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Merken   Drucken   19.09.2011, 12:00 Schriftgröße: AAA

Cloud-Computing: Für Fachleute ist die Wolke ungefährlich

IT-Mitarbeiter fürchten, dass sie durch die Auslagerung von Technik und Software ins Internet überflüssig werden - vermutlich zu Unrecht. Denn so schnell kann der neue Trend zur Auslagerung die Spezialisten nicht ersetzen.
von Christine Demmer

Eigentlich stehen Informationstechniker ganz und gar nicht im Ruf, ihr Innenleben nach außen zu kehren. Die meisten geben sich cool, abgeklärt und Laien gegenüber oft überlegen. In diesem Jahr jedoch schütten Tausende von IT-Fachleuten aus allen Ebenen bei Befragungen ihr Herz aus und sprechen offen über ihre Sorgen.

Die Marktforscher von IDC und der weltweit agierende Technologiespezialist für Cloud-Computing VM-Ware haben Studien zur Befindlichkeit von IT-Mitarbeitern gemacht, ebenso wie der Softwareanbieter CA Technologies und die Technische Universität Berlin. Und natürlich auch das Fachmagazin für IT-Führungskräfte Cio.de. Angstfaktor Nummer eins bei den Computerfachleuten: die zunehmende Einführung von Cloud-Computing. Viele IT-Fach- und -Führungskräfte haben Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren.

Cloud-Computing: Auslagerung von IT-Komponenten   Cloud-Computing: Auslagerung von IT-Komponenten

Doch Finanzkrise hin, Rezession her: IT-Fachkräfte gehören zu den wenigen Berufsgruppen, die sich eigentlich nicht um Arbeitsmangel sorgen müssen. So die Auffassung vieler Experten. Denn die Entwicklung und Programmierung sowie der Betrieb von Plattformen, Systemen und Anwendungen verschwindet nicht in der Cloud. "Die Arbeit wird nicht weniger, sie verändert sich nur", sagt Mathias Weber vom Branchenverband Bitkom.

In der Informationstechnologie sei das nie anders gewesen, also: Warum jetzt diese Panik? Kopfschüttelnd ruft der Bereichsleiter IT-Services seine Kollegen vom Fach auf, Ruhe zu bewahren. Auch Unternehmer und Manager müssten keine Konflikte befürchten: "Es gibt keinen wirklichen Grund, dass sich IT-Abteilungen gegen die Einführung des Cloud-Computing sperren."

IT-Fachkräfte bisher Mangelware

Wer in einem Konzern arbeite, sei ohnehin auf der sicheren Seite, sagt Peter Hannen, Mitglied der Geschäftsleitung von Kienbaum Management Consultants in Köln: "Die brauchen jede Hand, weil sie selbst an Clouds bauen." Auch IT-Personal bei Mittelständlern hätte nichts zu befürchten, denn: "Cloud-Computing wendet sich dezidiert an Unternehmen mit bis zu 500 Computerarbeitsplätzen.

Diese Betriebe haben jetzt schon Probleme, qualifizierte IT-Fachkräfte zu bekommen." Nach einer Untersuchung im Auftrag des Bitkom waren im Juli 2011 rund 29.000 Stellen für Informatiker in der deutschen Wirtschaft unbesetzt. Und selbst wenn Firmen in die Cloud gehen, brauchen sie Mitarbeiter für die Steuerung und Koordination der Aufgaben. Dem Berater ist es schleierhaft, warum auf einmal die Angst vor Jobverlust die Runde macht. "Gute IT-Fachkräfte haben längst ihren Stellenwert erkannt und vermarkten sich entsprechend. Sofern sie ihr Wissen auf dem Laufenden halten, haben sie allerbeste Berufschancen, vom qualifizierten Programmierer bis hin zum IT-Leiter."

Die grassierende Jobangst erinnert Hannen an vorangegangene Wellen: Outsourcing zu Beginn der 90er-Jahre, das Application Service Providing (ASP) ein paar Jahre später, den Höhepunkt der Managed Services in den Krisenjahren 2008/2009. Mit jedem neuen Hype traten neue Bedenkenträger auf den Plan und malten die Zukunft von IT-Professionals schwarz in schwarz. Hannen hält das für eine zyklische Erscheinung: "Das ist erneut eine unbegründete Panik." Davon ist auch Personalberater Reinhard Stengl, Mitinhaber von Profil Consult, überzeugt. "Ich habe in den letzten 40 Jahren so viele Entwicklungen gesehen, Zentralisierung, Dezentralisierung, hin und zurück und wieder hin", sagt der frühere IT-Leiter. "Nie hat es eine Baisse auf dem IT-Arbeitsmarkt gegeben. Als das Outsourcing anfing, hat man Angst gehabt, dass die IT-Leiter zu Systemverwaltern werden. Als ASP hochkam, zitterten die Anwendungsentwickler. Und was ist passiert? Gar nichts."

Banken lagern nicht aus

So werde es auch dieses Mal kommen, sagt Stengl voraus. Schon deshalb, weil ein großer Anteil von ITlern im Geldgeschäft arbeite. "Eine Bank wird nie ins Cloud-Computing gehen", sagt der Personalberater. "Auch spezifische Firmendaten wird man nicht ins Netz geben. Es gibt Industriespionage, es gibt Hacker, die auf Unternehmen zugreifen, da sucht man den Schutz im eigenen Haus." Das folge erstens dem deutschen Sicherheitsstreben und zweitens "einem gewissen Gluckendenken: Ich sitze auf meinen Daten, dann weiß ich, wo die sind". Überdies würden durch die zahlreichen Cloud-Angebote ständig neue Arbeitsplätze entstehen. "Selbst wenn manche Jobs flöten gehen, werden anderswo neue entstehen."

Teil 2: Lesen Sie auch andere Einschätzungen des Arbeitsmarktes für IT-ler

  • FTD.de, 19.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland
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