Die Ära der einsamen Entscheider an der Unternehmensspitze ist vorbei. In einer immer komplexeren Welt ist Teamwork gefragt. Die FTD stellt in dieser Serie solche Traumpaare vor: kongeniale Duos, deren Erfolg nur gemeinsam möglich ist.
Die beiden Typen wirkten wie eine Verlegenheitslösung. Jeder für sich zu schwach, zu unvollkommen, um allein der Boss zu sein. Als der deutsche Softwaregigant SAP vor zwei Jahren die Position des Vorstandschefs neu besetzen musste, tauchten gleich zwei Männer auf: Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe. Ein Amerikaner und ein Däne. Ein charismatischer Verkäufer und ein ruhiger Mathematiker. Ein Macher und ein Denker. Sie sollten SAP führen. Gleichberechtigt. Als Co-CEOs.
Geht das überhaupt? Zwei gleichberechtigte Chefs in einem DAX -Konzern? Geteilte Macht in diesen Zeiten? Ohne Chef-Chef, der das letzte Wort hat? Das sind die Fragen, die sie seitdem immer wieder beantworten müssen.
"Zwei Chefs sind besser als einer", sagt McDermott dann. "Mit Bill habe ich mehr Erfolg als allein", sagt Snabe. Und: "Ich habe gelernt, dass die Doppelspitze das bessere Modell ist."
Das bessere Modell, keine Verlegenheitslösung. Das ist die Antwort von SAP . Das ist auch die Antwort des deutschen Traditionskonzerns Miele, der seit Generationen immer zwei Chefs hat. Das ist die Antwort von vielen Familienunternehmen. Und das ist die Antwort der Deutschen Bank, die in wenigen Wochen mit dem gleichen Modell loslegt.
Die Ära der einsamen Entscheider, wie sie einst unumschränkte Herrscher wie der Daimler -Boss Jürgen Schrempp verkörperten, ist vorbei. Inzwischen sieht man auch in den Topetagen der deutschen Wirtschaft immer mehr Teamwork. Und wer genau hinschaut, kann selbst hinter vermeintlichen Alphatieren kongeniale Partner erkennen.
Darum haben FTD-Reporter in den vergangenen Wochen etliche Erfolgsduos der deutschen Wirtschaft besucht. Unternehmer und Topmanager, die nicht allein agieren, sondern einen starken Partner haben. Die allein längst nicht so viel bewegen könnten. Und deren Macht und Erfolg ohne den anderen nicht einmal erklärbar wäre. Jeden Tag wird die FTD nun eines dieser Teams vorstellen.
Die beiden Chefs von SAP genauso wie die beiden geschäftsführenden Gesellschafter von Miele. Aber auch ganz andere Paare: mächtige Gesellschafter, die eine besondere Beziehung zu ihren obersten Managern haben, wie bei Volkswagen , Schaeffler, Springer oder Veltins. Ehepaare, Brüder oder Cousins, die gemeinsam ein Familienunternehmen führen, wie bei Heraeus oder beim Modeunternehmen Seidensticker. Topmanager in Konzernen wie der Telekom oder ThyssenKrupp , die ohne ihre wichtigsten Verbündeten im Vorstand oder im Hintergrund niemals die Macht hätten, die sie haben. Und alte Freunde, die gemeinsam bis in die Elite der Deutschland AG aufgestiegen sind. Kurz: die Dream-Teams der deutschen Wirtschaft.
Jede dieser Geschichten hat etwas Besonderes, einige muten an wie eine Superheldensaga, andere klingen eher wie Erzählungen vertrauter Eheleute. Wenn man diese Geschichten zusammenführt und auswertet, zeigen sich klare Linien und eine Erkenntnis: Die Zeit der allein dominierenden Alphamanager ist vorüber.
Die Ursachen dafür sind vielfältig. Ganz sicher liegt es mit am Tempo, mit dem Führungskräfte heute entscheiden müssen. Wettbewerb, Globalisierung, Internet - die alten Erfolgs- und Führungsmuster funktionieren in einer zunehmend komplexen Welt nicht mehr. Managementberater wie der frühere McKinsey-Deutschland-Chef Herbert Henzler sprechen schon vom "Phänomen der neuen Unübersichtlichkeit".
Die neuen Zeiten erfordern neue Ansätze. "Die Komplexität für Managemententscheidungen nimmt zu. Die Chance, das als Einzelner zu bewältigen, hat abgenommen. Wirklich gutes Management gibt es heute nur noch im Team", sagt Roman Müller-Albrecht, geschäftsführender Gesellschafter der Personalberatung Gemini Executive Search. "Ich glaube nicht an den Einzelnen, der alleine durchgängig erfolgreich entscheidet, dafür sind die Fragen heute zu komplex und zu groß."
Ähnlich sieht es Nelson Taapken, auf Personalfragen spezialisierter Partner bei Ernst & Young: "Für Unternehmen ist es inzwischen ein Riesenrisiko, alles an einer Person auszurichten", sagt er. "Es wird künftig nur über Teams laufen. Das ist das Modell der Zukunft."