Kaum war am vergangenen Freitag die Nachricht raus, dass die Universität Bremen zum neuen Kreis der deutschen Exzellenzhochschulen gehört, da meldeten sich im Rektorat per E-Mail schon die ersten Bewerber für Stellen. "Wir werden jetzt ganz anders wahrgenommen", sagt Marcus Beiner, Leiter der Hochschulentwicklungsplanung der Uni Bremen.
Bis in die 90er-Jahre war die Uni Bremen als rote Kaderschmiede verschrien, in der mehr diskutiert als geforscht wurde. Das hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Mit der Auszeichnung des Zukunftskonzepts beim Exzellenzwettbewerb steigt jetzt auch Bremens Attraktivität als akademischer Arbeitgeber. "Die Rekrutierung wird mit dem Sieg leichter, weil wir uns aus den Exzellenzmitteln endlich auch richtig gute Leute leisten können", sagt Beiner. "Wir müssen jetzt nur schauen: Wie schnell sind wir?"
Die Exzellenzinitiative, die Bund und Länder 2006 gestartet haben und die gerade in die letzte Runde geht, hat den Universitäten nicht nur viel Geld gebracht, sondern auch viel Arbeit für Wissenschaftler. Aus den Mitteln des Förderwettbewerbs wurden in den ersten beiden Runden bislang 4200 neue Stellen geschaffen, insgesamt arbeiten 17.552 Wissenschaftler in Exzellenzclustern und Graduiertenschulen. In der jetzt entschiedenen letzten Förderrunde werden es noch mehr sein, weil die Mittel aufgestockt wurden; bis 2017 werden 2,7 Mrd. Euro an die ausgezeichneten Unis fließen. Beim Deutschen Hochschulverband (DHV) geht man davon aus, dass in den kommenden Wochen und Monaten über 6000 Wissenschaftler zusätzlich gesucht werden - in Deutschland, Europa und weltweit. "Da wird jetzt ein Run auf die Allerbesten einsetzen", sagt DHV-Geschäftsführer Michael Hartmer.
Elf Eliteunis konkurrieren um Spitzenforscher. Hinzu kommen weitere 28 Unis, die Exzellenzcluster und Graduiertenschulen gewonnen haben. In den Clustern arbeiten Wissenschaftler verschiedener Disziplinen an Zukunftsthemen, in den Schulen werden Doktoranden ausgebildet. "Die Konkurrenz ist groß, vor allem der Wettbewerb um Nachwuchswissenschaftler wird sich verstärken", sagt Beiner von der Uni Bremen.
Gerade für junge Leute, die promovieren wollen oder danach eine Stelle als so genannter Postdoc suchen, bietet die Exzellenzinitiative beste Karriereperspektiven: Noch nie zuvor hatten Jungwissenschaftler so gute Chancen auf einen Job.
Die TU München (TUM) hat angekündigt, 100 neue Professoren zu berufen, dazu noch Dutzende weitere Doktoranden und Postdocs. "Das ist ein Riesenprojekt", sagt TUM-Präsident Wolfgang Herrmann. An der Berliner Humboldt-Uni (HU), die neu in die Elite-Liga aufgestiegen ist, werden etwa 150 neue Stellen geschaffen, davon 17 Professoren und zwölf im Management. Diese Woche schon sollen die ersten Stellenausschreibungen rausgehen.
Gesucht sind neben Forschern auch Fachleute, die Zukunftskonzepte umsetzen, Strategien weiterentwickeln und Forschungscluster begleiten können. An der HU hat man solche Hochschulmanager frühzeitig aufgebaut - und will sie jetzt halten. "Die Leute werden uns aus den Händen gerissen", sagt Präsident Jan-Hendrik Olbertz.
Gerade die Neuzugänge, HU, TU Dresden sowie die Unis in Bremen, Köln und Tübingen müssen sich jetzt im Wettbewerb um exzellente Wissenschaftler gegen die etablierten Unis in München, Berlin, Aachen und Konstanz durchsetzen. Olbertz setzt dabei auf die Attraktivität des Standorts Berlin und den "Spirit" der traditionsreichen Humboldt-Uni. Er weiß: Bei den Gehältern kann er nicht mit Bayern oder Baden-Württemberg mithalten. "Aber wir sind beliebt bei jungen Wissenschaftlern, die finden die Stimmung bei uns gut und schauen auch nicht auf die letzte Kommastelle beim Gehalt", so Olbertz.
Auch in Bremen kann Planungschef Beiner nicht mit großen Schecks wedeln. Er lockt mit "flachen Hierarchien", einer "Kultur der Unterstützung" und der Aussicht auf eine feste Stelle. Die Uni hat unbefristete Stellen unterhalb der Professur eingerichtet für so genannte Senior Researcher, die sehr forschungsstark sind und viele Drittmittel einwerben. Davon hätten die Bremer gern mehr - und suchen diese auch gezielt: "Wenn einer unserer Forscher einen geeigneten Kollegen auf einer Tagung trifft, kann er ihn für zwei Wochen auf unsere Kosten an die Uni einladen, damit er uns kennen lernt, und wir uns ihm präsentieren können", sagt Beiner.
DHV-Chef Michael Hartmer allerdings befürchtet, dass durch die Exzellenzinitiative sehr viele Nachwuchswissenschaftler ins System geholt und qualifiziert werden - und später, wenn die Fördermittel auslaufen, wieder gehen können, weil es im deutschen Berufungssystem zu wenig festen Stellen gebe. Seit Jahren seien kaum neue Professuren geschaffen worden, so Hartmer. "Da ist richtig Druck im Kessel."
Die TU München reagiert darauf. Sie hat gleich ihr ganzes Zukunftskonzept "TUM Faculty Tenure Track" auf die Personalrekrutierung ausgerichtet. Junge Talente mit Auslandserfahrung bekommen eine klare Perspektive: Wenn sie sich innerhalb von sechs Jahren bewähren, können sie zum fest angestellten Full Professor aufsteigen. "Damit bauen wir ein bundesweit einmaliges Karrieresystem auf", sagt Präsident Herrmann, "das wird ein Paradigmenwechsel im deutschen Berufungssystem sein. Wir können international nur wettbewerbsfähig sein, wenn wir jungen Leuten eine Perspektive geben."