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Merken   Drucken   29.04.2012, 15:55 Schriftgröße: AAA

Strategien der Business-Schulen: Theorie ist Trumpf

Im ewigen Konkurrenzkampf setzen etablierte Business-Schulen wieder stärker auf eine theoretische Basis. Nur gute Dozenten einzukaufen bringt auf Dauer keinen Erfolg, haben sie erkannt.
von Barbara Domschky

"Work smarter, not harder" - frei übersetzt: mach's mit dem Kopf und nicht auf die Ochsentour - das ist eine der Maximen, die Christian Kowalski, Projektleiter bei Airbus in Hamburg, in den vielen Fallstudien seines MBA-Studiums, den Case Studies, verinnerlicht hat. "Die meisten Probleme ähneln sich. Je mehr Erfahrung man hat, desto größer die Chance, dass man sofort einen Lösungsansatz parat hat, ohne gleich das Rad neu zu erfinden."

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Dass sein Ingenieursdiplom allein im Job nicht reichte, merkte er schnell: Fast jede Entscheidung muss sowohl technisch als auch wirtschaftlich begründet sein. Das Studium in den USA reizte ihn vor allem wegen der Praxisnähe. Er entschied sich für das berufsbegleitende MBA-Programm der University of Louisville und deren deutschem Kooperationspartner, der Hamburger Fern-Hochschule (HFH). "Ein spezieller Ingenieurs-Master hätte für mich keinen Mehrwert gehabt. Ich wollte eine komplette zweite Fachrichtung", erklärt er.

Spezialprogramm oder die große Schule des Managements, praxisnaher How-to-Do-Ansatz oder viel Theorie nach Vorbild der Universitäten: Nach welchem Konzept sind die Manager von morgen am besten ausgebildet? Um sich auf dem zunehmend unübersichtlichen MBA-Markt behaupten zu können, müssen viele Schulen ihr Angebot überdenken. Laut MBA-Guide bieten heute weltweit rund 1500 Anbieter knapp 5000 MBA-Programme an. Business-Schulen warten regelmäßig mit Neuem auf, vieles davon hat außer dem imageträchtigen MBA-Label nicht viel mit einer fundierten Managerausbildung gemein.

Kritiker bemängeln, dass spezialisierte MBAs den Sinn eines MBA-Programms verfehlen, nämlich Nicht-Ökonomen umfassende Managementkenntnisse zu vermitteln. "Der MBA ist per Definition generalistisch", sagt Gianmario Verona, Direktor der MBA-Programme der SDA Bocconi Business School in Mailand, die im MBA-Ranking 2011 der Financial Times zu den zehn besten Schulen Europas zählte.

Der wesentliche Unterschied sei, dass der MBA nicht vorrangig Fachwissen vermittle, sondern die Arbeitsstrategien eines Unternehmens. Trotzdem bietet Bocconi auch einen MBA in Luxury Business Management in Zusammenarbeit mit der italienischen Luxusmarke Bulgari an. Zielgruppe seien jene, die sich auf diese Branche spezialisieren wollten. Das Kernelement bildeten aber auch hier klassische Managementinhalte, versichert Verona.

Nach Ansicht von Bodo Schlegelmilch, Dekan der Executive Academy der Wirtschaftsuniversität Wien (WU), haben beide Formen ihre Berechtigung, je nach den individuellen Bedürfnissen, Interessen und Zielen von Managern. So bietet die WU einerseits einen Executive MBA (EMBA) für jene Führungskräfte mit Berufserfahrung an, die von anderen Branchen lernen wollen. Andererseits sei der MBA in Energy Management für Leute aus dieser Branche, die nicht wechseln wollten, genau das Richtige, sagt Schlegelmilch.

Für die Zukunft der Managerausbildung seien jedoch andere Kriterien entscheidend: Wie gehen Führungskräfte etwa mit der Globalisierung um, oder wie entwickeln sie ein Bewusstsein für gesellschaftliche Missstände? Und wie vermitteln MBA-Programme eine praxisorientierte Ausbildung, die trotzdem wissenschaftlich ist? "Das ist sicher eine sehr viel schwierigere Aufgabe, als nur Sachwissen und Methoden zu vermitteln", sagt Schlegelmilch.

Die richtige Balance zwischen Theorie und Praxis zu finden - dies sei künftig eine der maßgeblichen Aufgaben der Business-Schulen, sagt Jens Wüstemann, Präsident der Mannheim Business School (MBS). Schließlich hätten die amerikanischen Kaderschmieden nach der Finanzkrise auch aufgrund ihrer fallstudienlastigen Lehrpläne in der Kritik gestanden.

Entscheidend sei es, theoretische Grundlagen ins Programm einfließen zu lassen und mit dem Praxisansatz zu verflechten, sagt Wüstemann. Die Voraussetzung dafür: "Ein gutes MBA-Programm braucht eine forschungs- und theoriestarke Fakultät im Rücken - nur gute Dozenten einkaufen bringt keinen dauerhaften Erfolg", erklärt er. Der akademische Ruf sei gerade beim Executive MBA durchaus ein Entscheidungskriterium.

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Gut kombiniert

Die Balance macht es also. Dennoch sei der Praxisbezug ein Vorteil des MBA, sagt Schlegelmilch von der WU Wien. Das Denken nach dem "Wie" müsse aber auch von einem "Warum" begleitet werden. So sollten beispielsweise Fragen der gesellschaftlichen Legitimation des Unternehmens und des einzelnen Managers erörtert werden. Jedoch nicht im Rahmen von isolierten Modulen: "Es ist viel spannender, beispielsweise Ethik in Bereichen zu behandeln, wo man dieses Thema nicht unbedingt vermuten würde, etwa im Rahmen von Finance oder Controlling", so der Dekan.

Unternehmen wollen den Mix aus beidem, sagt auch Simon Evenett, Direktor des Schweizerischen Instituts für Außenwirtschaft und Angewandte Wirtschaftsforschung an der Universität St. Gallen. "Essentiell für eine erfolgreiche Karriere sind Fachwissen, aber auch soziale Kompetenz und ein guter Führungsstil." Der MBA-Markt sei übersättigt, beklagt Evenett. Auf Dauer überleben würden nur die renommierten Schulen und solche, die individuell zugeschnittene Programme anbieten könnten. MBS-Präsident Wüstemann stößt ins gleiche Horn: "Profil zeigen, nichts kopieren."

Die MBA-Anbieter in Europa sind gerade dabei, ihre Rolle neu zu finden. Viele stellen ihre Ziele, Lehrinhalte und pädagogischen Grundlagen in Frage. Für Ingenieur Kowalski war die Kombination aus Theorie und Praxis ideal. Gerade hat er sich für das Doktorandenprogramm für Wirtschaftsingenieure an seiner alten Universität in Kentucky angemeldet. Der nächste Schritt in seiner akademischen Laufbahn.

  • FTD.de, 29.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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