Auftritt Ivanka Trump. Klackende Stöckelschuhe, wehendes Haar, strahlendes Lächeln, die Hand zum Gruß ausgestreckt. "Hi!" Ihre Stimme schallt durch das marmorvertäfelte Vorzimmer im 25. Stock der New Yorker Trump-Zentrale an der Fifth Avenue. "Schön Sie kennenzulernen", flötet sie. "Ich bin Ivanka."
Nein. Das ist kein Ausschnitt aus "The Apprentice", der Reality-Show ihres Vaters, in der sie seit 2006 mitwirkt. Das ist das wahre Leben. Und im wahren Leben legt die 29-Jährige so viel Eleganz und Selbstkontrolle an den Tag wie im Fernsehen. Sie ist gewissermaßen Trump 2.0 - und auf dem besten Weg, so allgegenwärtig zu werden wie ihr Vater.
Diesen Monat geht sie mir einer eigenen Schuhkollektion an den Start, im Februar kommen Ivanka-Trump-Handtaschen auf den Markt. Seit 2007 gibt es Luxus-Schmuck von ihr, den sie sowohl in einem eigenen Geschäft an der Madison Avenue verkauft als auch im Großhandel. Schätzungen zufolge liegt der 2010er Umsatz im Einzelhandelskanal bei 5 Mio. Dollar, im Großhandel bei 7,5 Mio. Dollar. Vor Kurzem kam Ivankas Ratgeberbuch "The Trump Card" auf den Mark, und auf Twitter verfolgen 830.000 Nutzer ihr Gezwitscher.
Ganz nebenbei verantwortet sie im väterlichen Immobilienunternehmen Trump International den Bereich Unternehmensentwicklung und Zukäufe. Nicht zu vergessen ihre Rolle als Mitgründerin der Trump Hotel Collection.
Mit anderen Worten: Sie versucht sich sowohl als eigenständige Unternehmerin als auch als auch Thronfolgerin ihres Vaters. Das ist nicht einfach, besonders wenn man so im Rampenlicht steht wie die Trumps. Doch sie scheint zu wissen, was sie tut. Ivanka Trump ist sich sehr genau bewusst, mit welchen Problemen sich die Erben der zweiten und dritten Generation in wohlhabenden, prominenten Familien herumschlagen müssen. Sie setzt zwar nicht gerade viel daran, diese Probleme aktiv anzugehen, aber sie drückt sich auch nicht davor.
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"Ich kenne Menschen, die unter dem Druck und dem langen Schatten zusammengebrochen sind: Entweder wollten sie sich so sehr von den Eltern distanzieren, statt ihre Vorteile zu nutzen, dass sie einfach unproduktiv wurden. Oder sie ließen sich derart lähmen, dass sie, aus Angst zu versagen, gar nichts mehr anpackten", sagt sie.
Hinter dem großen Schreibtisch in ihrem gläsernen Büro, in dem überall Zeitschriften herumliegen mit ihr, ihrem Mann, ihrem Bruder und ihrem Vater auf dem Titelblatt, scheint Ivanka Trump geradezu amüsiert darüber, dass man sie für jemanden halten könnte, der unter dem Druck übermächtiger Eltern zusammenbricht. Ihr Mann Jared Kushner stammt ebenfalls aus einer prominenten Immobilienunternehmerfamilie.
Nach einem Summa-cum-laude-Abschluss an der renommierten Managementschmiede Wharton School stieg Ivanka Trump 2004 ins väterliche Unternehmen ein. Damals war der Konzern an einem strategisch kritischen Punkt. "Mein Vater wollte keine Immobilien mehr bauen und stattdessen welche kaufen, und wir dachten: 'Wie können wir weiter wachsen?'", sagt Trump. "Hotels schienen eine logische Erweiterung. ... Mit unserer Erfahrung als Eigentümer und Bauträger sahen wir das Potenzial, ein guter Hotelbetreiber zu werden."
Heute gehören fünf Hotels zum Trump-Portfolio, zwei Neueröffnungen sind für kommendes Jahr vorgesehen (in Panama und Toronto). In New Orleans, Schottland und Dubai sind bereits weitere Hotels geplant.
2006 kam der Anstoß, eine eigene unternehmerische Karriere zu starten. Damals traf Frau Trump Moshe Lax von der Diamantenhandelsgesellschaft Dynamic Diamond Corp. Er wollte das Einzelhandelsgeschäft ausbauen, sie sah Potenzial für eine Nischenmarke für Menschen wie sie - junge Frauen, die sich selbst Schmuck kaufen. "Meine Mutter ließ sich Schmuck immer von meinem Vater kaufen."
Lax und Trump wurden Partner und gründeten Ivanka Trump Fine Jewelry. Sie kam gar nicht erst auf die Idee, für das Unternehmen nicht ihren Namen einzusetzen, auch wenn sie weiß, dass damit gewisse Erwartungen verbunden sind und dass solche Projekte für sie und ihre Familie ein Risiko darstellen.
Teil 2: Wie Ivanka Trump ihre Marke an den Mann oder die Frau bringt.