Abgeguckt bei Stefan Winter: Er ist ein Befürworter nachgelagerter Gebühren und hat dazu gerade das Buch "Die Studiengebühren-Lüge" veröffentlicht.
Warum zahlen Sie rückwirkend Studiengebühren?
Ich habe mir über das Thema lange keine Gedanken gemacht. Aber als es im vorletzten Jahr im nordrhein-westfälischen Landtag eine Expertenanhörung dazu gab, habe ich mich intensiv mit den Argumenten für und wider Studiengebühren auseinandergesetzt. Seitdem trete ich für nachgelagerte Gebühren ein, so wie es sie in Australien etwa gibt. Dabei zahlt man nach dem Studium von seinem Einkommen einen bestimmten Prozentsatz zurück. Und da habe ich gedacht: Wenn du dafür eintrittst, musst es auch selbst so machen.
Woher wussten Sie, wie viel sie wie lange zahlen müssen?
Winter Ich habe mich hingesetzt und ausgerechnet, was mein Wirtschaftsstudium gekostet hat und wie ich diese Summe wie lange abbezahlen muss. So bin ich auf die 100 Euro pro Monat gekommen. Die zahle ich seit Januar 2011 bis zu meiner Pensionierung. Bis dahin werde ich die Kosten zuzüglich 2,5 Prozent Zinsen jährlich zurückgezahlt haben. Insgesamt 25.000 Euro. Angesichts meines Nettoeinkommens von 5000 Euro im Monat halte ich das für zumutbar. Ich rufe auch alle anderen Topverdiener im Land auf, sich dem anzuschließen und dadurch die Studienbedingungen in Deutschland zu verbessern.
Wie hat die Universität Hannover auf Ihr Geschenk reagiert?
Winter Zuerst wusste die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, an der ich studiert habe und der ich das Geld geben wollte, gar nicht, wie sie das verbuchen soll. Aber dieses Problem konnte gelöst werden.
Wissen Sie, wofür Ihr Geld ausgegeben wird?
Winter Nein. Aber darum geht es mir auch nicht. Für mich ist wichtig, dass ich für mein Studium zahle.
Warum ist Ihnen das wichtig?
Winter Weil ich ein komplett kostenfreies Studium auch für Topverdiener für sozial hochgradig ungerecht halte. Das ist Umverteilung von unten nach oben.