Das Vorhaben mag seltsam erscheinen, aber es war von Erfolg gekrönt: Das von Mark Lee Ford und fünf ehemalige Kommilitonen gegründete Unternehmen Nipponica hat tatsächlich Fuß gefasst in Japan. Geholfen hat dabei die Zusammenarbeit mit Frederick Shane. Shane kann über 60 Jahre medizinische Erfahrung in Japan vorweisen und bringt in seiner American Clinic Tokyo seit Jahren Medizintechnik und medizinische Geräte nach Japan, die den dortigen Patienten bislang unbekannt waren. Nipponica setzt genau dort an. "Wir haben das einfach kapitalisiert und ergänzt", sagt Nipponica-Geschäftsführer Ford.
Bei seinem Geschäftsmodell nutzt Nipponica die Informationskluft zwischen den USA und Japan. Während in Amerika Medizintechnik viele Neuerungen hervorbringt, sorgt das japanische Gesundheitssystem eher dafür, Innovationsdrang im Keim zu ersticken. Das führt dazu, dass man im japanischen Gesundheitssystem in den USA erarbeitete Neuerungen, die auch für japanische Patienten von Nutzen sein könnten, oftmals nicht kennt. Es ist nicht nur die Sprachbarriere, sagt Derick Du Vivier von Nipponica: "Häufig -und gerade im Gesundheitsbereich - arbeiten die Leute einfach in ihren Silos vor sich hin."
Für die Produktpalette verantwortlich ist Du Vivier, der in Oregon als Narkosearzt arbeitet, während Salvatore DeSena, ein Radiologe aus dem Bundesstaat New York, für Regulierungsfragen und den Technologietransfer zuständig ist. Beide haben mit Ford an der Fuqua School of Business studiert und 2008 ihren Global-EMBA-Abschluss gemacht.
Zu den Produkten, die Nipponica nach Japan bringt, gehört ein Test, der Krebs im Frühstadium feststellen soll. Um zu erkennen, welche Produkte für Japan geeignet wären, arbeitet Nipponica mit Ärzten zusammen, die sich mit den jüngsten Entwicklungen in den USA auskennen, und mit Ärzten, die die Bedürfnisse der japanischen Patienten kennen. Die Ärzte in Japan bewerben die Produkte auch bei ihren Kollegen und tragen so dazu bei, Marktanteil zu erobern. Parallel dazu beantragt Nipponica bei der PMDA die Zulassung für Japan, um die potenzielle Zielgruppe ihrer Produkte deutlich zu vergrößern.
Die Nipponica-Gründer sagen, sie verdankten es dem EMBA-Programm der Duke, dass sie die Fähigkeiten aufweisen, die nötig sind, um zu verstehen, wie das System funktioniert. Ford und seine Partner hatten unterschiedliche Gründe für die Teilnahme an dem Kurs. "Meine Karriere lief gut, das Unternehmen lief gut, alles lief glänzend - da gingen bei mir alle Alarmglocken an", sagt Ford. Der damals 40-Jährige nahm sich eine Auszeit von seinem Job als Berater in Tokio. "Ich wollte eine positive Störung, die mich auf die nächste Ebene bringt, und nicht einfach nur den eingeschlagenen Kurs fortsetzen."
Du Vivier erhoffte sich vom Besuch der Business School eine "gute, starke Grundlage fürs Geschäft". Heutzutage müssten Ärzte, unabhängig davon, ob sie eine eigene Praxis haben oder in einem Krankenhaus arbeiten, auch über ein Auge für die finanziellen Aspekte der Medizin verfügen, so Du Vivier. Das Global-EMBA-Programm der Duke University war für Leute wie Du Vivier und Ford ideal, weil Studenten nicht ihre Zelte abbrechen und auf einen Campus ziehen müssen, sondern ihre Karriere fortsetzen können. "Es war die einzige Schule mit hervorragendem Ruf, die es mir möglich machte, meinen Job in Tokio zu behalten", sagte Ford. Ein Teil des auf 15 Monate ausgelegten Programms wird in unterschiedlichen Ländern veranstaltet, etwa in Brasilien, der Türkei und Indien. Die Studenten nehmen an zweiwöchigen Praktika in aufstrebenden Schwellenländern und stagnierenden Volkswirtschaften teil, anschließend folgen zwei Monate Fernunterricht von Zuhause. Im Auslandsteil des Programms lernten die Nipponica-Gründer nicht nur Marketingdinge, sondern gewannen aus erster Hand auch Erkenntnisse über die jeweiligen Volkswirtschaften. "Das war eine sehr wichtige Erfahrung und übersteigt das, was wir (am Duke-Standort) in Durham hätten bekommen können", sagt Ford. Die dramatischen Gegensätze zwischen den einzelnen Ländern hätten ihm deutlich gemacht, was für einen Unterschied Informationen ausmachen können und wie wichtig die gewinnbringende Nutzung von Informationen sein kann, so Ford.
Kostenlos war dieser Erfahrungsgewinn allerdings keineswegs - die Studiengebühren für den Kurs, der 2013 beginnt, liegen bei 158.600 Dollar. Von unbezahlbarem Nutzen dagegen waren die enge Zusammenarbeit, die im Rahmen des Programms nötig ist, und der Fernunterricht - beides bereitete das über mehrere Zeitzonen und Kontinente hinweg agierenden Nipponica-Team auf seine heutige Arbeit vor. Beim EMBA könnte ein Team aus Menschen bestehen, die aus New York, Paris, Delhi und Schanghai kommen und alle gemeinsam online sein müssen, sagt Ford.
Bislang seien Nipponicas Neuerungen in Japan sehr positiv aufgenommen worden, sagt Ford. Japans Ärzte seien begierig darauf, sich mit neuen Geräten vertraut zu machen: "Sie gehen sogar über die ursprüngliche Innovation hinaus und schlagen weitere Innovationen und Verbesserungen vor", so Ford. "Unser Ziel ist es letztlich, eine Art Schnellstraße zu erschaffen, die den Austausch zwischen den beiden Ländern erleichtert", sagt Du Vivier.
Aus: The Financial Times, London, www.ft.com