Die Harvard Business School ist nicht die Einzige, die stillschweigend eingesteht, dass in der Welt der Managerweiterbildung nicht alles eitel Sonnenschein ist. Auf einem Treffen des AACSB, des Akkreditierungsgremiums amerikanischer Business Schools, behaupteten kürzlich viele Professoren, eigentlich schon immer Sozialisten gewesen zu sein. Ein Teilnehmer bezeichnete die Veranstaltung als "eine Art Therapiesitzung für US-Dekane".
Die Ansichten darüber, inwieweit Business Schools an der Wirtschaftskrise Mitschuld tragen, gehen weit auseinander. So auch die Ideen, wie das Vertrauen von Unternehmen und Studierenden zurückgewonnen werden kann.
Richard Cosier ist Vorsitzender des AACSB-Boards und Dekan der Krannert School of Management an der Purdue University. In seinen Augen sind Gier und eine unethische Kreditvergabepraxis Ursache des Problems - nicht die Business Schools. Es sei irrig zu sagen, die Schulen sollten im Unterricht keine komplexen Finanzmodelle behandeln. "Dann dürfte es auch keinen Chemieunterricht geben, weil man da was zum Explodieren bringen kann. Die Menschen treffen ihre eigenen Entscheidungen."
Santiago Iñiguez, Dekan der IE Business School in Madrid, dagegen spricht für viele, wenn er sagt: "Keine Mitverantwortung zu übernehmen wäre, als sagte man, man gehöre nicht dazu."
Zwar glauben einige Business Schools so weitermachen zu können wie bisher, andere aber haben neue und revidierte Kern- und Wahlfächer eingeführt. Harvard gehört mit Insead zu den Ersten, die Fortbildungsprogramme anbieten, die sich mit den neuen Gegebenheiten in der Wirtschaft befassen. Die meisten Business Schools sprechen noch einmal die Probleme von Risiko- und Finanzmodellen an.
Reicht das aus? Garth Saloner, der im September das Amt des Dekans der Stanford Graduate School of Business antritt, ist der Ansicht, dass sich sowohl Lehrmethode als auch Inhalte ändern müssen. Unter Saloners Federführung wurde der Stanford-MBA so umgestaltet, dass alle neuen Studierenden in kleinen Gruppen zusammenarbeiten und verschiedene geschäftliche Fragestellungen diskutieren müssen. Ziel sei es, so Saloner, den Studierenden das Rüstzeug zu geben, "kritisch über Probleme nachzudenken, denen sich Unternehmen stellen müssen".
Andere wiederum sind der Meinung, dass das Problem tiefer geht und systemischer Natur ist. In den Augen Dipak Jains, scheidender Dekan der Kellogg School of Management, hatten die vergangenen 10 bis15 Jahre Wirtschaftswachstum ihren Preis. "Die Studierenden haben sich mehr aufs Gehalt konzentriert als auf die Weiterbildung. Bei den Gehältern für MBAs muss eine Korrektur stattfinden."
Weiter sagt Jain, dass für viele Business Schools die Kosten für MBA-Programme zu einem Faktor werden dürften. "Ich denke, Managementweiterbildung wird zu einer Art Sandwich: Die Studierenden werden sich entweder für Spitzeninstitute oder für staatliche Lehrinstitute entscheiden." Business Schools im mittleren Marktsegment könnten nur überleben, wenn sie sich spezialisieren. Zudem dürften die Kosten auch zu einer Zunahme von Teilzeit- oder auf Technologie konzentrierte Programmen führen, so Jain.
Teil 2: Die Schulen haben neue Methoden im Fokus - lesen Sie weiter.