Dieses permanente Lächeln hat sich in sein Gesicht eingegraben, in tiefen Furchen. Freundlich, fröhlich kommt Ulrich Weber, Personalvorstand der Deutschen Bahn, stets daher. So hat er selbst einen Kampf gewonnen, an dem sich seine Vorgänger regelmäßig abgeschuftet haben: Nach nur zwei Verhandlungsrunden hat Weber am Dienstag mit der Lokführergewerkschaft GDL einen Tarifvertrag ausgehandelt, der dem Konzern rund zwei Jahre Frieden an dieser Front bringt. Ohne Streiks, ohne öffentliche Schlammschlacht. Eigentlich hätte es noch schneller gehen können, kokettierte Weber. Früher, in anderen Unternehmen, habe er durchaus auch schon mal in der ersten Verhandlungsrunde ein Ergebnis erzielt.
Selbst GDL-Gewerkschaftsführer Claus Weselsky findet ungewohnt lobende Worte. Weber sei sehr professionell. "Beide Seiten haben darauf geachtet, die Situation nicht eskalieren zu lassen", sagt Weselsky, der eine Woche vor der jüngsten Runde auch schon mal vorsorglich mit Warnstreiks mitten in der Ferienzeit gedroht hatte. Weber sei besonnen, aber konsequent. Weselskys Vorgänger Manfred Schell hatte seine Verhandlungspartner dagegen noch als "Außerirdische" tituliert.
Weber hat Ruhe in den von langwierigen Ausständen und einer tief greifenden Datenaffäre erschütterten Bahn-Konzern gebracht. Als danach fast die komplette Vorstandsriege abtreten musste, wurde Weber geholt. Dass der verlorenes Vertrauen zurückgewinnen kann, hatte er zuvor als Personalvorstand beim ehemaligen Bergbaukonzern RAG während der Transformation zum Chemiekonzern Evonik bewiesen. Seit drei Jahren ist der 62-Jährige oberster Personaler der Bahn - und definiert seine Rolle selbstbewusst: "Ein Unternehmen, das in der heutigen Zeit die Personalpolitik vernachlässigt, macht einen schweren Fehler", sagte Weber im Interview der aktuellen Ausgabe des FTD-Schwestermagazins Capital.
Einen Kulturwandel braucht der Staatskonzern. Seit 1994, dem Beginn der Bahnreform in Deutschland, hat das Unternehmen im Schnitt jedes Jahr 10.000 Arbeitsplätze abgebaut. Der vom damaligen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn forcierte, schließlich aber gekippte Börsengang sorgte für ordentlich Anspannung unter den weltweit 300.000 Mitarbeitern.
Weber muss für gute Stimmung sorgen. Intern wie extern. Denn in den nächsten zehn Jahren werden sich so viele Bahner in den Ruhestand verabschieden, dass pro Jahr 7000 bis 8000 neue Mitarbeiter eingestellt werden müssen. Nicht nur Lokführer; weit über 300 verschiedene Jobprofile führt die Personalabteilung auf. Doch an qualifizierten Fachkräften mangelt es gerade in Deutschland. Und wenige peilen eine Karriere bei der Bahn an. Weber wurmt es, dass der Konzern nicht so wie BMW oder Audi in der ersten Liga der attraktiven Arbeitgeber spielt, sondern in einschlägigen Rankings auf Platz 17 rangiert. Weber und Konzernchef Rüdiger Grube wollen aber unter die Top Ten. Das haben sie als einen der wichtigsten Punkte im neuen Strategiepapier "DB 2020" fixiert. Mitte Oktober wird Weber dafür eine Kampagne starten.
Bei seiner Charmeoffensive verlässt Weber sich vor allem auf weibliche Hilfe. Vier seiner Bereichsvorstandsposten hat er mit Frauen besetzt. Projekte wie Karriereförderung oder Teilzeitangebote hat Weber, dessen Vertrag noch zwei Jahre läuft, zu seiner Hauptaufgabe gemacht. Den bisherigen Fortschritt lässt er sich im Herbst in der ersten konzernweiten Mitarbeiterbefragung quittieren. Ehrliche Antworten scheut er nicht. Harte Ansagen, falls nötig, aber auch nicht. "Wenn etwas kurzfristig zu regeln ist, machen wir das zusammen aus", sagt Weselsky. So gibt es dann auch schnell mal einen neuen Tarifvertrag.