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Merken   Drucken   07.11.2012, 15:04 Schriftgröße: AAA

Master-Studiengang: Masters of the world of coffee

Die Illy Foundation zieht Studenten aus aller Welt an - wegen ihres Masterprogramms. Hinter der Stiftung steht der Kaffeeproduzent Illycaffè, der sich nicht nur aus Imagegründen engagiert, sondern vor allem, um den Talentepool zu sichten.
von Eric Sylvers, London

Von der Bohne bis zur Tasse - das ist das Motto von Illycaffè. Das Unternehmen aus der an der Adria gelegenen Hafenstadt Triest hat sich nicht nur zu einer der bekanntesten Marken Italiens entwickelt, es sponsert zudem einen Masters-Studiengang in Coffee Economics and Science.

Illy beschäftigt sich auch mit Nachwuchs   Illy beschäftigt sich auch mit Nachwuchs

Wer nun glaubt, hinter dem hochtrabenden Namen verberge sich ein gemütliches Kaffeekränzchen, bei dem Wirtschaftswissenschaften und Forschung hintanstehen, irrt gewaltig: Bei dem auf fünf Monate angesetzten englischsprachigen Programm geben Universitätsprofessoren in 20 anerkannten Kursen insgesamt 400 Unterrichtsstunden.

Marketing, Finanzen, Rohstoffeinkauf

Hinter dem Programm steht die wohltätige Ernesto-Illy-Stiftung des Firmengründers. Die Stiftung stellt die Räumlichkeiten und mehrere Vollzeitkräfte. Die Professoren kommen von Universitäten aus Triest und dem nahegelegenen Udine, außerdem gibt es viele Gastlektoren, etwa von der Judge Business School der Universität Cambridge. "Unseres Wissens gibt es weltweit nichts Vergleichbares", sagt Stiftungsleiter Roberto Morelli, der auch das Masters-Programm verantwortet.

Im Lehrplan stehen Agronomie, der Weg der rohen grünen Bohne zum Endprodukt und die wirtschaftlichen Aspekte des Kaffees unter Berücksichtigung von Marketing, Finanzen und der Rolle von Futures bei der Sicherung der besten Rohstoffpreise.

Ein nicht unwesentlicher Teil der Zeit wird auf praktische Übungen verwandt, etwa die Herstellung eines perfekten Cappuccino inklusive Malerei auf der aufgeschäumten Milch.

Mittendrin mit Kaffee-Aroma

Wer das Illycaffè-Hauptquartier betritt, den umfängt das Kaffeearoma, das von der Kaffeebar in der Mitte des Raums herüberweht - das Gegenstück zum in anderen Firmen üblichen Wasserspender. Viele Mitarbeiter holen sich hier tagsüber ihre Dosis Kaffee, Espresso oder Cappuccino. Am Rand steht eine glänzende, große Kaffeemaschine von 1935, angeblich das erste moderne Espressogerät.

Im selben Gebäude, in dem der Kurs stattfindet, röstet Illycaffè seine neun Variationen der Arabica-Bohne, auf der anderen Straßenseite werden in einem riesigen Lagerhaus die rohen Bohnen gelagert. Kurzum: Man ist mitten im Thema.

Stipendien für Teilnehmer aus Kaffeeländern

20 Schüler belegen dieses Jahr den 15.000 Euro teuren Kurs, 90 Prozent von ihnen kommen aus Kaffeeländern. Es sind Studenten dabei aus El Salvador, Guatemala, Peru, Kolumbien, Brasilien, Burundi, Tansania, Äthiopien, Indien und Italien.

Man hoffe, dass die Studenten das in Triest gewonnene Wissen in ihrer Heimat verbreiten, so Morelli. Rund 175.000 Euro schießt die Illy-Stiftung jährlich zu dem Programm zu, vor allem durch die sieben Vollzeit- und die diversen Teilzeitstipendien, die Schülern aus Kaffeeländern angeboten werden. Das Knowhow und andere immaterielle Aspekte, die man aus dem Programm ziehe, würden diese Investition mehr als wett machen, so Morelli.

"Für uns ist es positiv, in Verbindung mit talentierten, ausgesprochen vielversprechenden jungen Menschen aus der Branche und aus aller Welt zu stehen, die sich vielleicht eines Tages dem Unternehmen anschließen", sagt Morelli. "Wir arbeiten eng mit den Studenten an ihrer Abschlussarbeit zusammen und kommen so in Kontakt mit neuen Ideen. Darüber hinaus konnten wir durch das Masters-Studium eine globale Gemeinschaft von Menschen erschaffen, die Illycaffè-Botschafter geworden sind, und wir konnten Beziehungen zu führenden Universitäten aufbauen."

Professor plus Illy-Spezialisten

Vorlesungen von Illycaffè-Mitarbeitern bringen die Welt des Kaffee ins Klassenzimmer. Hält ein Professor beispielsweise eine Vorlesung über Supply-Chain-Management oder die Probleme beim Rohstoffeinkauf, wird dies um einen Angestellten von Illycaffè ergänzt, der sich im Tagesgeschäft mit diesen Problemen befasst.

Anny Illy, die Tochter des Firmengründers und Vizepräsidentin der Stiftung, spricht über ihre Experimente mit einer Bohne, die von Natur aus nur wenig Koffein enthält, und erklärt, warum es so schwierig ist, diese spezielle Bohne außerhalb ihrer natürlichen Heimat, der Insel Réunion im Indischen Ozean, zum Wachsen zu bringen.

"Ich erkläre den Studenten die Notwendigkeit, bei Versuchen über einen Unternehmergeist und einen Dickschädel zu verfügen", sagt sie mit trockenem Lächeln. "Bislang verlieren wir mit diesem Produkt Geld, aber mein Vater hat daran geglaubt, also müssen wir weitermachen."

Masterkurs als Mehrwert

Nicht nur für sie ist Illy eine Inspiration. Auch ihr Bruder Andrea Illy, Chef des Unternehmens, sagt: "Der Masters-Kurs war ein Geschenk meines Vaters. Ihm gefiel die Mischung - Zusammenarbeit, weil man die immer braucht, sofern das eigene Unternehmen nicht ein Monster ist. Und Konkurrenz, weil das Mehrwert ist. Und Mehrwert ist dieser Masterkurs."

Sollten 400 Stunden Unterricht nicht ausreichen, diesen Mehrwert zu gewährleisten, so tun es vielleicht die Fotos und Details über die Kaffeeproduktion - natürlich von der Bohne bis zur Tasse -, die man auf den Wänden von Illycaffè findet.

Aus: The Financial Times, London. www.ft.com

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