12000 Euro sind eine Menge Geld - vor allem, wenn man sie ausgeben soll, um danach kostenlos zu studieren. So viel müssen ausländische Studenten bezahlen, wenn sie am neuen Berlin International College (BIC) ein zehnmonatiges Intensivprogramm zur Studienvorbereitung belegen. Damit sollen sie fit gemacht werden für ein Studium in Deutschland.
Für Christian Berthold, Geschäftsführer von CHE Consult, einer Tochter des Centrums für Hochschulentwicklung, die das neue College betreiben wird, ist das aber kein Widerspruch, sondern gut fürs Marketing. "Wir bieten ein Gesamtpaket aus sprachlicher, akademischer und kultureller Vorbereitung, verbunden mit der konkreten Zusage eines Studienplatzes."
Mit derzeit sechs Partnerhochschulen hat Berthold bereits Verträge gemacht, darunter die Unis Freiburg, Kiel und Cottbus. "Die bekommen von uns topvorbereitete Studienanfänger." Und die deutschen Unternehmen hinterher exzellente Fachkräfte. "Eine Win-win-win-Situation", so Berthold. Obendrein sei das Studium hier besser und billiger als etwa in Großbritannien. Das bundesweit einzigartige College soll sich allein über die Gebühren der Teilnehmer finanzieren.
Das CHE stößt mit dem BIC in eine Marktlücke. Seit Jahren steigt die Zahl ausländischer Studenten an deutschen Hochschulen: 2010 waren es 244.775; die meisten kommen aus China, der Türkei und Russland. Doch nur knapp 14 Prozent von ihnen machen hierzulande einen Abschluss. Die meisten scheitern im Studium an sprachlichen oder kulturellen Problemen - und weil sich die Hochschulen nicht genügend um sie kümmern.
In anderen Ländern wie etwa Australien oder den USA sind solche Prep-Kurse sowie eine intensive Betreuung vor und während des Studiums üblich, ebenso an deutschen Privatunis. Doch die staatlichen Hochschulen hierzulande sind so sehr mit dem Ansturm deutscher Studenten beschäftigt, dass sie sich nur wenig um Ausländer kümmern können. Berthold will den Unis daraus keinen Vorwurf machen: "Die Hochschulen können das gar nicht leisten, die haben dafür kein Geld." Denn das Studium in Deutschland ist auch für Studenten aus Nicht-EU-Ländern weitgehend kostenfrei.
Aus zahlreichen Befragungen weiß man, dass ausländische Studenten jedoch gern bereit wären, für eine bessere Betreuung zu bezahlen. In China wundern sich Familien mitunter darüber, dass ein Studium in Deutschland nahezu überall kostenlos ist - und darüber, dass ihr Kind jahrelang studiert und manchmal sogar ohne Abschluss.
Das International College, das sich in Prenzlauer Berg auf dem Campus der GLS Sprachschule angesiedelt hat, will das verhindern. Indem die Studienbewerber in einem akademischen Studienprogramm auf technisch-ingenieurwissenschaftliche Fächer vorbereitet werden, die deutsche Sprache lernen, das Land und die Kultur erkunden sowie Unternehmen besuchen. "Die Studenten kriegen von uns ein Rundum-sorglos-Paket", so Berthold. "Damit lässt sich die Studienzeit verkürzen, und das spart wiederum Geld." Er rechnet mit rund 100 Teilnehmern in der ersten Runde, aber vielleicht werden es auch nur 30, "wir könnten das bis 300 locker hochskalieren." Dazu arbeitet das BIC mit Bildungsagenten weltweit zusammen, die Studenten anwerben.
Ob sich genügend zahlungskräftige Ausländer finden, muss sich zeigen. Die Internationale Fachhochschule in Bad Honnef bietet unter dem Namen Path2University College seit dem Wintersemester 2010 ein ähnliches Programm an, allerdings in englischer Sprache und mit dem Schwerpunkt Wirtschaft, für sich selbst und für Partnerhochschulen, etwa die FH Jena. Das zehnmonatige Programm kostet 15.900 Euro, inklusive Unterkunft, Verpflegung und Limousinenservice vom Flughafen. Bislang haben 45 Studenten daran teilgenommen, jedes Jahr 15 bis 30; sie kommen aus Japan, Indien, Katar und den USA. Ulrich Bremer, Geschäftsführer des Colleges, ist damit zufrieden, zumal er festgestellt hat, wie "extrem betreuungsintensiv" die Studenten aus Übersee sind.
Das Kümmern zahlt sich offenbar aus: Alle Studenten aus dem ersten Jahrgang haben ihre Abschlussprüfung bestanden, die sie zum Studium in Deutschland berechtigt, und studieren nun hier - allerdings in englischer Sprache. Denn: "Es ist schon schwer, einen Japaner für ein Studium in Deutschland zu gewinnen", sagt Bremer, "aber es ist noch schwerer, ihn für ein technisches Studium in deutscher Sprache zu gewinnen."