Lucy Kellaway ist FT-Kolumnistin.
Kürzlich war ich im nagelneuen Londoner Bürogebäude von Google . Wie schon an den anderen Standorten werden auch hier sämtliche Bedürfnisse befriedigt, die hippe junge Leute angeblich haben: Es gibt ein eigenes Tanzstudio, orange phosphoreszierende Duschen sowie Parzellen, wo man sein Gemüse ziehen kann.
"Schlichtweg beeindruckend" ist das Urteil von Penson, den Architekten. Das mag wenig unbescheiden wirken, ist aber zutreffend. Das Büro ist beeindruckend - so, wie es auch ein rachsüchtiger Gott ist. Ich war keine fünf Minuten im Gebäude, da ging mir schon das Herz über voller Verwunderung. Und voller Schrecken.
Vor dem eigentlichen Gespräch führte man uns in einen fensterlosen Raum, eine Mischung aus Gummizelle und Bordellwartezimmer, smaragdgrüne Sofas, dazu farblich passende, bis zur Decke gepolsterte Wände. Ein Rad verschloss die Tür, als wären wir auf einem Schiff. Ich bekam sofort so starke Beklemmungsgefühle.
In den Gemeinschaftsräumen war es luftiger, aber nicht weniger erdrückend. Ausgewählte fransige Lampenschirme hingen von der Decke. Es gab jede Menge Velourstapete in sich beißenden Farben und einen ironisch gemeinten Krocketkunstrasen. Es gab Schaukelstühle und Stühle mit hoher Lehne. Alles sah aus wie wild zusammengewürfelt. Und überall diese merkwürdigen gepolsterten Wände. Ich vermute, dass sie Menschen schützen sollen, die nur noch mit dem Kopf gegen die Wand schlagen möchten, weil sie dieses Sich-unbedingt-abheben-Wollen verrückt macht. Der Look nennt sich "Einliegerwohnung". Warum ein extrem teures modernes Büro so entwerfen, dass es aussieht wie Omas Einliegerwohnung - außer man hat keine Zeit, die Frau selbst zu besuchen, und kann sich so besser an sie erinnern.
Trotz aller Fragen ist eines doch klar: Google möchte, dass alle Besucher den Eindruck gewinnen, das Unternehmen sei individuell, schrullig, lustig, kreativ und vor allem unheimlich cool. Derartiges Angebertum ist eine Variation des traditionellen Wettprahlens bei Firmen, bei dem man durch die Qualität seines Marmors Macht und Unbesiegbarkeit zu demonstrieren sucht. Googles Bemühungen sind ähnlich unsubtil und sogar noch erfolgloser. Geld allein reicht nicht aus, um cool zu sein. Das kann einem jedes reiche Kind bestätigen, das in der Schule trotzdem gehänselt wurde.
Das Hauptproblem an dem Büro ist nicht, dass es scheußlich ist. Auch nicht, dass es nicht cool ist. Sondern dass es auf der gewaltigen Lüge aufbaut, es komme auf Einzelne an. Eigentlich beweist das Gebäude genau das Gegenteil: Das Design ist so erdrückend, dass der Einzelne untergeht.
In meinem eigenen, langweiligen und zu wenig durchdesignten Büro ist ein Stuhl einfach nur ein Stuhl. Er versucht nicht, mich auszustechen. Ich bin es, nicht das Mobiliar, die hier Persönlichkeit hat. Und weil mein Büro unprätentiös ist, kann ich damit anstellen, was ich will. Habe ich Lust, es mit Sandwichverpackungen, beim Fahrradfahren verschmutzter Regenkleidung und Zeitungen zuzumüllen, dann ist es halt so. Trifft man dagegen eine Designaussage von der Größenordnung Googles, kann man nicht zulassen, dass die Leute den Eindruck mit schmuddeligen Sporttaschen und sich wellendem Altpapier vermiesen.
Vielleicht bin ich für so viel Coolness auch einfach zu alt, schließlich ist der durchschnittliche Angestellte über zwei Jahrzehnte jünger als ich. Aber in diesem Fall wäre auch meine Tochter zu alt, die ist gerade mal 20. Sie sagte, der Laden erinnere sie an ein Wartezimmer für Kinder in einer Privatklinik, wo es jemand arg übertrieben hat, als er bunte Sachen für die kranken Kleinen kaufte.
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All das wäre ja vergeben und vergessen, wenn sich nur nachweisen ließe, dass dies optische Geklingel die Leute kreativer machte. Wir wissen, dass in Büros, in denen die Menschen nicht reden, die Kreativität niedriger ist. Wie der Autor Matt Ridley es formulierte: Ideen benötigen einen Ort, an dem sie Sex haben können. Aber Google hat das zu wörtlich genommen. All diese Schlafzimmerstoffe scheinen nicht nur die Ideen zum Paaren einzuladen, sondern auch die Mitarbeiter.
Der Autor Steven Johnson behauptet, was die Paarung von Ideen anbelangt, seien die Londoner Kaffeehäuser Mitte des 17. Jahrhunderts der beste Ort aller Zeiten gewesen. Ein zeitgenössisches Gemälde des ersten Kaffeehauses zeigt einen Steinfußboden, einen Tisch, Stühle, Kaffee, jede Menge Leute und jede Menge natürliches Tageslicht.
Es ist kein Geheimnis, was wir von einem Büro erwarten: Licht, Orte zum Miteinanderreden, eigene Schreibtische, Temperaturen, bei denen man weder schwitzt noch friert. Nix Einlieger, nix gepolstert, nix Kunstrasen. Stattdessen Wachpersonal, das morgens bei meinem Eintreten aufblickt und sagt: "Hallo Lucy!"
Quelle: The Financial Times
Der Hauptgrund warum die Bueros so sind wie sie sind, ist das die Menschen dir drin arbeiten, jegliches Zeitgefuehl verlieren und so laenger im Buero bleiben, deswegen keine Fenster mit Blick nach draussen sonst wuesste man ja anhand des Tageslicht wie spaet es bereits ist. Auch deswegen werden jegliche Beduerfnise bedient damit der Angestellte nicht auf die Idee kommt nach Hause zu gehen und so mehr Zeit Produktive fuer das Unternehmen ist.