Lucy Kellaway ist FT-Kolumnistin.
Vor Kurzem war ich auf der Party einer Freundin, die gerade ein Kind bekommen hatte. Die Hälfte der Gäste hatte ebenfalls kurz zuvor Kinder bekommen, und so wimmelte es von Säuglingen - schreienden, schlafenden, in Tragetüchern, auf Armen und an Brüsten. Ich saß zwischen zwei Frauen, die sich über ihre Rückkehr in die Arbeitswelt unterhielten. Die eine war selbstständig und hatte keinen Mutterschaftsurlaub genommen, die andere hatte die Hälfte ihrer einjährigen Auszeit hinter sich und wollte künftig Teilzeit arbeiten.
Während ich ihnen so zuhörte, erinnerte ich mich an diese eigentümliche Mischung aus Kameradschaft, Konkurrenzdenken, Angst und Erschöpfung. Wie wenig sich doch in den 20 Jahren seit der Geburt meines ersten Kindes verändert hat, dachte ich. Wie man die Zeit zwischen Baby und Job verteilt, ist heute eine ebenso verwirrende Frage wie damals.
Als vor Kurzem die hochschwangere Marissa Mayer zur Chefin von Yahoo ernannt wurde, hätte es nur eine einzige vernünftige Reaktion gegeben- Schulterzucken. Schließlich ist sie nicht die erste erfolgreiche Schwangere in der Geschichte der Menschheit. Aber es wurden mehr als 4000 Zeitungsartikel über sie verfasst, in denen sie mal als Heldin, mal als Rabenmutter, mal als großartiges und mal als schlechtes Vorbild dargestellt wurde.
Irgendwie ist es zwecklos, diese Diskussionen immer wieder zu führen. Dennoch begreife ich, warum wir keine zufriedenstellenden Antworten gefunden haben - weil es schlichtweg keine gibt. Es gibt keine perfekte Dauer der Elternzeit. Es gibt keinen optimalen Weg, Mutterschaft und Job unter einen Hut zu bekommen. Und vor allem gibt es keinen Einklang. Stattdessen ist es ein beständiges Sichdurchschlagen, wobei die Regeln unklar sind, sich ändern und für jeden anders sind.
Diese Erkenntnis sollte eigentlich bedeuten, dass wir aufhören können, darüber zu reden. Das tun wir aber nicht, weil uns das Thema zu wichtig erscheint. Die Entscheidung, ein Drittel meines Lebens damit zu verbringen, Artikel wie diesen zu schreiben, anstatt meinen Kindern zu sagen, sie sollen nicht ständig bei Facebook rumhängen, war gefühlt eine der schwierigsten Entscheidungen meines Lebens. Bei den meisten anderen großen Entscheidungen weiß man zumindest mit einigem Abstand, ob es eine gute Wahl war, aber bei dieser weiß man es nie.
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Genau genommen gibt es kein "richtig", sondern nur Spielarten von "falsch". Kürzlich rief mich mein Sohn im Büro an und sagte, er gehe auf ein Musikfestival. Als ich nach Hause kam, war er an einen unbekannten Ort gefahren, praktisch ohne Geld, ohne Lebensmittel und ohne Sonnencreme. Das fühlte sich irgendwie falsch an.
So läuft das nun mal. Es ist ein Prozess mit vielen Versuchen und Irrtümern. Erscheinen die Fehler aber zu groß, machen wir es wie Anne-Marie Slaughter und bauen darauf, mit dem neuen Kurs besser zu fahren. Das Bemerkenswerte in Slaughters Fall war nicht, dass sie einen tollen Posten im Weißen Haus der Kinder wegen aufgab oder einen bescheuerten Artikel schrieb, in dem sie ihre Kehrtwendung damit begründete, dass man als Frau eben doch nicht alles haben kann. Nein, bemerkenswert war, dass ihr das erst jetzt mit über 50 klar geworden ist.
So lange es keine bessere Methode gibt, um festzustellen, wie wir uns schlagen, wählen wir die zermürbende Methode: wir vergleichen. Wir vergleichen uns mit Frau Slaughter und Frau Mayer. Meist tun wir jedoch das, was die Frauen bei der Party getan haben: Völlig unsinnig vergleichen wir uns mit Menschen, die wir kennen. Wenn ich höre, dass eine Freundin ihre Kinder für den Sommer auf ein Kunstgeschichteseminar nach Florenz geschickt hat, wird mir ganz flau im Magen. Besser fühle ich mich, wenn eine andere Mutter erzählt, ihre Kinder schlafen in den Ferien bis mittags, und den Nachmittag verbringen sie Youtube schauend auf dem Sofa. Beide Reaktionen sind dumm, schließlich sind es nicht meine Kinder.
Als Folge derartiger Vergleiche habe ich etwas herausgefunden, was mich auf grausame Weise aufmuntert. Eine Freundin, die vor Jahrzehnten ihre Arbeit an den Nagel gehängt hat, um vier entzückende Kinder großzuziehen, musste sich jüngst von ihrem Ältesten anhören, sie sei eine jämmerliche Null, die ihr Leben verschwendet habe. Schon komisch. Eines meiner Kinder hat mir vor nicht allzu langer Zeit erklärt, ich sei so sehr mit meinem eigenen Leben beschäftigt, dass ich überhaupt keine Ahnung hätte, was im Leben meiner Kinder vor sich gehe.
Egal, was man tut, es wird in den Medien immer wütende Stimmen geben, die einem sagen, die eigene Herangehensweise sei falsch. Auf die braucht man aber nicht zu hören, wenn zu Hause ein noch wütenderer Halbwüchsiger sitzt, der dasselbe mit noch größerer Überzeugung rüberbringt.
Quelle: The Financial Times