FTD.de » Karriere » Karriere » Mutiger Plan für Unis
Merken   Drucken   04.05.2012, 10:00 Schriftgröße: AAA

Staatliche Hochschulen: Mutiger Plan für Unis

Der neue Präsident der Hochschulrektorenkonferenz plant eine Revolution: Falls die Leistungen einer Uni zu wünschen übrig lassen, will er die Hochschule degradieren. Das ist gewagt - und stellt die Frage, wie die Kriterien angelegt werden.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Jan Woitas
Leitartikel Der neue Präsident der Hochschulrektorenkonferenz plant eine Revolution: Falls die Leistungen einer Uni zu wünschen übrig lassen, will er die Hochschule degradieren. Das ist gewagt - und stellt die Frage, wie die Kriterien angelegt werden.

Egal, welche Realisierungschancen der Vorstoß des neuen Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat - eines kann man jetzt schon sagen: Mut hat der Mann. Wer es wie Horst Hippler tatsächlich wagt vorzuschlagen, mal kurzerhand den Universitätsstatus einer Hochschule infrage zu stellen, wenn deren Leistungen zu wünschen übrig lassen, der darf sich auf mehr als Gegenwind gefasst machen. Ein Sturm der Entrüstung ist ihm sicher.

Denn kaum etwas im staatlichen Hochschulsystem ist so sakrosankt wie Titel und Weihen einer Universität. Mit ihnen wird auch der Mythos aufrechterhalten, dass es in Deutschland keine großen qualitativen Unterschiede zwischen den verschiedenen Unis gibt. Dass - auch wenn immer mal wieder für manche unangenehme Vergleiche angestellt werden - die doch irgendwie alle gleich sind, die Unis. Das ist aber eine Illusion, von der sich endlich auch die Politik verabschieden sollte.

Der Vorstoß des HRK-Präsidenten geht deshalb eigentlich in die richtige Richtung. Schon heute müssen sich die privaten Hochschulen, anders als die staatlichen, bewerten lassen, entscheiden bei den Privaten Leistungen über die offizielle Anerkennung. Wenn der Wissenschaftsrat nun regelmäßig die Akteure des öffentlichen Hochschulsystems bewerten würde, wäre das ein großer Transparenzgewinn. Studienanfänger würden es ihm danken.

Eine ganz andere Frage ist die, welche Kriterien sinnigerweise angelegt werden sollen. Und ob mit den Güteklassen "Universität" für hui und "Fachhochschule" für pfui wirklich die richtigen Qualitätssiegel zur Verfügung stehen. Wer an der Einheit von Forschung und Lehre festhalten will - und nichts anderes war bisher von der HRK zu hören -, der muss auch universitäre Leistungen würdigen, die sich nicht nur in wissenschaftlichen Veröffentlichungen, Doktorandenzahlen oder Drittmittelsummen widerspiegeln. Zum Beispiel, wenn eine Uni es schafft, trotz Studentenansturms vernünftige Lernbedingungen bereitzustellen. Etwas mehr Humboldt darf es dann schon noch sein.

Und auch die Empörung der Fachhochschulen ist verständlich. Wer, wie Hippler, Fachhochschulen zu Unis adeln will, wenn sie gute Leistungen liefern, der teilt vergiftetes Lob aus. Gute Leistungen können auch anders transparent gemacht werden.

  • Aus der FTD vom 04.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Kommentare
  • 04.05.2012 15:15:53 Uhr   RobertP: FH und Universitaet

    Die Idee, dass eine FH lediglich eine Universitaet mit weniger Forschung sei, ist Unsinn. Die FH zu einer Strafabteilung fuer Unis zu machen und am besten noch einen Bundesliga-Wettbewerb mit Auf- und Abstiegslisten einzufuehren ist geradezu Schwachsinnig.
    Zunaechst ist die FH in der Tat vornehmlich eine Ausbildungsstaette, in der Menschen berufsbezogen studieren. Sicherlich kommt auch die FH nicht ganz ohne Forschung/Fallstudien aus. Im Gegensatz dazu ist die Universitaet eine Forschungsanstalt mit Lehrauftrag, in der Menschen zu Forschern ausgebildet werden.

    Allerdings muss man eingestehen, dass das neue Bachelor-Master-System als angelsaechsisches Ausbildungskonzept der Idee der FH wesentlich naeher steht: der Bachelor ist eine Berufsausbildung und der Master entweder eine Vertiefung, eine fachfremde Weiterbildung oder eine Vorbereitung auf das wissenschaftliche Arbeiten; alle drei Moeglichkeiten werden z.B. an englischen Universitaeten zugleich angeboten.

    Diese Grundidee des Bachelor-Master-Systems und der Zweck seiner Einfuehrung ist jedoch an vielen Deutschen Unis laengst nicht angekommen. An einigen TUs glaubt man standhaft, man habe den Diplomstudiengang nur anders aufgeteilt und gesteht offen ein, dass der Bachelor eigentlich nicht als Berufsausbildung taugt.

    Die unterschiedliche Ausrichtung der Ausbildungziele wird sich aber nicht mit einer Auf- oder Abstufung automatisch anpassen. Offen gestanden, hat die Forschungsleistung mit der Lehrausrichtung nur recht wenig zu tun. In diesem Sinne muss man sich Fragen, ob Herr Hippler ueberhaupt Ahnung hat, wovon er spricht.

    Vielleicht sollte man Herrn Hippler fuer 2 Jahre an eine FH schicken. Immerhin wissen wir ja, dass es in einem verschulten System wie der FH einen starken Zusammenhang zwischen der Kompetenz des Lehrtaetigen und der Bestehensquote gibt. Ob Herr Hippler dann seine leistungsbezogene Extraverguetung noch bekommt, wage ich zu bezweifeln, aber vielleicht kapiert er dann den Unterschied zwischen Uni und FH.

  • 04.05.2012 12:23:23 Uhr   John Doe: Mit DSDS ist kein Blumentopf zu gewinnen
Kommentar schreiben Pflichtfelder*




Energiewende Info
  •  
  • blättern
Energiewende
Das ist die Braunkohle aus Deutschland

Durch die Energiewende ist ausgerechnet Braunkohle zum wichtigsten Stromlieferanten für Deutschland geworden. Der unbeliebte Energieträger ist nicht nur verheerend für das Klima, sondern schafft auch Schandflecke. Doch mancherorts lässt Braunkohle auch Urlaubsregionen zurück. mehr

Infografiken zum Thema Energiewende
  •  
  • blättern
 

Sind Sie fit für die Energiewende?

Die Bundesregierung hat die Abkehr vom Atomstrom beschlossen. Höchste Zeit, sich mit erneuerbaren Energien auseinanderzusetzen. Wo steht Deutschland im europäischen Vergleich - und was sind eigentlich Photonen? Testen Sie Ihr Wissen!

Zum Aufwärmen ein Zitat: "Ich würde mein Geld auf die Sonne und die Solartechnik setzen. Was für eine Energiequelle! Ich hoffe, wir müssen nicht erst die Erschöpfung von Erdöl und Kohle abwarten, bevor wir das angehen." Wer sprach 1931 diese Worte?

Alle Tests

Kommentare zur Energiewende
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler