David Cameron bleibt hart. "Für mich sieht es nach Missbrauch unserer Einwanderungsgesetze aus", sagte der britische Premierminister diese Woche im Parlament. Kurz zuvor hatte die staatliche Grenzschutzbehörde UK Border Agency der London Metropolitan University (Met) verboten, weiter Studenten aus dem Nicht-EU-Ausland anzuwerben und die eingeschriebenen Auslandsstudenten aufgefordert, sich eine neue Uni suchen, oder sie würden ausgewiesen - ein einmaliger Vorgang in Großbritannien.
Die Behörde wirft der Uni vor, sie habe Studenten ohne Visum aufgenommen, und sie habe es geduldet, dass Studenten mit einem Visum arbeiten würden statt zu studieren. Beides sei illegal. Das Vorgehen der Behörde trifft die Hochschulbranche empfindlich. Für britische Unis sind ausländische Studenten aus Nicht-EU-Staaten eine lukrative Einkommensquelle, weil sie von ihnen höhere Studiengebühren verlangen dürfen als von einheimischen Studenten. Ausländische Studenten tragen jährlich rund 3,3 Mrd. Pfund, etwa 4,1 Mrd. Euro, zur Wirtschaftskraft des Landes bei. Viele Unis haben Lehrangebote speziell für Studenten aus Indien, China oder Südamerika aufgelegt.
Sie sind auf diese Einnahmen angewiesen, vor allem seitdem die Regierung Cameron den Hochschulen die staatlichen Zuschüsse kräftig zusammengestrichen hat. Die Unis fürchten nun, dass weniger ausländische Studenten kommen. Die National Union of Students (NUS), die Interessenvertretung der Studierenden, spricht von einer "potenziellen Katastrophe". Als "überraschend und unangemessen" bezeichnete die Chefin des Hochschulverbands Universities UK, Nicola Dandridge, das Verbot für die Metropolitan University.
Die Uni sieht sich zu Unrecht verdächtigt und hat die Regierung inzwischen auf Rücknahme der Maßnahme verklagt. Für die Met sind die Folgen gravierend: Der Uni entgehen nach eigenen Angaben dadurch 30 Mio. Pfund, knapp 38 Mio. Euro. Außer dem Verbot, neue Studenten aufzunehmen, darf die Hochschule an rund 2800 ihrer Studenten keine Abschlüsse mehr vergeben, das ist etwa jeder Zehnte. Sie müssen sich an einer anderen Uni einen Platz suchen, dazu haben sie 60 Tage Zeit, oder sie müssen das Land verlassen. Die betroffenen Studenten sind verzweifelt. "Ich bin geschockt. Ich zahle hier jedes Jahr 8000 Pfund, bin im dritten und letzten Jahr meines Psychologiestudiums und soll nun keinen Abschluss bekommen?", sagt Aline, eine 26-jährige Brasilianerin. Ausländer würden es sich künftig zweimal überlegen, ob sie in England studieren wollen.
Die Affäre um die Londoner Met hat sich mittlerweile weltweit herumgesprochen. Der British Council, die kulturelle Auslandsvertretung des Vereinigten Königreichs und in vielen Ländern Ansprechpartner für junge Leute, die ein Studium in England erwägen, registriert "durch die Ereignisse eine hochgradige Besorgnis bei Interessenten". "Großbritannien ist der zweitwichtigste Bildungsmarkt weltweit. Die Situation ist für uns extrem nachteilig", sagte Vorstandschef Martin Davidson.