In der Politik wird darüber diskutiert, ob das gesetzliche Rentenalter von derzeit 67 Jahren nicht höher geschraubt werden müsste. Eine entsprechende Mahnung von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gab es erst kürzlich an die Bundesregierung. Da sich die Lebenserwartung stetig erhöhe, müsse das Rentenalter daran gekoppelt werden. Derzeit steigt diese in den OECD-Ländern im Schnitt alle sieben Jahre um ein Jahr an.
Doch neun von zehn Deutschen wollen sowieso viel früher in Rente gehen. 89 Prozent der Teilnehmer einer aktuellen nicht-repräsentativen Monster-Umfrage gaben an: Rente erst ab 67 - mit mir nicht! Die Aktion des Karriereportals ergab zudem: Nur zwei Prozent wollen sich an das gesetzliche Rentenalter halten. Drei Prozent der über 1600 befragten Arbeitnehmer könnten sich allerdings vorstellen, sogar länger im Job zu bleiben.
| Das Rentenalter wurde vor kurzem von 65 auf 67 Jahre angehoben. Was denken sie darüber? | |
|---|---|
| Ich würde gern in Rente gehen, bevor ich 67 bin | 89 Prozent |
| Ich halte mich an das gesetzliche Rentenalter und gehe mit 67 (oder dem bei meinem Renteneintritt aktuellen Alter) in Rente. | 2 Prozent |
| Ich plane, länger als bis 67 zu arbeiten. | 3 Prozent |
| Ich kann mir gar nicht vorstellen, in Rente zu gehen. | 2 Prozent |
| Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. | 4 Prozent |
Offen ist, ob die Arbeitnehmer eine Wahl bezüglich ihres Renteneintrittsalters haben. Wer keine Abstriche in Sachen Altersbezüge machen will, muss möglichst lange im Job bleiben. Zudem sind in vielen Firmen ältere Arbeitskräfte gefragt, weiß auch Bernd Kraft, Vice President General Manager Central Europe bei Monster. "Durch den Fachkräftemangel steigt die Bedeutung von Mitarbeitern 50-Plus in den Unternehmen. Arbeitgeber sollten sich darauf einstellen, zunehmend entsprechende Angebote zu schaffen und die Arbeitsbedingungen an die Bedürfnisse älterer Arbeitnehmer anzupassen."
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Im betrieblichen Alltag hat die demografische Entwicklung und der Fachkräftemangel daher nicht nur Einfluss auf die Unternehmenskultur, sondern schlägt sich auch in neuartigen Betriebsvereinbarungen nieder. Beim Detmolder Elektrotechnikkonzern Weidmüller beispielsweise wurden für Mitarbeiter ab 57 Jahre verschiedene Work-Life-Balance-Programme aufgelegt. Sie sollen den Mitarbeitern helfen, fit zu bleiben, um zufrieden und produktiv zu bleiben.
Konkret zeigt sich das in Arbeitszeitmodellen, die individuell angepasst werden können. So können Ältere vom üblichen Drei- auf ein Zwei-Schicht-Modell umstellen oder über eine Teilzeitvereinbarung pro Jahr drei Monate Pause einlegen. Dazu kommen Sportangebote und Freizeit-Angebote, die jeder Mitarbeiter mit Lebenspartner in seiner Freizeit nutzen kann, zum Beispiel Kochkurse für gesunde Ernährung. Auch Zuschüsse für so genannte Kurlaube genehmigt Weidmüller.
"Es entspricht unserem traditionellen Wertebewusstsein, Mitarbeiter nicht als reine Arbeitskraft anzusehen, sondern als wesentliche Grundlage für unseren Erfolg... Davon profitieren nicht nur unsere erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern auch das Unternehmen als Ganzes, weil uns das Wissen und die Lebenserfahrung der Älteren länger erhalten bleiben", so Peter Köhler, Vorstandssprecher von Weidmüller. "Uns ist es wichtig, dabei nicht das Gefühl zu vermitteln, Alter würde ein Defizit darstellen, das ausgeglichen werden müsse. Unser Work-Life-Balance-Programm ist Ausdruck von Wertschätzung und gibt älteren Kollegen eine echte Perspektive."
Köhler schätzt vor allem die Erfahrung, die die 50+-Kollegen in die 4400 Mann starke Belegschaft bringen. Gepaart mit Kreativität ergibt die Expertise der Älteren für ihn die Mischung aus Innovation und Präzision, die das Unternehmen präge. Es sei selbstverständlich, nicht nur den Nachwuchs zu fördern, sondern auch Älteren Wahlmöglichkeiten zu bieten, sagt Köhler.
Der Armaturenhersteller Hansgrohe legt vor allem Wert auf Gesundheitsmanagement. Mit dem Programm "FILM - Förderung und Integration leistungsgewandelter Mitarbeiter" unterstützt das Unternehmen Beschäftigte, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Produktion arbeiten können. Mit den neuen Tätigkeiten, die Hansgrohe bisher abseits der Produktion entwickelte, soll den älteren Mitarbeitern ermöglicht werden, weiter im Unternehmen zu arbeiten.
Sowohl Hansgrohe als auch Weidmüller sehen solche 50+-Angebote als Investition in die Zukunft. Denn schon Berufseinsteiger und jüngere Jobwechsler erkundigen sich, welche Leistungen ein Arbeitgeber auch in späteren Jahren erbringt. Denn - wie die Monster-Umfrage zeigt - nicht jeder will bis ultimo volle Pulle durcharbeiten.