Ein junger Wissenschaftler will herausfinden, ob sich aus Pferdemist Energie gewinnen lässt. Er hat bereits Unmengen an Daten gesammelt, nur eine Forschungsreise fehlt noch, um das Projekt abzuschließen. Das Problem: Sein Budget ist erschöpft, für Reisen ist kein Geld mehr übrig. Die Lösung: Crowdfunding, die onlinebasierte Finanzierung über viele Einzelpersonen.
Im November geht Sciencestarter, die deutschlandweit erste Crowdfunding-Plattform für Wissenschaftler, an den Start. "Gerade Wissenschaftler, die Mittel brauchen, die vom Volumen her unter dem Radar großer Förderprojekte liegen, passen zu uns", sagt Markus Weißkopf, Geschäftsführer von Wissenschaft im Dialog. Hinter der Initiative stehen der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und mehrere große Forschungsgesellschaften wie die Helmholtz-Gemeinschaft.
Im Internet Geld sammeln, anstatt bei einer Bank einen Kredit aufzunehmen oder einen aufwendigen Förderantrag zu stellen, ist eine bewährte Idee: Musiker, Filmemacher und neuerdings auch Sportvereine finanzieren mithilfe der Crowd, also dem Schwarm an digitalen Unterstützern, kleine und mittelgroße Projekte. Wie die erste Crowdfunding Studie 2011 ergeben hat, wurden bis dahin damit in Deutschland rund 208.000 Euro eingeworben. Vielen Geldgebern ist es nicht nur wichtig zu wissen, was sie unterstützen, sondern auch wen.
Doch anders als ein Musiker hat ein junger Biologe keine große Fangemeinde im Internet, die er mal eben zum Spenden aufrufen kann. Deshalb muss der Bewerber bei Sciencestarter nicht nur eine Projektbeschreibung veröffentlichen, sondern auch ein kurzes Video hochladen, in dem sie sich und ihre Idee vorstellen. Und erst, wenn einer Mindestanzahl von Unterstützern, sogenannten Freunden, die Idee gefällt, können die Forscher dafür Spenden einwerben. "Ohne mediale Präsenz geht es nicht." Für ihr Geld bekommen die Unterstützer die Forschungsergebnisse oder werden in der Studie namentlich erwähnt. Wie bei Crowdfunding üblich, gilt das "All or nothing"-Prinzip. Kommt in maximal drei Monaten nicht die gesamte Summe zusammen, wird die Finanzierung wieder aufgelöst.
Bisher haben sich laut Weißkopf rund 20 Forscher gemeldet, überwiegend Post-Doktoranden, aber auch Professoren, vor allem Biologen und andere Naturwissenschaftler sowie Soziologen sind dabei. Entwickelt wurde Sciencestarter von der Startnext Network GmbH, die selbst eine der bundesweit bekanntesten Crowdfunding-Plattformen anbietet. Der Stifterverband stellt einen fünfstelligen Betrag zur Anschubfinanzierung bereit, langfristig soll sich die Plattform über Spenden tragen.
Dass die Schwarmfinanzierung für die Forschung funktionieren kann, zeigt Petridish.org: Seit Mai gibt es die US-Plattform, drei Projekte waren bereits erfolgreich. Um etwa die Wolfspopulation in Michigan zu erforschen, haben zwei Professoren 10.241 Dollar eingeworben - 241 Dollar mehr als sie brauchten.