Ein Abschluss in Kriminologie und eine erfolgreiche Karriere als Beamtin brachten Ugonna Hosten nicht von ihrem Ziel ab: Sie wollte in die Modeindustrie. Als sie ihre Familie in Nigeria besuchte, fiel der Londonerin eine Marktlücke auf: Keine britische Marke bot gute Accessoires mit afrikanischen Stoffen und Mustern. Hosten gab ihre Stelle auf, besuchte eine Hochschule für Kunst und Design, gründete das Modelabel Ugo's Boutique- und wusste nicht mehr weiter.
"Ich hatte eine klare Vorstellung davon, was ich erreichen wollten, aber ich wusste, es würde mir schwerfallen, für die benötigten Investoren einen Geschäftsplan zu formulieren", sagt sie. "Mir mangelte es an Selbstvertrauen, weil ich keinen wirtschaftlichen Hintergrund hatte, und an Ahnung, was Partner, Großhändler und Lieferanten anbelangt. Das bremste mich wirklich aus."
Vergangenes Frühjahr entdeckte Hosten dann die School for Creative Start-Ups, ein Social Business des Unternehmers und Investors Doug Richard. 2008 hatte Richard erfolgreich die School for Start-Ups gegründet, um Jungunternehmern zu helfen, anschließend wandte er sich dem Kreativbereich zu. "Seit 2009 wächst der Kreativbereich doppelt so schnell wie der Rest der britischen Wirtschaft", sagt Richard. "Ich glaube dennoch nicht, dass dieses Segment vom Staat und den Medien genauso viel Aufmerksamkeit bekommt wie junge Technologiefirmen."
Weil es ihnen an Geschäftserfahrung mangelt, haben Kreativunternehmer wie Hosten arge Probleme mit den ersten Phasen im Leben einer Firma. "Für kommerziellen Erfolg ist es von zentraler Bedeutung zu begreifen, wie die Welt um einen herum funktioniert", sagt Richard. "Ein MBA kann erkenntnisreich sein, lehrt aber vor allem Managementfähigkeiten, die innerhalb bereits bestehender Unternehmensstrukturen zum Einsatz kommen."
Als Unternehmer könne er in der Managementausbildung einen Ansatz einbringen, der besser zu Personen passe, die nicht "nur Rädchen in der Maschinerie" sein wollen, sagt Richard. Seine Schule eröffnete vergangenen September und begrüßte 61 Studenten unter anderem aus dem Design, den kulinarischen Künste, dem Radiogeschäft oder der Modebranche. In Abendvorlesungen, Wochenend-Workshops, Seminaren und durch die Zusammenarbeit mit Mentoren lernen Kreativkünstler, wie man verhandelt, sich um ein Projekt bewirbt oder eine Steuererklärung ausfüllt.
Richard ist nicht der einzige, der sich mit Managementratschlägen an Kreative wendet. Das mit öffentlichen Mitteln finanzierte Projekt Centre for Fashion Enterprise(CFE) bietet Studioräume und deckt einen Großteil der Anlaufkosten eines Mode-Startups ab, etwa für PR oder das Eintragen eines Warenzeichens.
"Es geht nicht nur darum, Marken zu entwickeln - es geht darum, in Menschen zu investieren und in ihre Fähigkeit, langfristige, wertvolle Beziehungen aufrecht zu erhalten", sagt CFE-Leiterin Wendy Malem. Das Programm der University of the Arts hat mit jungen Designern wie Erdem, Richard Nicoll oder Mary Katrantzou gearbeitet.
Zehn Unternehmer werden gefördert, müssen aber seit mindestens zwei Jahren ein Label betreiben, um Angebote der CFE nutzen zu können.
"Es gibt anderswo schon Initiativen zum Entdecken von Talenten", sagt Malem. "Wir kümmern uns um diejenigen, die schon etwas weiter sind. Nicht jeder vielversprechende Designer hat den Antrieb oder den Wunsch, sich Unternehmerkenntnisse zu erarbeiten. Viele wissen den Wandel nicht zu schätzen, den das Wissen um globalen Einkauf, Verkaufsanalysen und soziale Medien auf die Beliebtheit ihrer Entwürfe haben kann."
Das CFE-Konzept ahmt Fashion Incubator nach, ein Projekt, das der Berufsverband CFDA und das Magazin "Vogue" für New York entwickelt haben.
"Die Textilindustrie ist seit Langem der zweitgrößte Posten in der Wirtschaft unserer Stadt", sagt CFDA-Präsident Steven Kolb. "Deshalb haben wir seit jeher kreative Startups gefördert und die öffentlichen wie auch privaten Grundlagen entwickelt, die zu ihrer Unterstützung notwendig sind."
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Der Designer Daniel Vosovic kam zu dem Programm, nachdem er vorher an einer Reality-Show im Fernsehen teilgenommen und vier Jahre lang für diverse namhafte Marken gearbeitet hatte. "Ich wollte nicht rennen, bevor ich gehen kann", sagt er. "Ich wusste, dass ich für mein eigenes Unternehmen noch nicht bereit war, und wollte mir von den Experten einige Kniffe beibringen lassen, bevor ich mich auf eigene Füße stelle."
Die Anfeuerung - und die Kritik - durch die Mentoren hat Vosovic so viel Selbstvertrauen gegeben, dass er für sein Unternehmen schwierige Entscheidungen fällen konnte. "In den vergangenen Saisons habe ich mich dagegen entschieden, keine Schauen abzuhalten, nachdem ich vorher sechsstellige Summen ausgegeben hatte und danach zutiefst unbefriedigt war", sagt er. "Ich denke für künftige Schauen über interaktive Plattformen und Präsentationen nach. Die Lage mag derzeit sehr unsicher sein, aber wir sind Designer. Wir sind es gewohnt, mit nichts zu arbeiten, deshalb wissen wir, woran wir sind."
Ähnliches hört man von Kursleitern in den USA und Großbritannien - der Abschwung könnte sich für talentierte junge Kreativunternehmer eher als Vorteil denn als Nachteil erweisen. Die jüngsten Gesetzesänderungen in beiden Ländern zielen darauf ab, organisches Wachstum zu fördern und Firmengründern Steuervorteile zu verschaffen.
"Die Risiken mögen größer sein, aber ineffektive Konkurrenz fällt weg, deshalb ist die Chance sogar noch besser, Belohnung und Anerkennung einzustreichen", sagt Christine Helm von Design Entrepreneurs NYC. "Wenn es darum geht, einen blühenden kreativen - und kommerziellen - Traum in die Tat umzusetzen, standen die Möglichkeiten noch nie so gut."
Der Besuch der School for Creative Start-Ups habe ihre Perspektive verschoben, sagt Hosten: "Dank der Führung durch meine Mentoren und dank eines echten Basiswissens, was die Abläufe eines Unternehmens anbelangt, kann ich es nicht mehr erwarten, mit meiner Marke auf den Markt zu kommen, wo dann der Überlebenskampf beginnt. Ich bin ein Zwerg auf den Schultern von Riesen!"
Aus: The Financial Times, London. www.ft.com