Der Deal geht so: Die Manager holen für ihr Unternehmen die Sterne vom Himmel. Gelingt ihnen das, verwandeln die Sterne sich in Silbertaler, die den Angestellten auf das Bankkonto purzeln. Märchenhaft, oder?
Wer mit Führungskräften spricht in diesen Tagen, denkt weniger an "Sterntaler" als an "Das kalte Herz" - dem Märchen über einen geizigen Unternehmer. Denn viele Manager gucken ungläubig bis enttäuscht auf ihre Gehaltszettel: Mögen Umsatz und Gewinn ihres Arbeitgebers auch gestiegen sein, am persönlichen Bonus ist davon wenig zu merken.
"Die Zeiten, in denen Boni großzügig verteilt wurden, sind vorbei", sagt Klaus Aden, Geschäftsführender Gesellschafter von LAB & Compay. Die Düsseldorfer Personalberatung beobachtet seit 2004, wie sich Bonuszahlungen im deutschen Management entwickeln. In diesem Jahr haben sich 817 Führungskräfte an der Umfrage beteiligt, deren Ergebnisse der FTD exklusiv vorliegen.
Das zentrale Resultat der Umfrage klingt auf Anhieb eher nach "Sterntaler", erhalten doch 46 Prozent der Führungskräfte höhere Boni als 2011. Wichtiger sei aber eine andere Erkenntnis, sagt LAB-Chef Aden: "Die Unternehmen unterscheiden immer sorgfältiger zwischen Mitarbeitern, die einen besonderen wirtschaftlichen Mehrwert bringen, und solchen, die schlicht ihren Job machen." Und deren Bonus wird allmählich ausgedünnt. Jeder vierte Normalverdiener - darunter versteht LAB alle Manager mit einem fünfstelligen Jahreseinkommen - bekamen weniger als im Vorjahr. "Mit Ausnahme der Krisenjahre 2008 und 2009 wurde noch nie so oft gekürzt", sagt Aden.
Zumindest beim Fußvolk. Bei den Spitzenverdienern mit mehr als 200.000 Euro Einkommen hingegen mussten nur 16 Prozent mit Kürzungen klarkommen, während 56 Prozent einen höheren Bonus erhielten.
Er muss ja nicht so hoch ausfallen wie beim VW-Chef Martin Winterkorn, der für 2011 knapp 17 Mio. Euro einstrich - 15 Mio. Euro davon sind variable Gehaltsbestandteile. Ein "katastrophales Signal", kommentierte der frühere SPD-Finanzminister Peer Steinbrück diese Zahl - das höchste Einkommen aller DAX-Vorstände.
Klar wird jedenfalls, sagt Aden, "dass die höheren Ebenen mehr im Fokus der Entscheider stehen". Was in den unteren Ebenen doch für Frust sorgt. Aden gibt zu bedenken: "Spitzenmanager profitieren am meisten von guten Zahlen, bekommen aber umgekehrt Konjunkturschwächen oder unternehmerische Fehler am stärksten zu spüren." Was nicht zuletzt daran liegt, dass ihr Gehalt daran bemessen wird: Bei gut der Hälfte der Spitzenverdiener liegt der variable Gehaltsanteil bei mehr als 30 Prozent am Gesamtgehalt. Zum Vergleich: Bei Normalverdienern liegt dieser Anteil bei sechs Prozent.
Um Spitzenkräfte zu halten, werden sie auch im Mittelstand zunehmend mit hohen Boni verwöhnt - die Zahlen sind mittlerweile weitgehend identisch. Aden: "Selbst eher kleine Unternehmen müssen zunehmend auf Prämienerwartungen ihrer besten Mitarbeiter reagieren."
Diese Kultur hat zu einer fatalen Erwartungshaltung geführt: Geht es dem Unternehmen gut, wird nicht nur ein Bonus erwartet - nein, er hat gefälligst zu wachsen. Auch das zeigen die LAB-Ergebnisse: Mit Ausnahme von 2008/09 freut sich jeder zweite Manager über einen gestiegenen Bonus - und das Jahr für Jahr. Sinkende Boni sind und bleiben die Ausnahme, auch wenn jetzt jede fünfte Führungskraft über weniger Prämie klagt. Nur drei Prozent der Manager wurde der Bonus komplett gestrichen.
Diese Anspruchshaltung trachten viele Unternehmen aufzubrechen, indem sie die Ziele, die erreicht werden müssen für eine Prämie, so individuell wie möglich festlegen. Die Personalberatung Hay Group beobachtet seit einiger Zeit, dass Bonusrichtlinien überarbeitet werden, mit stärkerem Fokus auf Leistung. Dabei wird die Latte häufig recht hoch gelegt. Das birgt Gefahren, sagt Thomas Haussmann, zuständiger Experte bei Hay Group Europa: "Wenn Grenzwerte und Hürden den variablen Anteil fast unerreichbar machen, besteht die Gefahr, dass die Mitarbeiter völlig demotiviert sind."
Ähnlich üppig sind die Zahlungen bei den Unternehmensberatungen. Auch in der Logistikbranche sieht es gut aus, dasselbe gilt für den Bereich Healthcare. Den meisten IT-Unternehmen geht es finanziell gut, wovon die Mitarbeiter allerdings noch nicht viel merken: Der Prämienzuwachs ist vergleichsweise bescheiden. "Die IT-Branchen scheint ihrem eigenen Erfolg noch nicht recht zu trauen", sagt Aden, der für das Frühjahr 2013 einen "Nachholeffekt" erwartet.
Von den Banken und Versicherungen maulen 28 Prozent über schlechte Ergebnisse, was jeder vierten Führungskraft einen reduzierten Bonus beschert. Auch die Energiebranche hat Probleme, was sich umgehend auf die Freigebigkeit auswirkt. Ausgenommen natürlich: die Topkräfte.