Eigentlich lehrt Holm Bräuer Philosophie an der TU Dresden. Aber er hat auch immer viele Geschäftsideen - und die wollte er endlich auch umsetzen. Daher hat sich Bräuer vor zwei Jahren dazu entschieden, noch ein MBA-Studium anzufangen.
"Ich bin Akademiker - und mir fehlte der fachliche Hintergrund im Businessbereich, um selbst zu gründen", sagt der promovierte Philosoph. Im berufsbegleitenden MBA-Programm an der Handelshochschule Leipzig (HHL) suchte Bräuer nach Gleichgesinnten, traf sich in Workshops mit anderen Studenten, die auch Ideen hatten, um Geschäftsmodelle durchzusprechen und zu entwickeln. So gründete Bräuer im Herbst vergangenen Jahres, noch vor dem Abschluss, sein eigenes Unternehmen.
Die Geschäftsidee war letztlich etwas völlig anderes, als Bräuer erwartet hatte: Er handelt mit Schmuck. Gemeinsam mit seinem Kommilitonen Volker Clauß betreibt Bräuer die Onlineplattform "Colors of Eden". Designer aus aller Welt bieten hier Schmuckentwürfe als 3-D-Modell an, der Kunde kann diese dann nach Belieben konfigurieren. Ein Wachsmodell wird gedruckt, das dann von einem Goldschmied in Wien gefertigt und verschickt wird.
Auch Volker Clauß ist kein hausgemachter Manager, sondern eigentlich Ingenieur. Ohne die zusätzlichen Hintergründe aus dem Studium hätte er wohl nie ein Finanzmodell für das gemeinsame Unternehmen erstellen können. "Im Programm habe ich gelernt, wie man einen Businessplan schreibt, welche Parameter für eine Unternehmensgründung relevant sind und wie man an Geld kommt", sagt Clauß. Natürlich sei ein MBA nicht direkt darauf angelegt, beim Gründen zu unterstützen, "aber man kann die sehr vielfältigen Inhalte gut übertragen", sagt der ehemalige Ingenieur.
Das Stichwort hier heißt Entrepreneurship, zu Deutsch Unternehmertum - in den vergangenen Jahren ein immer wichtiger werdender Bestandteil des MBA-Studiums. Meist zu Beginn des Programms lernen die Studenten in Planspielen, wie ein Unternehmen aufgebaut ist und was es heißt, Eigenverantwortung für ein Vorhaben zu übernehmen. Das war nicht immer so: Business-Schulen schreiben sich beim MBA eigentlich den generalistischen Managementansatz auf die Fahnen, Absolventen sollen vor allem eines können: Führungsverantwortung übernehmen.
"Der MBA ist schon eine gute Grundlage zum Gründen, man lernt viel, wird gut vorbereitet", sagt Stephanie Holmes, Unternehmerin aus Nürnberg. Aber: "Irgendwie wird nach dem Studium schon erwartet, dass man einen prestigeträchtigen Job in einer großen Firma annimmt", sagt die MBA-Absolventin der Schweizer Business School IMD. Außer ihr und ihrem Partner habe niemand sonst aus ihrem Kurs gegründet - dabei entstand ihre Geschäftsidee während eines Studienprojekts.
Für einen Managerkongress hielt Holmes zusammen mit einigen Kommilitonen einen Vortrag über die Generation Y - wie die junge Netzgeneration auch genannt wird - und die Bedeutung von Social Media. "Das kam extrem gut an, aber es blieb die Frage: Und wie gehen wir nun damit um?" Das ließ sie auch privat nicht mehr los und so schrieb sie noch während ihres MBA-Studiums einen Businessplan für die Social-Media-Beratungsagentur Ynovation, die sie dann auch nach dem Abschluss gemeinsam mit einem Kommilitonen gründete.
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Ursprünglich kommt Holmes aus der IT und war vor dem MBA bei einem Großkonzern angestellt. "Aber von meiner Lebens- und Arbeitseinstellung her war ich wohl immer eher Unternehmerin als ein kleines Rädchen im Getriebe", sagt sie. Ein Entrepreneurship-Kurs im MBA-Programm nährte ihr Interesse. "Das Angebot im Studium war breit und ausreichend", sagt Holmes. "Ich hätte mir lediglich mehr Zeit gewünscht."
Viel Zeit hatten auch Thomas Roggendorf und seine Partner Jaume Betrian Fatjó und Oriol Carreras Ballester in den vergangenen Monaten nicht: Erst vor Kurzem haben sie ihren Abschluss an der IESE Business School in Barcelona gemacht. Fast zeitgleich fand der Launch ihrer regionalen Angebote-Plattform ofertia.com statt. Schon zu Beginn des MBA-Studiums hatten Roggendorf und Fatjó sich als mögliche Gründerpartner identifiziert - jeder mit einem etwas anderen Schwerpunkt, zusammen gut geeignet. Für den technischen Hintergrund nahmen sie dann Carreras mit ins Boot.
Bei der Suche nach einer passenden Geschäftsidee schöpften sie auch aus dem Angebot ihrer Business School: "Wir nahmen alles mit, was uns sinnvoll erschien: Kurse, Workshops, Reden abseits der Vorlesungen, Feedbacks von Professoren und Wettbewerbe", sagt Roggendorf. So lernten die angehenden Unternehmer im ersten Jahr des Programms die Startup-Szene kennen und entwickelten ihre Geschäftsidee. Im zweiten Jahr, als die meisten Kommilitonen Praktika bei namhaften Unternehmen absolvierten, schrieben Roggendorf und seine Partner ihren Businessplan. "Wir wollten unbedingt gleich loslegen, suchten den Kontakt zu Investoren und Business Angels", erzählt Roggendorf. Dann konnten sie endlich mit ihrer Unternehmensgründung loslegen.
Ihren MBA passten die Jungunternehmer entsprechend ihres Vorhabens an, wählten Kurse, die mit Entrepreneurship zu tun hatten, suchten das persönliche Gespräch mit Professoren und Ehemaligen. "Die Uni hat erkannt, dass die Nachfrage nach solchen Angeboten vonseiten der Studenten gestiegen ist", sagt Roggendorf. Neben einem Entrepreneurship Center hat die IESE auch einen Investmentfonds aufgelegt, der Gründungsvorhaben von Studenten mit bis zu 300.000 Euro unterstützt.
Auch an der Mannheim Business School (MBS) hat man die Bedeutung von Entrepreneurship erkannt und diesem in einem Programm auch einen Schwerpunkt gewidmet: Absolventen des berufsbegleitenden Executive MBA der MBS und der Essec Business School entwickeln im zweiten Studienjahr eine Geschäftsidee - und bringen diese im Rahmen ihrer Abschlussarbeit zur Marktreife. "Die Projekte müssen vor einer Expertenjury bestehen, die beurteilt, ob die Idee in der Realität tatsächlich machbar ist", sagt Ralf Bürkle, Pressesprecher der MBS. Und es komme immer wieder vor, dass die Absolventen sich dann entschieden, ihre Idee umzusetzen und ein eigenes Unternehmen zu gründen - doch die Regel sei das nicht.
"Der MBA ist natürlich nur teilweise wirklich gut, wenn man gründen will", sagt der Philosoph und Unternehmer Holm Bräuer. Klassischerweise sei das Programm darauf angelegt, höheres Management größerer Unternehmen auszubilden. "Die meisten Fallbeispiele sind entsprechend auch an solchen Firmen ausgerichtet", sagt Bräuer. Dennoch: Kernthemen wie Buchhaltung, Finanzierung, Businessethik und ähnliche Grundlagen brauche man eben auch zum Gründen. "Und die vermittelt der MBA", sagt Bräuer.