Harald Wiggenhorn, 40, ist Professor für Wirtschaftsrecht an der Hochschule Aschaffenburg. Er vermittelt in seinem Seminar Grundregeln des Small Talks. Zum Erlernen der Tischmanieren führt er seine Studenten auch zum Abendessen mit Unternehmern in ein Sternerestaurant aus.
FTD Wissen sich Studenten heute nicht mehr zu benehmen?
Harald Wiggenhorn Doch, natürlich. Aber heute studieren einfach viel mehr junge Leute, die nicht mit einem goldenen Löffel in der Hand aufgewachsen sind. Viele von ihnen sind die Ersten in ihrer Familie, die eine Uni besuchen. Das Verhalten in einem sehr formellen Umfeld ist ihnen oft fremd, die beinahe steifen Benimmregeln unbekannt. Das verunsichert die Studenten. Mit dem Kurs will ich ihnen diese Unsicherheit nehmen.
Verbessern Studenten ihre Jobchancen, wenn sie wissen, wie die Stoffserviette auf dem Schoß zu liegen hat?
Wiggenhorn Davon gehe ich aus. Studien haben gezeigt, dass sich Unternehmen sehr wohl davon angesprochen fühlen, wenn Bewerber mit solchen Gepflogenheiten vertraut sind. Als ich mittelständische Unternehmen aus der Region angesprochen habe, ob sie Lust auf ein Trainingsgeschäftsessen mit den Studenten haben, wollten sie sofort mitmachen.
Worauf sollte ein Berufsanfänger beim ersten Essen mit dem Chef achten?
Wiggenhorn Pünktlich sein - das ist das allerwichtigste, und natürlich freundlich sein. Gerade unsere Studenten, die Wirtschaftswissenschaften oder Wirtschaftsrecht studieren, werden später vielleicht in einem sehr formellen Umfeld arbeiten, das immer noch von eher konservativen Regeln geprägt ist. Deshalb sollten sie diese kennen. Sie müssen wissen: Welches Glas wählt man für welches Getränk? Gibt man sich bei der Begrüßung die Hand oder nicht? Hier empfiehlt es sich, darauf zu warten, bis der Ranghöhere die Initiative ergreift.
Wie lange bereiten Sie die Studenten vor, ehe Sie sie auf die Unternehmer und das Sternerestaurant loslassen?
Wiggenhorn Das Seminar dauert insgesamt drei Tage. Zunächst vermittle ich theoretisch, wie man sich richtig verhält. Dann gehe ich mit den Studenten in ein Modehaus, wo sie sich über Dresscodes informieren und auch selbst mal einen Anzug oder ein Kostüm anprobieren. An einem Tag findet das Essen im Sternerestaurant statt, das bezahlen wir über Teilnehmerbeiträge und zum Teil über Studiengebühren. Das Essen ist das eigentliche Highlight. Auch die Gesprächspartner aus der Wirtschaft finden es interessant, die Studenten in einer solchen Umgebung kennenzulernen. Schließlich sind das alles potenzielle Mitarbeiter.
Interview: Steffi Hentschke