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Merken   Drucken   08.08.2012, 12:00 Schriftgröße: AAA

Weiterbildung: Vom Hürden-Star zum Management-Coach

Bisher eroberte Kriss Akabusi Siegertreppchen im Sport, gewann unter anderem eine Silbermedaille bei Olympia. Künftig will er seinen EMBA dazu nutzen, arbeitslosen Jugendlichen zu helfen. "Man braucht eine Qualifikation, um vorwärts zu kommen", ist seine Devise.
von Della Bradshaw

Kriss Akabusi hat diverse Medaillen bei Olympia und anderen internationalen Sportwettkämpfen gewonnen und Erfahrung als Fernsehmoderator. Bald verfügt er nun auch über einen MBA-Abschluss. Im September beginnt eine neue Phase in Akabusis beruflicher Laufbahn: Dann wird er einen EMBA-Studiengang - also einen MBA-Studiengang für berufstätige Führungskräfte - an der Ashridge Business School in Großbritannien beginnen.

Kriss Akabusi, ehemaliger britischer Hürdenläufer   Kriss Akabusi, ehemaliger britischer Hürdenläufer

Akabusi sagt selbst, dass er das Studium in Ashridge beginne, sei eher Zufall gewesen. "Ich wusste, dass in der Nähe eine große Business School steht", sagt er. Erst als er feststellte, dass sein Nachbar Dozent in Ashridge ist, und er zu einem Tag der offenen Tür der Business School eingeladen wurde, begann er, über eine solche Ausbildung nachzudenken.

Akabusi zählt zu den unverwüstlichsten Sportberühmtheiten Großbritanniens. Viele junge Manager kennen ihn auch als Moderator einer BBC-Kindersendung in den 90er-Jahren. 1996 dann gründete er ein eigenes Unternehmen. Sein Geld verdient er mit Coaching und Motivationsveranstaltungen, nun will er sein Portfolio auf eine höhere Ebene bringen. "Es gibt viele Sportler, die das Gleiche wie ich tun möchten", sagt er. "Um mich abzuheben, benötige ich eine Qualifikation. Es gibt einige Unternehmen, die wollen Motivationsveranstaltungen mit der Unternehmensgeschichte verbinden."

Sechs Wochen für mehr Jobchancen

Im Rahmen des Ashbridge-Programms müssen alle Teilnehmer ein Projekt abschließen. Akabusi ist die Not arbeitsloser Jugendlicher in Großbritannien ein großes Anliegen. 1,2 Millionen Menschen im Land seien ohne Schulbildung, Beschäftigung oder Ausbildung, sagt er. "In meinen Augen ist das ein sehr ernstes Problem."

Sein Plan ist, ein sechswöchiges Programm für 16 junge Menschen anzubieten, bei dem sie Kenntnisse in Vertriebsinnendienst und Kundenbeziehungsmanagement erhalten sollen. Am Ende des Kurses wird ihnen ein Vorstellungsgespräch zugesagt. Die Teilnehmer sollen angemessenes Verhalten am Arbeitsplatz lernen, sagt Akabusi. "Man kann nicht mit dem Hosenbund in der Kniekehle rumlaufen."

Was fehlt in vielen Geschichten über Erfolg: Das Kapitel zur Arbeit

Schon früher hat Akabusi versucht, das Programm umzusetzen, allerdings ohne großen Erfolg. Zwar hatten Unternehmen und Berater ihre Unterstützung zugesagt, und die Finanzierung stand auch, doch nur drei Jugendliche bewarben sich. "Mir fiel es sehr schwer, junge Menschen zu begeistern", sagt er. "Ich habe nicht gelernt, ihre Sprache zu sprechen - das war ein Aha-Erlebnis für mich. Junge Menschen misstrauen Erwachsenen. Man hat ihnen gesagt, sie seien zu nichts zu gebrauchen." Weiter sagt Akabusi: "Wir müssen uns wieder mit diesen Menschen beschäftigen. Junge Menschen müssen verstehen, dass Leute über 24 das Beste für sie wollen."

Seine eigene Geschichte verlief ganz anders. "Ich hatte Glück", sagt Akabusi. "Mit sechzehneinhalb verließ ich das Kinderheim und ging zum Militär. Es gab mir Disziplin und Struktur. Es brachte mich zur Leichtathletik."

Zwar wurde Akabusi durch seinen Sport eine Berühmtheit, doch seiner Ansicht nach bringt die heutige Promikultur nicht nur Gutes mit sich. "Ich bin kein Fan von 'X Factor' und Reality-Shows. Der Mittelteil über die Arbeit fehlt." Wie im Sport gehe es in der Arbeitswelt darum "zu gewinnen und zu verlieren und wieder aufzustehen", sagt er. "Das geht nicht im Handumdrehen. Ich wurde Weltklasse. Ich habe 15 Jahre dazu gebraucht."

Später auch landesweit denkbar

Das Ashridge-Programm soll Akabusi dabei helfen, das Konzept des Jugendprogramms zu beweisen. Dann will er es kopieren und letzten Endes landesweit anbieten. Er ist der Überzeugung, dass der EMBA ihm dabei helfen wird. "Das ist eine kleine Gruppe Leute, es ist international, und es ist in Modulen aufgebaut. Ich habe keinen akademischen Hintergrund, das heißt, es ist privat genug, um mich zu unterstützen." Ihm gefällt auch die akademische Herangehensweise. "Man lernt nicht, wie man ein Examen besteht, sondern man lernt zu arbeiten. Es ist ein praxisorientiertes Programm."

Akabusi ist der Ansicht, das Programm wird ihm helfen, seine Arbeit wieder ins Gleichgewicht zu bringen. "Heute zählt, was Gewinn bringt. Die Dynamik wird sich ändern. Ich sehe mich selbst zu Führungsteams sprechen, ich sehe das Wachstum in der Beratung. Ich kann sehen, wie der Bereich Einzelcoaching für Spitzenmanager wächst."

Aus: The Financial Times, London. www.ft.com

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