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Merken   Drucken   12.04.2012, 10:00 Schriftgröße: AAA

Karriere: Wie Soft Skills Sie nach oben bringen

Soft Skills werden mehr und mehr zum entscheidenden Erfolgskriterium im Job. Fachkenntnisse allein und glänzende Zeugnisse reichen schon lange nicht mehr. Welche der "weichen Fertigkeiten" am weitesten bringen.

Jeder zweite Deutsche ist sich sicher: Der Schlüssel zum Erfolg sind heutzutage die Soft Skills. Sie bewerten die Fertigkeiten, die man neben fachlicher Expertise und Erfahrung braucht, als ausschlaggebend für die Karriere an. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Karrierenetzwerks Linkedin unter mehr als 7000 Berufstätigen in fünfzehn Ländern, davon 1400 im deutschsprachigen Raum.

Als besonders wichtig erachten die Teilnehmer kommunikative Fähigkeiten, außerdem Flexibilität und gutes Netzwerken. Aber auch Chancen zu erkennen und zu nutzen, Entscheidungen zu treffen, Teamwork und selbstkritisch sein bezeichnen sie als wichtige Fähigkeit im Berufsleben.


Welche Soft Skills sind für Sie Schlüsselqualifikationen?

FähigkeitNennungen
starke Kommunikationsfähigkeit58 Prozent
Flexibilität54 Prozent
gutes Netzwerken54 Prozent
Gelegenheiten nutzen39 Prozent
aus Fehlern lernen39 Prozent

Immerhin gut jeder Zweite in Deutschland, Österreich und der Schweiz sieht sich in seinem Beruf als sehr erfolgreich. Überzeugter von den eigenen Karrierefortschritten sind nur noch Japaner und Südkoreaner, von denen sich 93 Prozent der Berufstätigen als Erfolgsmenschen einstufen. Nach Meinung der Studienautoren könnte dieser hohe Wert jedoch Mentalität und Tradition der Asiaten geschuldet sein: Selbstkritik ist in manchen asiatischen Ländern eher ungern gesehen.

Wohin führt mich mein Weg?

Doch Erfolg hin oder her - hierzulande sind sich mehr als zwei Drittel der Beschäftigten völlig im Unklaren darüber, wohin ihr Berufsweg sie führt. Sie halten die Karriere schlichtweg für nicht planbar. Die Experten von Linkedin sind dagegen der Meinung, dass diese Zahlen vor allem darauf fußen, dass mancher seine Karriereziele noch nicht identifiziert hat. Sie raten, die Soft Skills zu trainieren.

Alexander Zipp, Marketing-Manager DACH-Region Linkedin   Alexander Zipp, Marketing-Manager DACH-Region Linkedin

Alexander Zipp, Marketing-Manager bei Linkedin für den deutschsprachigen Raum: "Jeder bringt andere Talente mit. Soft Skills sind schließlich Fertigkeiten, die man nicht unbedingt an der Uni oder in der Ausbildung lernt. Sie werden gerade in Deutschland aber zu wenig beachtet."

Der Karriereexperte rät, sich bewusst zu werden, wo die eigenen Stärken liegen und dass man an den Schwächen arbeiten kann. Wer sich klar ist, wonach er strebt und sich Hilfe holt, um dieses Ziel zu erreichen, erreicht die Position eher und leichter, ist seine Prognose. "Wichtig ist auch zu wissen, was entspricht mir eigentlich. Für alle gilt aber: Ein starkes Netzwerk ist der Erfolgsfaktor der Zukunft, denn Jobs werden heute kaum noch vergeben ohne die Fürsprache anderer."

Zusammengefasst extrahierten die Studienautoren aus der Linkedin-Umfrage folgende sieben Karrieregeheimnisse:

  • Wichtig ist zu wissen, wohin die Reise geht. Wer weiß, was er erreichen will, wer seine Stärken und Schwächen kennt, ist in der Regel erfolgreicher und glücklicher im Job.
  • Häufig landet man nicht da, wo man es vermutet hätte. Die meisten Laufbahnen verlaufen nicht geradlinig. Denn der Mensch entwickelt sich ständig weiter - fachlich und persönlich. Das ist normal. Aber im Rückblick ergeben viele Stationen dann doch einen Sinn.
  • Shit happens. Unvorhergesehene Ereignisse beeinflussen die Karriere: Liebe, Jobangebote, Entlassungen. Berufliche Richtungsänderung, die sich nicht auf den ersten Blick ergeben, sollten im Lebenslauf oder beruflichen Profilen erklärt werden.
  • Wer aktiv etwas tut, kommt weiter. Die Erfahrung zeigt: Menschen, die ihren Berufsweg selbst gestalten, kommen ihrem Traumjob näher und sind erfolgreicher. Es geht nicht darum, was man hat, sondern was man tut.
  • Wichtig sind Fähig- und Fertigkeiten, nicht Zeugnisse. Qualifikationen und gute Abschlussnoten sind höchstens die Eintrittskarte für Bewerbungsgespräche. Den potenziellen Arbeitgeber überzeugen Kompetenzen wie Kommunikations- und Entscheidungsfähigkeit, überlegtes Handeln etc.
  • Für Soft Skills gibt es keine Ausbildung. Für die "weichen Fähigkeiten und Fertigkeiten" nützt ein Lehrprogramm. Jeder muss sie entsprechend seinen Talenten und seiner Persönlichkeit entwickeln.
  • Die beste Investition ist die in sich selbst. Wer vorankommt, muss sich mit seinen Karrierezielen beschäftigen, stetig lernen, sich informieren am Ball bleiben. Fachliche Weiterbildung zählt dabei genauso wie die Bildung der Persönlichkeit.

Wie viel Zeit man in die Arbeit an der Karriere investieren sollte, hängt von jedem selbst ab. Frühere Forschungen, die von neun Minuten am Tag sprachen, gelten als überholt. "Am Anfang eines Berufslebens ist es vielleicht wichtiger, sich täglich und immer wieder intensiv mit den Karrierezielen zu befassen. Ratsam ist, sich klar zu werden, was den eigenen Fähigkeiten entspricht und das möglichst auch aufzuschreiben. Später ist möglicherweise wichtiger, sich täglich zu informieren, was Beruf, Branche oder die eigene Person betrifft, und so am Ball zu bleiben."

Feedback holen, an sich arbeiten

Wer unzufrieden mit seiner aktuellen Jobsituation ist und deshalb seine Karriere vorantreiben will, dem rät Zipp, sich zunächst einmal private Referenzen einzuholen. Die Meinung von Freunden oder engen Kollegen, von ehemaligen Mitarbeitern und Partnern kann dem Fragenden helfen, ein ehrliches Feedback zu bekommen. "Oft öffnet das die Augen, ob ein angestrebtes Karriereziel passt oder doch überdacht werden sollte, ob etwas an der Selbstdarstellung geändert werden muss. Ist das Ziel identifiziert, gilt es die Passivität über Bord zu werfen. Nur wer aktiv um den nächsten Karriereschritt kämpft, wird wahrgenommen."

Deutsche, so der Eindruck von Zipp, sind in Sachen Karriere und Netzwerken noch deutlich zurückhaltender und konservativer. Sie agieren bei der Stellensuche oft nach veralteten Mustern und unpersönlicher als beispielsweise Beschäftigte in den angelsächsischen Ländern. "So wichtig die Karriere dem Einzelnen ist - es gilt, Gelassenheit zu entwickeln, die eigenen Fähig- und Fertigkeiten zu entwickeln und so den Berufsweg zu gestalten."

  • FTD.de, 12.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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