Ganz am Ende, als es endlich vorbei ist, tritt Barbara Kux in die Tür, die ihr Büro mit dem Zimmer ihrer Assistentin verbindet, und als sie sieht, dass der Besuch immer noch nicht weg ist, hebt sie plötzlich die rechte Hand und winkt. Einfach so. Spontan, ein bisschen kindlich - und völlig unverkrampft.
Ansonsten gibt sie sich so, wie es heutzutage wohl von Managerinnen erwartet wird: kompetent, selbstbewusst, energisch, freundlich. Sie wirkt dabei ein bisschen steif und unnahbar. In ihrem Büro hängen am Garderobenständer ein grüner Lodenmantel und ein grüner Hut. Tarnkleidung, denkt man. Barbara Kux steht nicht gern im Mittelpunkt.
Das ist ein bisschen schwierig, denn Kux ist die erste Frau, die es in den Vorstand der Siemens AG geschafft hat. Seit zwei Jahren gehört sie zur obersten, bis dahin nur aus Männern bestehenden Führungsriege eines Unternehmens, das auf den Gebieten Industrie, Energie und Medizintechnik tätig ist und weltweit 400.000 Mitarbeiter beschäftigt.
Das sorgte für Wirbel. Zumal der Konzern zu dem Zeitpunkt das einzige im DAX notierte Unternehmen mit einem weiblichen Vorstand war. "Das ist ein historischer Einschnitt", schrieb die "Süddeutsche Zeitung" damals. "Vielleicht so ungewöhnlich wie die Wahl des Schwarzen Barack Obama ins Weiße Haus."
Der Einstieg der Schweizerin verlief allerdings etwas holprig. Vorstandschef Peter Löscher und Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hatten sich den Coup in aller Stille ausgedacht. Dass Kux das neu geschaffene Vorstandsressort Einkauf und Nachhaltigkeit übernehmen sollte, erfuhren die anderen Siemens-Kontrolleure erst am Vorabend der entscheidenden Sitzung. Und nicht alle waren davon begeistert, zumal über ein solches Ressort zuvor nie diskutiert worden war. Warum also diese Frau?
Teil 2: Der Fehler des ersten Halbjahres