Wer einen Jobwechsel plant, ist gut beraten, beim bisherigen Arbeitgeber vorzufühlen, ob diesem ein Bleiben etwas wert ist. Ein aufgestocktes Gehalt, Vergünstigungen wie Dienstwagen, flexiblere Arbeitszeiten oder auch ein spannendere Arbeitsaufgabe sind manchmal mehr wert als der Neustart bei einem anderen Arbeitgeber verspricht.
Die Studie "Workplace Survey" des Personaldienstleisters Robert Half ergab nun, viele Arbeitgeber starten zumindest den Versuch, ihre wechselwilligen Mitarbeiter zum Bleiben zu bewegen. Und immerhin ein Drittel hat damit Erfolg! Knapp 33 Prozent der Jobwechsler lassen sich derzeit in Deutschland umstimmen und nehmen ein verbessertes Angebot ihres bisherigen Chefs an.
Im übrigen Europa werden Gegenangebote dagegen seltener akzeptiert: In Großbritannien ziehen nur 31 Prozent ihre Kündigung zurück, in Frankreich 29 Prozent, im europaweiten Schnitt sind es gar nur 25 Prozent. Dafür werden zum Beispiel in Frankreich Gegenangebote als Personalbindungsinstrument inzwischen besonders häufig eingesetzt (27 Prozent). In Deutschland probiert es bisher nur etwa jede fünfte Firma. Für die Studie wurden 1870 Personalmanager in 17 Ländern weltweit zu Karrieretrends befragt.
"Unternehmen befinden sich in einer schwierigen Situation, wenn wichtige Mitarbeiter den Arbeitgeber wechseln wollen", sagt Sladjan Petkovic, Director bei Robert Half International. "Dennoch sollten Gegenangebote immer auf ihren tatsächlichen Nutzen überprüft und nur bei wirklich unentbehrlichen Mitarbeitern eingesetzt werden. Besser ist es, ein Unternehmensklima zu schaffen, in dem Mitarbeiter gern arbeiten - und gute Kräfte so langfristig zu binden."
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Beschäftigte in Deutschland sind sich auf jeden Fall ihrer komfortablen Position bewusst: Sie gehen weltweit am zuversichtlichsten in Verhandlungen um einen neuen Job beziehungsweise in Gespräche, die eine Vertragsverbesserung beim bisherigen Arbeitgeber bringen sollen. Einer Umfrage des Karriereportals Linkedin zufolge blicken 21 Prozent der Deutschen solchen Terminen mit Vorfreude entgegen, 43 Prozent nehmen die Verhandlungen mit Zuversicht in Angriff.
Negative Emotionen lassen dagegen die wenigsten zu: Nur 15 Prozent der Deutschen fürchten solche Gespräche, lediglich zwei Prozent haben Angst. Damit liegen die Deutschen in Sachen Zuversicht in arbeitsalltäglichen Gesprächen weltweit in Front. Die Untersuchung ergab zudem: Männer sind positiver gestimmt und selbstbewusster als Frauen (37 Prozent versus 26 Prozent). Was jedoch immer noch die ruhigsten Nerven für knifflige Gespräche verspricht, ist eine gute Vorbereitung, geben auch die Linkedin-Experten gerne zu.
Ebenso optimistisch gestimmt sind Deutsche übrigens für jegliche Form von Verhandlungen: Termine mit Kunden, Mitarbeitergespräche, Diskussionen mit Kollegen. Jeder zweite deutsche Berufstätige fühlt sich in all diesen Situationen zuversichtlich. Was Personalfachleuten und Psychologen zufolge die Erfolgschancen erhöht. Das zahlt sich häufig aus - für den Mitarbeiter zum Beispiel bei Wechsel-Gesprächen, für den Arbeitgeber im Kundenkontakt.