichtiges zu tun."
Vielleicht müsste ich auch gar nicht mehr nach Hause gehen und könnte wie Tom Hanks in "Terminal" einfach bei Gruner + Jahr wohnen, essen, schlafen und sonst nur herumgehen und abbiegen.
Bald würde ich einen Hund dabeihaben, irgendeine degenerierte Rasse, die nur noch quiekend kläfft, und die letzten Jahre würde mich ein Praktikant, den alle für meinen persönlichen Pfleger halten, erst an der Hand geleiten und immer öfter mit dem Rollstuhl durch die Gänge schieben.
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr freue ich mich auf die Zukunft. Ja, ich glaube, mir stehen hier noch großartige Jahre bevor.