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Einweihungen und Besichtigungen gehören zu den schöneren Dingen im Leben von Politikern. Wissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU) darf dann meist durch Mikroskope gucken oder Hightech-Laser bewundern - Leuchttürme deutscher Forschung. Doch in dieser Woche verschlägt es die Ministerin in einen leeren Hörsaal der Uni Münster. Der Raum ist immerhin frisch renoviert und riecht nach Holz. "Der hat viel Ausstrahlung", lobt Schavan, und: "Sitzt sich gut." Nach zwei Minuten ist die Besichtigung vorbei. Es ist eben auch für Politiker nicht leicht, der Lehre mehr Ehre zu geben.
Jahrzehntelang haben die Unis sich nicht groß um die Studienbedingungen gekümmert, sondern um die viel prestigeträchtigere Forschung. Die Politik unterstützte das mit Milliarden für Eliteunis und Exzellenzcluster. Erst spät hat sie erkannt, dass das nicht reicht - auch unter dem Eindruck der Studentenproteste im vergangenen Jahr.
Nun soll das lästige Beiwerk Lehre zur Kernkompetenz deutscher Hochschulen werden. Ziel ist nicht weniger als ein Kulturwandel an den Unis. Befeuert wird er mit Bundesmitteln: Schavan spendiert 2 Mrd. Euro bis 2020 für eine bessere Lehre. Nach der Exzellenzinitiative für die Forschung hat nun auch die Lehre ihren ersten großen Wettbewerb. 200 staatliche Hochschulen haben sich beworben, 111 wurde für eine Förderung vom Bund ausgewählt.
Den Spitzenplatz belegt die Uni Münster, die fünf Jahre lang 30 Mio. Euro bekommt, um ihre Lehre zu verbessern. Als Schavan die Hochschulleitung besucht, bemühen sich beide Seiten um große Worte: "Der Stellenwert der Lehre wird steigen", verspricht Marianne Ravenstein, Prorektorin für Lehre. "Das wird die Universitätslandschaft verändern", schwärmt Schavan. "Lehre ist genauso kreativ wie Forschung."