Wo lernt die Elite? Die besten Schulen mit MBA-Programmen, dazu Rankings, Trends und Entwicklungen.
"Meine Erwartungen wurden deutlich übertroffen", sagt Daniella Vega auf die Frage, wie ihre Mitstudenten waren. Vega, die beim britischen Satellitensender BSkyB für Unternehmensverantwortung zuständig ist, hat einen Master-Abschluss in Nachhaltigkeit und Verantwortung gemacht.
"Es gab Leute aus der Corporate Social Responsibility und dem Umweltbereich, eine Truppe von Nichtregierungsorganisationen, einige Berater", sagt Vega. Aber dann seien da auch noch Leute aus Branchen gewesen, von denen sie gedacht hätte, dass sie überhaupt keinen Bezug zu dem Thema haben: "Werbung, der nationale Gesundheitsdienst... die ganze Palette."
Vega war an der nördlich von London gelegenen Ashridge Business School und die Bandbreite ihrer Kommilitonen zeigt die wachsende Beliebtheit von Masters-Kursen, die sich auf Umweltfragen und Nachhaltigkeit konzentrieren.
Programmleiter Chris Nichols sagt: "Ein derartiges Bevölkerungswachstum wie heute hat die Welt noch nie erlebt - inklusive des Wunsches, so zu leben wie der Westen, und der damit eingehenden Belastung der Rohstoffe."
Der Kurs baut auf einem Lehrgang auf, der an der Universität Bath von der Body-Shop-Gründerin Anita Roddick ins Leben gerufen wurde. Vor fünf Jahren wechselte die zu den Kurs-Gründerinnen gehörende Gill Coleman mit dem Programm nach Ashridge. Dort gab es ein Forschungszentrum für Wirtschaft und Nachhaltigkeit, das Managerprogramme anbot, bislang dahin noch keinen Master-Kurs gehabt hatte.
Die Bradford School of Management im Norden Englands wiederum arbeitet mit der Ellen MacArthur Foundation zusammen, einer Stiftung, die Firmen dazu zu bringen will, sparsamer mit Ressourcen umzugehen.
Angesichts steigender Rohstoffpreise und strengerer Gesetzgebung würden die Firmen sich der Herausforderungen stärker bewusst, sagt Olga Matthias von der Bradford School: "Bei den meisten ist die Regulierung der Antrieb. Sollen die Firmen auf gesetzliche Anforderungen reagieren, müssen die Studenten in die Lage versetzt werden, die Dinge zu begreifen. Das Geschäft verändert sich überall."
Im Januar startet die Bradford einen MBA-Kurs, der gemeinsam mit der Stiftung entwickelt wurde. Der Programmleiter Peter Hopkinson experimentiert dabei mit einer "iTunes-Struktur", bei der Studenten von einer Website Vorlesungen und Lehrmaterial herunterladen können.
Es seien nicht nur Firmen aus Industrieländern, sondern auch solche aus Schwellenländern, die an den Kursen interessiert seien, heißt es an den Unis. An der Bradford School stammt eine große Mehrheit der Studenten aus dem Ausland, und dabei vor allem aus Indien und China.
"Sie wollen nicht den Westen kopieren", sagt Matthias. "Die Idee, man könne wie beim Bockspringen einen Schritt auslassen und sofort zu einer energiesparenden Wirtschaft gelangen, scheint Zulauf zu erhalten."
Nichols von der Ashridge sagt: "Man könnte das Problem Klimawandel lösen und trotzdem den Bach runtergehen, weil die Biovielfalt flöten ging. Firmen in Indien und China sind für diese Frage sehr offen. Das ist keine reine Hauptsorge des Westens."
Auch die Business School NHH im norwegischen Bergen meldet ein wachsendes Auslandsinteresse an ihrem Master-Studium zu Energie, Bodenschätzen und Umwelt.
"Energie- und Bodenschatzmanagement haben Tradition in Norwegen, sowohl aus Forschungssicht als auch in der Politik", sagt NHH-Rektor Jan Haaland. "Norwegen ist ein weltweit wichtiges Land im Energiesektor und für sein Umweltgewissen bekannt. Nur wenige Orte wären besser für einen derartigen Lehrgang geeignet."
Dank Norwegens Wohlstand aus dem Öl- und Gasgeschäft ist die Studiengebühr vergleichsweise gering. Ausländische Studenten bezahlen pro Semester rund 680 norwegische Kronen, umgerechnet etwa 90 Euro, und erhalten automatisch die Erlaubnis, bis zu 20 Stunden pro Woche zu arbeiten.
Die Pariser Business School HEC bietet einen englischsprachigen, auf 12 Monate angelegten Master-Lehrgang in nachhaltiger Entwicklung an. "Es findet ein echter wirtschaftlicher Wandel statt. Gründe sind vor allem die gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten, eine größere Vielfalt an Energiequellen und die negativen Auswirkungen der umverteilten Arbeitskosten", sagt Pascal Chaigneau von der HEC.
Der Kurs an der Ashridge zielt mehr auf Personen ab, die voll im Beruf stehen. Er findet über einen Zeitraum von zwei Jahren an vier Wochen pro Jahr statt.
Sie habe nach einer frischen Perspektive gesucht, sagt BSkyB-Managerin Vega: "Ich brauchte neue Anreize. Ich habe mir einige Kurse zu Nachhaltigkeit angesehen. Viele konzentrierten sich auf Mechanik und darauf, Ergebnisse zu messen. Ashridge geht einen anderen, ganzheitlichen Weg."
Mehr zu: Karriere, Master, Nachhaltigkeit
Dort arbeite man mit Aktionsforschung und beobachte bei Projekten die Reaktionen der Menschen. "Das hat meine gesamte Herangehensweise ans Managen und Führen beeinflusst. Ich bin viel stärker auf Fortschritt und Beziehungen konzentriert. Vorher war ich auf Ziele und Ergebnisse konzentriert", so Vega. Auch privat hat sich bei ihr einiges geändert: Seit sie erfuhr, wie sich Fleischverzehr auf die Umwelt auswirkt, ernährt sie sich vegetarisch.
Man werde in Sachen Nachhaltigkeit weiter als Vorreiter fungieren, sagt Matthias: "Wir halten es für wichtig, auf dem Laufenden zu sein und vorweg zu marschieren."
Nichols dagegen glaubt, dass Nachhaltigkeit schon bald ein fester Bestandteil von Strategie- und Führungskursen sein wird: "Wenn es nach uns geht, ist dieser Abschluss in fünf oder zehn Jahren bedeutungslos, weil er in jedem Abschluss enthalten ist. Wer will schon ein nicht nachhaltiges Unternehmen?"
Aus: The Financial Times, London. www.ft.com