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Für eine Stadt wie Berlin sind Studierende ein teures Vergnügen. 1,5 Mrd. Euro lässt sich der Senat jährlich die Ausbildung von Nachwuchsakademikern kosten. Und unterstützt damit keineswegs nur die eigenen Abiturienten beim Erwerb von Bachelor- oder Masterabschlüssen, sondern auch die aus Baden-Württemberg und Bayern. "Total ungerecht", findet das der ehemalige Wissenschaftssenator des Landes, Jürgen Zöllner (SPD).
Das Problem ist schon länger bekannt, wird aber erst jetzt richtig brisant: Durch die doppelten Abiturjahrgänge und die ausgesetzte Wehrpflicht schreiben sich derzeit so viele junge Menschen an den Hochschulen ein wie noch nie. In diesem Wintersemester werden es bundesweit vermutlich rund eine halbe Million Erstsemester sein.
Die Unis ächzen unter der Überlast. Der Hochschulpakt, mit dem Bund und Länder 366.000 zusätzliche Studienplätze finanzieren, reicht nicht aus und läuft im Jahr 2020 aus. Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Studenten danach kaum sinken wird. Das heißt, die Hochschulen bleiben dauerhaft auf einer Vielzahl unterfinanzierter Studienplätze sitzen. "Wir müssen die Zahl der Studienplätze halten - auch über 2020 hinaus", sagte Peter Frankenberg, ehemaliger CDU-Wissenschaftsminister von Baden-Württemberg, der FTD. "Ohne mehr Geld im System kann sich die Lehre nicht verbessern."
Frankenberg und sein früherer Amtskollege Zöllner fordern daher jetzt einen bundesweiten Pakt für die Hochschulfinanzierung, und sie legen dazu ein revolutionäres Modell vor.
Es ist eine völlig neue Kombination aus öffentlicher und privater Finanzierung: Jedes Bundesland übernimmt für seine Schulabgänger die Kosten eines Studiums - egal, wo diese studieren. Besuchen mehr Abiturienten eines Landes Hochschulen eines anderen Landes, so wird dies durch Transferzahlungen zwischen den Landeshaushalten ausgeglichen. Das Land zahlt - aber auch der Student. Denn Teil des Modells wäre auch die flächendeckende Einführung von Studiengebühren. Damit, so Frankenbergs Kalkül, ließen sich sowohl die CDU wie auch die SPD für das Modell begeistern.
Die Idee "Geld folgt Student" verfolgt Zöllner bereits seit zehn Jahren, da war er noch Wissenschaftsminister in Rheinland-Pfalz. Er ist davon überzeugt, dass Hochschulen für ihre Ausbildungsleistung honoriert werden sollten. Bislang konnte er sich mit seinem Modell jedoch nicht durchsetzen, obwohl es viele Befürworter gibt. Auch die Wirtschaft favorisiert es.
| Trittbrettfahrer |
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| Nehmen Die Finanzierung der staatlichen Hochschulen ist Sache der Bundesländer. Deren Kapazitäten und Budgets unterscheiden sich aber erheblich. In manchen Ländern, etwa den Stadtstaaten, gibt es deutlich mehr Studienplätze als Bedarf für die eigenen Landeskinder. Sie bilden also die Abiturienten anderer Länder mit aus. |
| Geben Bislang profitieren von dem System die Länder, die selbst wenig in Hochschulausbildung investieren, etwa Niedersachsen. Das System bietet somit keinen Anreiz, Studienplätze zu schaffen und zu halten. |
Das Erstaunliche an dem aktuellen Vorschlag ist, dass sich dafür zwei ehemalige Politiker zusammentun, die zwar beide "Herzblut für die Wissenschaft haben", wie Zöllner sagt, aber doch in vielen Punkten völlig gegenteilige Ansichten. In seiner Amtszeit in Baden-Württemberg war Frankenberg gegen das Zöllner-Modell: Das Ländle würde dabei kräftig draufzahlen, seit Jahren schickt es mehr Kinder zum Studieren in andere Bundesländer, als es selbst ausbildet. Dennoch ist Frankenberg mittlerweile davon überzeugt, das es ein Weg wäre, die Finanzierung der Unis nachhaltig zu sichern. Außerdem wäre es für ihn eine Chance, Studiengebühren wieder zu einem bundesweiten Thema zu machen. Zöllner wiederum könnte einen späten Triumph verbuchen, ziert sich aber noch beim Thema Gebühren. "Ich würde kein Modell mittragen, das allgemeine Studiengebühren vorsieht", sagte er der FTD. Aber Gebührenfreiheit gelte für ihn nicht "auf Lebenszeit". Wer länger als die Regelstudienzeit studiert, soll zahlen, und zwar die tatsächlichen Kosten eines Studiums, nicht nur 500 Euro.
Zöllner denkt, sein und Frankenbergs Vorschlag könnte gute Chancen haben, entweder im Zuge der Neuberatungen für den Länderfinanzausgleich oder wenn der Bund sich nach Ende des Kooperationsverbots stärker in der Hochschulfinanzierung engagiere. Es gebe, so Zöllner, bei dem Thema "keine Berührungsängste".
Die rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerin Doris Ahnen (SPD) hingegen hält sich bedeckt. "Eine sinnvolle Kombination, in der Studiengebühren eine Rolle spielen, kann ich mir nicht vorstellen." Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) hingegen zeigt sich aufgeschlossen. "Ich wäre sofort bereit, das zu diskutieren. Alles, was Bewegung in die Sache bringt, ist gut", sagte er der FTD. "Wenn wir international wettbewerbsfähig sein wollen, müssen wir mehr Geld für die Lehre ausgeben."