In Deutschland gibt es eigentlich wenig offene Diskriminierung von Frauen. Dennoch haben es weibliche Mitarbeiter schwer, die Karriereleiter zu erklimmen - auch heute noch. Die Diskussion um eine Frauenquote hat in diesem Zusammenhang wenig gebracht. Das zeigt auch eine nicht repräsentative Onlineumfrage der Managementberatung Synergy Consult unter mehr als 130 Beschäftigten deutscher Unternehmen aller Branchen. Denn, so eines der Ergebnisse, systematische Frauenförderung ist hierzulande eher nicht verbreitet. Und verglichen mit dem Stand vor etwa einem Jahr hat sich die Situation noch verschlechtert.
Gut 62 Prozent der Studienteilnehmer nehmen ihr Unternehmen als frauenfreundlich wahr - das sind gut fünf Prozentpunkte weniger als noch 2011. Immerhin gaben sie an, dass die offene, transparente und mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur dazu beiträgt, dass sich Frauen auch in reinen Männerteams wohlfühlen. Teilzeitjobs werden in hohem Maße akzeptiert, doch auch hier ist der Trend rückläufig. Die gesellschaftliche Diskussion über Vielfalt, Frauenförderung und die politischen Bemühungen scheinen an dieser Stelle nicht wirklich zu fruchten, so das Resümee von Synergy Consult-Chefin Petra Köppel.
Deutlich schlechter als bisher werden auch die Möglichkeiten bewertet, als Führungskraft in Teilzeit zu gehen, ebenso die Vereinbarkeit von Job und Familie sowie Angebote zur Telearbeit. Die Arbeitsflexibilisierung scheint demnach wieder im Rückwärtsgang. Allein, dass Eltern gegen 16 Uhr ihre Arbeit beenden müssen, um ihr Kind aus der Kita abzuholen, wird nur noch in etwa 68 Prozent der Unternehmen toleriert - früher waren es fast 74 Prozent.
Selbst Väter nehmen nach Einschätzung der Befragten weniger oft die Elternzeit wahr. Die Zahl der Unternehmen, die eine Kinderbetreuung anbieten, sank zudem von 56 auf gut 47 Prozent. Für die Frauen besonders hinderlich ist: Frauenprogramme, Mentoring oder spezielle Netzwerke gibt es nur noch in 37 Prozent der Firmen (vorher 44 Prozent).
Auch das Interesse herauszufinden, warum Frauen in der Firma selten in die obersten Hierarchieebenen vorstoßen können, scheint eher gering. In weniger als jedem dritten Betrieb der Onlineumfrage wurde eine Ursachenanalyse durchgeführt, warum es an Frauen in den Chefetagen mangelt. Ob es an den Rekrutierungs- und Beförderungsregeln liegt, wurde in den vergangenen Monaten auch eher spärlich analysiert (nur gut 31 Prozent). Dabei wird zumindest verbal sehr viel Wert auf Frauen gelegt. In jedem zweiten Unternehmen postulierte das Topmanagement, Frauen fördern zu wollen.
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Wird berücksichtigt, dass die Themen Frauenfeindlichkeit, Frauenförderung und Diversity in den vergangenen Monaten häufig in den Medien und der öffentlichen Diskussion auftauchten, lässt sich vermuten, dass es ein gewachsenes Bewusstsein für Ungleichheiten und Nachteile gibt, die sich möglicherweise in der aktuellen Welle der Onlinestudie zeigen. Es kann dazu führen, dass die gleiche Situation und die gleichen Angebote möglicherweise nun kritischer wahrgenommen und bewertet werden. Auch die Zusammensetzung der Teilnehmer kann zu Verzerrungen geführt haben.
Dennoch stellt sich die Frage: Hat die Frauenfreundlichkeit der Unternehmen abgenommen? Hat sich also die gelebte Praxis in Sachen Gleichstellung der Geschlechter, Frauenförderung und Diversity verschlechtert?
Die Sozialforscherin Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, sagte dazu in einer Diskussion: "Die Unternehmen werden sich mehr und mehr bewusst, dass sie die Frauen nicht nur des Firmenimages wegen fördern sollten, sondern vor allem, um in ein paar Jahren genügend adäquate Führungskräfte zu haben. Das zeigen unsere Ergebnisse. Darauf sollten Frauen mit Karrierewunsch aufbauen und zudem für eine andere Ausgestaltung der Arbeitsplätze streiten - flexibler, vor allem über Phasen der Kindererziehung und Familienbetreuung hinweg, praktikabler, effektiver."