FTD.de » Karriere » Karriere » Bildung nach Maß
 

FTD-Serie: Bildung

Hier finden Sie FTD.de-Artikel zu den Themen Schule, Universität, Bildungspolitik und Hochschulmanagement.
Merken   Drucken   25.08.2012, 09:00 Schriftgröße: AAA

Studium: Bildung nach Maß

Ein bisschen Management, ein Häppchen Marketing und ein Kurs in Entrepreneurship: Das Berliner Startup Glubal baut Studiengänge nach Wunsch zusammen - ein weltweit einzigartiges Modell.
von Hamburg

Für Marc Drüner ist ein Studium wie ein Auto. Oder ein Handy. Der Kunde entscheidet sich für ein Fach wie für eine Marke und wählt dann, je nach Vorliebe und Geldbeutel, die Zusatzausstattung hinzu. Mass Customization heißt das im Wirtschaftsleben: ein Massenprodukt an persönliche Bedürfnisse anpassen. Was mit Autos funktioniert, könnte auch mit Bildung funktionieren, dachte sich Drüner: "Studenten sind es gewöhnt, dass sich alle Dienstleistungen personalisieren lassen."

Drüner, 46, Professor an der privaten Steinbeis-Hochschule in Berlin und Inhaber einer Marketingagentur, hat aus der Idee jetzt ein Geschäftsmodell gemacht: Glubal, ein Studienkonfigurator im Internet, soll im September starten. Die Idee: Wissenshungrige können sich aus einem globalen Netzwerk von Hochschulen ein Studium nach ihren Wünschen zusammenstellen, aus verschiedenen Modulen, mit verschiedenen Abschlüssen, in Vollzeit oder neben dem Job, im Hörsaal oder im Internet, zu Hause oder in Spanien, teuer oder günstig - alles nach dem Baukastenprinzip.

Ranking Die Unis mit dem weltbesten Ruf

Hier ein bisschen Management, dort ein bisschen Marketing, dann noch ein Kurs Entrepreneurship - und fertig ist das Lieblingsstudium. Glubal übernimmt die Abwicklung des Patchworkstudiums, von der Bewerbung bis zur Anerkennung von Leistungen. Das ist, soweit sich das Segment überblicken lässt, ein weltweit einzigartiges Modell. Ob es funktionieren kann, muss sich noch zeigen.

Glubal setzt voraus, dass Hochschulen bereit sind, ihr Wissen zu teilen, am besten über online verfügbare Kurse, und die Leistungen, die an anderen Einrichtungen erworben wurden, anzuerkennen. In Deutschland hat Drüner nicht viele Unis gefunden, die das wollen, aber Privathochschulen in den USA, Großbritannien, Spanien, Frankreich, Italien oder der Türkei wollen dabei sein, "die haben Angst, dass sie sonst einen Riesentrend verschlafen", sagt Drüner. Aber sie sehen auch, dass sie über diesen Weg ihre Inhalte stärker vertreiben können und Zugang zu mehr - zahlenden - Studenten bekommen.

Die schreiben sich an einer Uni ein, die zum Abschluss, wenn alle vorgeschriebenen Module und Prüfungen bestanden sind, auch den akademischen Grad verleihen wird. Sie wählen erst einen Studiengang und dann Schwerpunkte oder spezielle Angebote. Wenn die Uni, an der sie angemeldet sind, diese Kurse nicht anbietet, können die Studenten sich aus dem Angebot von Dutzenden Hochschulen weltweit bedienen. Die Hochschulen müssen sich verpflichten, im Rahmen ihrer Studienordnungen gegenseitig Studienleistungen anzuerkennen. "Damit setzen wir jetzt endlich Bologna um", sagt Drüner. Die wechselseitige Anerkennung von erlangten Kreditpunkten ist das Ziel des vor zehn Jahren eingeführten Bachelor-Master-Systems.

Drüner ist derzeit in Verhandlungen mit über 60 meist privaten Hochschulen weltweit. Eine, die bereits zugesagt hat, ist das Lorange Institute of Business in Zürich. "Als eher kleine Business-School können wir nicht jede Spezialisierung anbieten", sagt Geschäftsführer Philipp Boksberger. "Mit Glubal haben unsere Studenten eine größere Wahlfreiheit." Und die Anerkennung fremder Studienleistungen? "Damit habe ich überhaupt kein Problem", sagt Boksberger. "Wir überprüfen bei jedem Modul, ob es unseren Qualitätsansprüchen genügt, reine Onlinekurse etwa passen nicht zu unserem Studienverständnis." Wenn aber ein Student einen Kurs in den USA belegen wolle, "dann unterstützen wir das", so Boksberger. Natürlich hofft er, dass die neuen Wahlmöglichkeiten das eigene Studienangebot attraktiver machen und er so mehr zahlende Studenten gewinnen kann. Dafür muss Lorange wie alle anderen Hochschulen pro Modul bis zu 25 Prozent der Studiengebühren an Glubal abführen.

Das Unternehmen dahinter, die Highed Solutions GmbH, hat Drüner zusammen mit der Schweizer NZZ-Mediengruppe gegründet. Startkapital: 3,5 Mio. Euro. Damit will er nun von Deutschland aus den Markt aufrollen, Anfang 2013 soll ein Ableger in China hinzukommen. Drüner hat große Pläne: Er will nicht nur Studenten maßgeschneiderte Studiengänge anbieten, sondern auch Unternehmen. Die könnten sich dann aus dem Studienangebot zur Firma passende Qualifikationen aussuchen und damit eine Corporate University zur Weiterbildung ihrer Mitarbeiter aufbauen - "ein extrem interessanter Bereich", so Drüner. Ein lukrativer obendrein.

Vieles scheint möglich mit Glubal, aber eines geht nicht: Ein Student kann sich nicht an einer renommierten Business-School einschreiben und dann nur Onlinemodule einer Billiguni belegen, um einen möglichst preisgünstigen Abschluss einer Eliteuni zu bekommen. Man kann in einen BMW ja auch keinen Lada-Motor einbauen.

  • FTD.de, 25.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler