Manchen Kunden ist das Beste noch nicht gut genug. Breitling hat diesen Wunsch nach mehr aufgegriffen - Käufern der Luxusuhren wird der Zeitmesser mit einer zweiten Marke aufgewertet: Auf dem Zifferblatt glänzt das Logo Breitling for Bentley. So fühlt sich die Uhr auch noch wie ein schnelles Auto an.
Breitling-Bentley ist das Indiz für einen größeren Trend: Markenhochzeiten sind inzwischen auf vielen Märkten gängig. Wer etwa zu seinem Rechner noch die Extraportion Gefühl will, kauft sich den Lamborghini-Laptop. Wem die Lila Pause nicht genug ist, der greift zum Philadelphia-Frischkäse mit Milka-Geschmack.
Auch Bildungsanbieter machen mit: "Auf dem MBA-Markt sind Allianzen inzwischen Standard", sagt Karlheinz Schwuchow, Dekan der österreichischen Limak Business School über die Entwicklung. Es gibt kaum eine Managerschule, die nicht kooperiert. Die WHU bietet einen gemeinsamen MBA-Abschluss mit der Kellogg School, die Gisma verbündet sich für ihren berufsbegleitenden Business-Studiengang IMM mit gleich drei weiteren Marken, darunter der Purdue University. Und der Trium MBA zeigt in seinem Logo den Eiffelturm, den Londoner Tower und das Empire State Building als Sinnbild von drei Hochschulen, die einander die Hände reichen.
Aber was treibt die Schulen in den Wettlauf um immer neue Hochzeiten? Sind es Zusammenschlüsse von Fußkranken, die gemeinsam wieder laufen wollen? Oder haben Studenten wirklich etwas von den Bindestrichstudiengängen? Der Blick auf die neue Allianz zwischen der ESCP Europe, einer Wirtschaftshochschule in Berlin, und der Hertie School of Governance liefert darauf eine Antwort. Hier können Studenten der beiden benachbarten Schulen Kurse der jeweils anderen mitbelegen. Das erweitert die wählbaren Inhalte - denn die Hertie School bildet für Politik und öffentliche Verwaltung aus, die ESCP für das Management. Wer in deren Executive-MBA-Programmen auch Fächer an der Politikschule belegt, wertet seine Ausbildung auf.
"Teilnehmer entwickeln Schnittstellenkompetenzen", sagt ESCP-Professorin Marion Festing, "sie lernen, wie eine Behörde tickt, wie in den öffentlichen Institutionen Entscheidungen getroffen werden." Anwendbar ist dieses neue MBA-Wissen sofort: Seit der Finanzkrise mischt sich der Staat wieder öfter in die Geschäfte der Unternehmen ein - Manager von morgen sollten deshalb wissen, wie Behörden und Regierungen funktionieren.
Der Wunsch nach inhaltlicher Spreizung des Angebots ist auch an anderen Schulen ein guter Grund, neue Ehepartner zu suchen. Die FOM verbündet sich derzeit mit chinesischen Hochschulen, um ihre Absolventen nicht nur auf das Business, sondern auch auf den Zukunftsmarkt China vorzubereiten. Limak, die Managerschule der Universität Linz, wagte sich sogar noch weiter nach vorn. "Kunst verbündet sich mit Management", so lautet das Credo einer im vergangenen Jahr neu eingegangenen Liaison. Der daraus entstandene MBA der Fachrichtung Creative Process Leadership wird aus zwei Fakultäten bespielt - von der Limak und der Kunstuniversität Linz.
Die Programmbroschüre dieses MBA-Studiengangs sieht aus, als sollten hier Manager zu Künstlern hochfrisiert werden. Aber auf den zweiten Blick ist das Angebot durchaus zeitgeistig. "Die Manager sollen lernen, außerhalb der gewohnten Bahnen zu denken", sagt Professor Schwuchow, der für den neuen MBA verantwortlich ist. Künstler, Event-Veranstalter und Regisseure treten in diesem Programm neben den BWL-Professoren als Dozenten auf. "Das verändert die Mindsets", sagt Schwuchow, kreative Ansätze würden das sonst BWL-übliche Denken in Marktanteilen und Umsatzrenditen bereichern.
MBA-Schulen hegen durchaus Selbstzweifel