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An der amerikanischen Eliteuniversität Harvard ist die Krise vorbei: Zum Morgenmeeting gibt es jetzt wieder ein warmes Frühstück. Beim Absturz der Finanzmärkte hatte die Uni 2008 fast ein Drittel ihres Stiftungskapitals, rund 11 Mrd. Dollar, verloren und musste daraufhin kräftig sparen. Nicht nur Sandwichs wurden gestrichen, auch Mitarbeiter entlassen und Bauvorhaben abgesagt. Jetzt geht es wieder aufwärts. Im vor Kurzem abgelaufenen Geschäftsjahr legte der Stiftungsfonds der Uni um 21,4 Prozent auf 32 Mrd. Dollar zu und rückt damit wieder an das Vorkrisenniveau von 37 Mrd. Dollar heran - jedoch mit offenbar unethischen Investments.
Dies zumindest behauptet das Oakland Institute. Der kalifornische Thinktank für Umweltschutz wirft der Eliteuni und weiteren US-Hochschulen vor, mehrere Millionen Dollar in einen Hedge-Fonds investiert zu haben, mit dem Land in Afrika aufgekauft und Bauern von ihren Feldern vertrieben würden. Der von London aus geführte Emergent-Fonds gilt als einer der größten Investoren in Ländereien in Afrika. 270 Prozent Rendite in den kommenden fünf Jahre verspricht Emergent Asset Management in seinem Prospekt. 60 Mio. Euro wollen die Hedge-Fonds-Manager in einer neuen Tranche ihres Fonds einsammeln, um 55.000 Hektar Land südlich der Sahara zu kaufen. Mindestanlage 5 Mio. Euro für institutionelle, 500.000 Euro für private Anleger.
Auch Harvard soll bei dem umstrittenen Angebot zugegriffen haben. "Kein Kommentar" dazu von der Uni, "die Harvard Management Company diskutiert weder ihre Anlagen noch ihre strategische Ausrichtung", heißt es auf Anfrage lapidar. Der Hedge-Fonds Emergent selbst bestreitet, dass die Eliteuni aktuell bei ihm Kunde ist. Harvard-Studenten mutmaßen, dass ihre Uni kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe schnell aus dem Fonds ausgestiegen ist. Im Studentenblatt "Harvard Crimson" machen sie deutlich: "Fest steht, dass Harvards Forschungseinrichtungen und Professuren nicht auf der Ausbeutung der Dritten Welt beruhen dürfen. Harvard hat eine ethische Verpflichtung."
Das mag sein, doch seit der Finanzkrise von 2008 setzen viele Stiftungsverwalter in den USA auf einen aggressiven Investmentstil, um verlorenes Terrain gutzumachen. Auf der Suche nach Toprenditen werden immer größere Geldmengen in alternative Investments geleitet. Harvard hat als einer der ersten großen Investoren in Hedge-Fonds und amerikanische Nutzwälder investiert.
Die Investments der Harvard Management Company (HMC), die das Stiftungsvermögen verwaltet, waren schon früher nicht unumstritten: 2006 verkaufte Harvard seine Beteiligung an Petrochina und Sinopec wegen deren unkritischer Haltung zum Genozid im sudanesischen Darfur. 2010 veräußerte die HMC nach Protesten ihre Anteile an isrealischen Unternehmen wie Teva und Cellcom, da diese eine aktive Rolle bei der Unterdrückung des palästinensischen Volkes spielten.