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Wer eine Sprachreise buchen will, kommt an EF nicht vorbei. In Schulen, auf Messen, in Bussen, im Internet - überall ist das Unternehmen mit seinem Angebot präsent. Jährlich buchen 16 Millionen Menschen auf der Welt eine EF-Leistung. Das Unternehmen ist ein Gigant im Bildungsmarkt. Doch kaum einer kennt es.
Denn im Gegensatz zum Marketing ist der Konzern selbst sehr verschwiegen. Der Gründer und Eigentümer Bertil Hult tritt so gut wie nie öffentlich auf. Der 71-jährige Schwede hat seinen Geschäftssitz in die Schweiz verlegt, wo er auch lebt. Gegründet hat er EF 1965 im schwedischen Lund unter dem Namen Europeiska Ferieskolan. Später benannte er das Unternehmen um in English First, in Deutschland firmiert es unter Education First. EF ist bis heute komplett in Familienbesitz. Neben Hult senior arbeiten drei seiner vier Söhne im Konzern.
Hult ist mit Sprachenlernen reich geworden, sein geschätztes Vermögen beläuft sich auf 2,5 Mrd. Euro. Er ist damit einer der reichsten Männer der Welt, in der Forbes-Liste steht er auf Platz 377. Und er hat reiche Freunde, etwa die schwedische Königsfamilie. Doch als er Kronprinzessin Victoria und ihrem Mann für die Flitterwochen seine Privatyacht zur Verfügung stellte, sorgte das in Schweden für ähnlich großen Ärger wie bei Ex-Bundespräsident Christian Wulffs Reisen zu Freunden.
Sein Sprachimperium umfasst 16 Tochterfirmen, über 400 Sprachschulen in 60 Ländern, Onlinekurse, Sprachtraining, Bildungsreisen und eine Business School. Zum Umsatz hat Hult jedoch noch nie Angaben gemacht. In einem der seltenen Interviews, die er gibt, sagte er im Mai dem Schweizer Wirtschaftsmagazin "Bilanz": "Ich kann keinen einzigen Vorteil für uns darin erkennen, Zahlen zu nennen. Wir haben das Unternehmen so strukturiert, dass es unmöglich sein sollte, Umsätze und Gewinne herauszufinden."
Immerhin sagt er, dass EF 90 Prozent seines Umsatzes mit Englischkursen erwirtschaftet. Für Deutschland beziffert Geschäftsführer Stefan Schwarz einen Umsatz im "niedrigen zweistelligen Millionenbetrag" mit Sprachreisen. Im vergangenen Jahr ist EF um 26 Prozent gewachsen. Das ist Hult aber "zu schnell": "Für 2012 haben wir uns das Ziel gesetzt, nicht stärker als 20 Prozent zu wachsen, damit wir keine Probleme mit der Qualitätssicherung bekommen."
Wilhelm Meyer weiß, was Hult damit meint. Mehrfach hat der Berliner Fachanwalt für Reiserecht EF wegen Vertragsbruchs verklagt - und gewonnen. "Die halten sich nicht an das, was sie versprechen." Doch egal wie negativ Kommentare und Urteile auch seien, EF würde trotzdem gute Geschäfte machen: "Das Unternehmen ist wie Teflon - an denen prallt alles ab", sagt Meyer. Er kritisiert vor allem die mangelnde Transparenz des Konzerns, der in seiner Broschüre nicht einmal ein vollständiges Impressum habe. "Eltern geben ihr Kind an ein Unternehmen, von dem sie nichts wissen."