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Eine Windkraftanlage überragt das Werksgelände der Paderborner Brauerei. "Sieht gut aus", sagt der technische Geschäftsführer Hans Jürgen Ludwig. Bald soll das Windrad deshalb die Etiketten der Warsteiner-Tochter zieren, die 93 Mitarbeiter beschäftigt und 800.000 Hektoliter pro Jahr produziert. Schließlich ist Paderborner das erste deutsche Bier, das mit Windkraft gebraut wird.
Die Anlage ist weit mehr als ein Marketing-Gag: Sie wird künftig rund 40 Prozent des Strombedarfs liefern und "uns langfristig gegen Strompreissteigerungen absichern", sagt Ludwig. Seit 2005, so hat er berechnet, habe sich der Strompreis glatt verdoppelt - was sich auf dem hart umkämpften Biermarkt nicht an die Verbraucher weitergeben lässt.
"Wir müssen uns ständig etwas Neues einfallen lassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben", sagt Ludwig. Er setzt entschlossen auf Energieeffizienz, in allen Bereichen. So liefert eine Biogasanlage günstig Heißwasser. Als Nächstes plant Ludwig ein eigenes Hackschnitzelkraftwerk, um mit weniger Erdgas auszukommen.
Die Angst vor steigenden Strompreisen treibt viele Unternehmer um und lässt sie ihre ganz eigene Energiewende angehen. Sie lassen Mitarbeiter zu Energieexperten fortbilden, engagieren Energieberater und treffen sich zum Erfahrungsaustausch mit Kollegen. Und stellen fest: Mit wenig Aufwand lässt sich viel erreichen. Wer systematisch den Energieverbrauch senkt oder gleich selbst Strom produziert, kann im Jahr fünf- oder gar sechsstellige Summen sparen.
Besonders schnell amortisieren sich Investitionen in klassische Energiefresser wie Beleuchtungssysteme, Kühlanlagen oder Drucklufttechnik. Gerade im produzierenden Gewerbe lohnt es sich, Mitarbeiter fortzubilden, weil sich externe Berater mit speziellen Fertigungsprozessen und Maschinen selten auskennen.
Zum Brauen gehört ein Druckluftsystem, im Falle von Paderborner in zwei getrennten Netzen. Durch das simple Öffnen der Absperrventile entstand ein gemeinsames Netz, das nun durch einen neuen Kompressor mit elektronischer Drehzahlregelung versorgt wird. Zudem sorgt eine moderne Steuerung für eine verbrauchsabhängige Erzeugung. Die Bilanz des Eingriffs: Die Brauerei verbraucht nur noch halb so viel Strom zur Drucklufterzeugung und spart jährlich rund 55.000 Euro. Die Investition von 62.500 Euro hat sich damit längst ausgezahlt.
Neben Druckluftnetzen gehören Pumpen, Beleuchtungs- und Kühlsysteme zu den "Querschnittstechnologien", bei denen Stromsparen laut Deutscher Energie-Agentur (Dena) besonders lohnt: Effizienzmaßnahmen amortisieren sich hier meist in weniger als drei Jahren.
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Das kann die Feingießerei Blank bestätigen, in der jährlich 3500 Tonnen Stahl, Kupfer und Aluminium geschmolzen und zu industriellen Gussteilen verarbeitet werden. Dafür verbraucht das schwäbische Unternehmen, das mit 420 Mitarbeitern rund 50 Mio. Euro Jahresumsatz erzielt, 25 Millionen Kilowattstunden Strom und Gas. Firmenchef Werner Blank ließ eine Kühlanlage umbauen, die nun unterschiedliche Temperaturen in separaten Systemen erzeugen kann. Das spart der Gießerei rund 325.000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Nebenbei haben sich die Arbeitsbedingungen verbessert, weil die Anlage leiser läuft. "Wir verzeichnen weniger Krankentage", sagt Energie- und Umweltmanager Josef Menz. Sozusagen der Bonus für Blanks Engagement.
Schon eine erste Beratung durch einen Energiecoach zeigte den Schwaben, wo gespart werden könnte. "Wir haben zunächst nur Isolierungen ausgebessert, Regelungen bei Klimageräten optimiert und Lecks in der Druckluftanlage geschlossen", sagt Menz.
Danach wagte sich der Energiemanager mit seinen Kollegen an Großprojekte wie den Umbau der Kühlanlage. Bis heute haben sie insgesamt 33 Effizienzprojekte angeschoben und dafür allein zwischen 2008 und 2010 mehr als 600.000 Euro ausgegeben. Resultat: Das Familienunternehmen spart jetzt jährlich 470.000 Euro - und mehr als 2000 Tonnen Kohlendioxid. Menz: "Das gute Gefühl gibt es beim Energiesparen gratis dazu."
Erfolge wie bei Blank sprechen sich offenbar nur langsam herum. Für viele Unternehmer hat Energieeffizienz im Alltagsgeschäft bisher keine Priorität: Laut einer Umfrage der staatlichen Förderbank KfW hält zwar die Hälfte der kleinen und mittleren Firmen das Thema prinzipiell für wichtig. 37 Prozent der Befragten haben allerdings keine Ahnung, wo sie sparen können - oder sind überzeugt, in ihrem Unternehmen gebe es gar kein Einsparpotenzial.
Teil 2: Sparen durch regionale Netzwerke