FTD.de » Karriere » Karriere » Lucy Kellaway - Kennen Sie den von der Frau im Büro?
Merken   Drucken   01.12.2012, 11:00 Schriftgröße: AAA

Karrieretipps: Lucy Kellaway - Kennen Sie den von der Frau im Büro?

Wie können Frauen in Vorstandsetagen die Männer auf ihre Seite ziehen? Ganz einfach: Sie machen das, was die Männer von ihnen erwarten. Und bloß keine Witze.
© Bild: 2012 Getty Images/Tim Kitchen
Kommentar Wie können Frauen in Vorstandsetagen die Männer auf ihre Seite ziehen? Ganz einfach: Sie machen das, was die Männer von ihnen erwarten. Und bloß keine Witze.
von Lucy Kellaway
 
Lucy Kellaway ist FT-Kolumnistin.

Vor zwei Wochen erhielt ich Post von einem Headhunter, der mich auf zwei Untersuchungen zum Thema Frauen in Vorständen aufmerksam machte. Ich dachte, zu diesem ausgelutschten Thema gebe es ohnehin nichts Neues mehr zu sagen, und wollte die Mail schon löschen. Doch dann fiel mir die kuriose Gegensätzlichkeit der beiden Studien auf. Die erste kommt zu dem Ergebnis, dass Unternehmen, die mindestens eine Frau im Vorstand haben, um 26 Prozent erfolgreicher sind als diejenigen, bei denen das oberste Führungs- und Aufsichtsgremium ausschließlich aus Männern besteht. Die zweite Studie kommt zu dem Schluss: Wenn weibliche Vorstandsmitglieder in einer Sitzung einen Witz machen, lassen die männlichen Kollegen sie in 80 Prozent der Fälle auflaufen.

Männer lachen nur, wenn es sich lohnt

Welche Studie verdient es eher, ernst genommen zu werden? Die erste kommt von Credit Suisse  und gehört zu einem großen Stück "Gedankenführerschaft". Neben der erfrischend optimistischen Schlussfolgerung enthält sie Bilder von hübschen jungen Damen, die in teuren Hosenanzügen durch glamouröse Büros schweben. Das Problem an dieser Untersuchung ist nur: Der Erkenntniswert ist gleich null.

Lucy Kellaway   Lucy Kellaway

Jeder, der auch nur die geringste Erfahrung mit Vorstandssitzungen hat, weiß, dass sich ein 26-prozentiger Ergebnisvorsprung nie und nimmer durch ein einziges weibliches Boardmitglied erzielen lässt - unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Erfahrung und Persönlichkeit. Da muss also etwas anderes im Spiel sein. Die einzige annähernd plausible Erklärung ist, dass die besseren Unternehmen früher angefangen haben, Frauen in ihre Vorstände zu holen. Das ist ja nichts Neues.

Doch die zweite Untersuchung, die von einer einzelnen Wissenschaftlerin an der Aston University erstellt wurde, bringt einen echten Erkenntnisgewinn - noch dazu einen besorgniserregenden. Die Sprachwissenschaftlerin Judith Baxter stellte sich die undankbare Aufgabe, in sieben großen Unternehmen Endlossitzungen beizuwohnen und auf Witze zu achten. Sie fand heraus, dass mehr als drei Viertel der Witze, die von Frauen erzählt wurden, mit Totenstille quittiert wurden. Während über die Witze von Männern schallend gelacht wurde. Die Männer teilten oberflächliche Sticheleien aus und rissen markige Sprüche, während die Witze der Frauen zu selbstironisch waren und häufig defensiv oder sogar gemein wirkten.

Was nicht allzu neu ist: Das Lachen hängt nicht nur vom Geschlecht, sondern noch stärker vom Machtgefüge ab. Die schnellste Methode, die Machtstrukturen einer Gruppe auszuloten, besteht darin, darauf zu achten, wer über wessen Witze lacht - und vor allem, wer bei wem nicht lacht. Wenn also in Vorständen über die Witze von Frauen nicht gelacht wird, liegt das vielleicht nicht an der Qualität der Witze, sondern daran, dass Vorstände sehr hierarchische Orte sind und Frauen in der Hackordnung zu weit unten stehen.

Auf traditionelle Rollen setzen

Baxter schlägt vor, dass Frauen nicht versuchen sollten, die Sprüche der Männer zu kopieren, und stattdessen in dieser von Männern dominierten Umgebung auf traditionellere Art und Weise zu punkten. Ihr Vorschlag ist überraschend und nicht politisch korrekt, und er gefällt mir sehr gut: Frauen sollen die Rollen für sich nutzen, gegen die sich der Feminismus seit Langem wehrt, und als "Mutter, Verführerin, Schoßhund und eiserne Jungfer" auftreten. Baxter machte die Erfahrung, dass in Vorständen alle vier Rollen nach wie vor anzutreffen sind. Die erfolgreichsten Frauen nutzen sie geschickt aus und wechseln zwischen den Rollen hin und her, je nachdem, was sie gerade für sinnvoll halten. Ich denke, die mächtigsten Frauen, die ich kenne, können alle sehr überzeugend die eiserne Jungfer spielen. Furcht einflößend und hart zu sein ist auch kein Problem. Die meisten versuchen sich sogar ab und an in der Mutterrolle und wirken schon mal überfürsorglich.

Die Rolle der Verführerin, die traditionellste Art und Weise für Frauen, ihren Willen durchzusetzen, ist dagegen aus der Mode gekommen. Trotzdem hat Baxter Beispiele von Frauen parat, die ihre Sexualität sehr wirksam einsetzen. Und wo ich so darüber nachdenke, fällt mir ein, dass ich das vor Kurzem selbst miterlebt habe: Eine Managerin überwand den Widerstand eines männlichen Kollegen, indem sie ihn kokett ansah, ihn am Arm berührte und kehlig lachte. Ich war gleichermaßen sauer und beeindruckt.

Die letzte Rolle, die des Schoßhündchens, kommt am seltensten zum Einsatz. Das ist schade, denn es ist die einzige Rolle, die ich in Perfektion beherrsche. Als Kolumnistin bei einer Tageszeitung kommt mir das vielleicht zugute, aber ich bin wohl eine ganz besondere Art von Hündchen: eins, das mit dem Schwanz wedelt und brav daherkommt, nur um einem dann doch noch frech in die Wade zu beißen.

Quelle: The Financial Times

10:24:39 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
    % 
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Kommentare
  • 04.12.2012 13:41:07 Uhr   Jens: HAHA

    Genau das wollen wir! Manager(innen) die mit offener Bluse den Ton an(blasen) xD

Kommentar schreiben Pflichtfelder*




Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler