"Natürlich Bayer", sagt Manfred Schneider und zeigt auf einen Teil seines opulenten Schranks. "Dann Linde , RWE und Daimler ." Gut zehn Meter misst die Regalwand seines imposanten Büros voller Dokumente der Konzerne, die er seit Jahren beaufsichtigt. Er lese gerne Akten, sagt Schneider. Eine gute Grundlage für ein paar ehrliche Worte über die Qualität deutscher Vorstände und Aufsichtsräte.
FTD Der nächste RWE-Chef Peter Terium ist Niederländer, der neue Bayer-Chef Marijn Dekkers ebenfalls. Haben Sie eine Schwäche für unsere Nachbarn im Westen?
Manfred Schneider Nein, das ist purer Zufall. Die Berufung von Marijn Dekkers ist sicherlich ein Kulturbruch für Bayer. Bisher war der Vorstandsvorsitzende immer ein Insider, einer, der bei Bayer groß geworden ist. Und es war immer ein Deutscher. Aber wir hatten für die Nachfolge von Werner Wenning intern keinen Kandidaten, von dem alle am Auswahlprozess Beteiligten fest überzeugt gewesen wären. Die zu Beginn noch lange Liste mit in- und externen Kandidaten wurde mit zunehmender Diskussion immer kleiner. Schließlich sind wir auf Marijn Dekkers gekommen - und das war eine sehr gute Wahl.
FTD Ist es um einen Konzern nicht traurig bestellt, wenn er es nicht schafft, einen Vorstandschef aus den eigenen Reihen zu rekrutieren?
Schneider Externe Kandidaten bringen einem erst einmal viel Kritik ein. Sie und Ihre Kollegen schreiben dann, es gebe keine vernünftige Nachfolgeplanung. Das ist falsch. Es geht allein darum, wer die anstehenden Aufgaben am besten erledigen kann. Da ist es zweitrangig, ob ein Nachfolger von innen oder von außen kommt. Für beide Varianten gibt es gute Argumente. Alle Unternehmen pflegen sogenannte Potenziallisten, die regelmäßig diskutiert und angepasst werden. So bildet sich meist ein Kern von Topleuten heraus.
Teil 2: Kein Zutrauen zum letzten Schritt