Jeder zweite Deutsche ist sich sicher: Der Schlüssel zum Erfolg sind heutzutage die Soft Skills. Sie bewerten die Fertigkeiten, die man neben fachlicher Expertise und Erfahrung braucht, als ausschlaggebend für die Karriere an. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Karrierenetzwerks Linkedin unter mehr als 7000 Berufstätigen in fünfzehn Ländern, davon 1400 im deutschsprachigen Raum.
Als besonders wichtig erachten die Teilnehmer kommunikative Fähigkeiten, außerdem Flexibilität und gutes Netzwerken. Aber auch Chancen zu erkennen und zu nutzen, Entscheidungen zu treffen, Teamwork und selbstkritisch sein bezeichnen sie als wichtige Fähigkeit im Berufsleben.
| Fähigkeit | Nennungen |
|---|---|
| starke Kommunikationsfähigkeit | 58 Prozent |
| Flexibilität | 54 Prozent |
| gutes Netzwerken | 54 Prozent |
| Gelegenheiten nutzen | 39 Prozent |
| aus Fehlern lernen | 39 Prozent |
Immerhin gut jeder Zweite in Deutschland, Österreich und der Schweiz sieht sich in seinem Beruf als sehr erfolgreich. Überzeugter von den eigenen Karrierefortschritten sind nur noch Japaner und Südkoreaner, von denen sich 93 Prozent der Berufstätigen als Erfolgsmenschen einstufen. Nach Meinung der Studienautoren könnte dieser hohe Wert jedoch Mentalität und Tradition der Asiaten geschuldet sein: Selbstkritik ist in manchen asiatischen Ländern eher ungern gesehen.
Doch Erfolg hin oder her - hierzulande sind sich mehr als zwei Drittel der Beschäftigten völlig im Unklaren darüber, wohin ihr Berufsweg sie führt. Sie halten die Karriere schlichtweg für nicht planbar. Die Experten von Linkedin sind dagegen der Meinung, dass diese Zahlen vor allem darauf fußen, dass mancher seine Karriereziele noch nicht identifiziert hat. Sie raten, die Soft Skills zu trainieren.
Alexander Zipp, Marketing-Manager bei Linkedin für den deutschsprachigen Raum: "Jeder bringt andere Talente mit. Soft Skills sind schließlich Fertigkeiten, die man nicht unbedingt an der Uni oder in der Ausbildung lernt. Sie werden gerade in Deutschland aber zu wenig beachtet."
Der Karriereexperte rät, sich bewusst zu werden, wo die eigenen Stärken liegen und dass man an den Schwächen arbeiten kann. Wer sich klar ist, wonach er strebt und sich Hilfe holt, um dieses Ziel zu erreichen, erreicht die Position eher und leichter, ist seine Prognose. "Wichtig ist auch zu wissen, was entspricht mir eigentlich. Für alle gilt aber: Ein starkes Netzwerk ist der Erfolgsfaktor der Zukunft, denn Jobs werden heute kaum noch vergeben ohne die Fürsprache anderer."
Zusammengefasst extrahierten die Studienautoren aus der Linkedin-Umfrage folgende sieben Karrieregeheimnisse:
Wie viel Zeit man in die Arbeit an der Karriere investieren sollte, hängt von jedem selbst ab. Frühere Forschungen, die von neun Minuten am Tag sprachen, gelten als überholt. "Am Anfang eines Berufslebens ist es vielleicht wichtiger, sich täglich und immer wieder intensiv mit den Karrierezielen zu befassen. Ratsam ist, sich klar zu werden, was den eigenen Fähigkeiten entspricht und das möglichst auch aufzuschreiben. Später ist möglicherweise wichtiger, sich täglich zu informieren, was Beruf, Branche oder die eigene Person betrifft, und so am Ball zu bleiben."
Wer unzufrieden mit seiner aktuellen Jobsituation ist und deshalb seine Karriere vorantreiben will, dem rät Zipp, sich zunächst einmal private Referenzen einzuholen. Die Meinung von Freunden oder engen Kollegen, von ehemaligen Mitarbeitern und Partnern kann dem Fragenden helfen, ein ehrliches Feedback zu bekommen. "Oft öffnet das die Augen, ob ein angestrebtes Karriereziel passt oder doch überdacht werden sollte, ob etwas an der Selbstdarstellung geändert werden muss. Ist das Ziel identifiziert, gilt es die Passivität über Bord zu werfen. Nur wer aktiv um den nächsten Karriereschritt kämpft, wird wahrgenommen."
Deutsche, so der Eindruck von Zipp, sind in Sachen Karriere und Netzwerken noch deutlich zurückhaltender und konservativer. Sie agieren bei der Stellensuche oft nach veralteten Mustern und unpersönlicher als beispielsweise Beschäftigte in den angelsächsischen Ländern. "So wichtig die Karriere dem Einzelnen ist - es gilt, Gelassenheit zu entwickeln, die eigenen Fähig- und Fertigkeiten zu entwickeln und so den Berufsweg zu gestalten."