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Der Gewinn liegt im Einkauf. Für Ringoplast-Chef Hendrik Johannink gilt dieser Satz als bewiesen. Schließlich machen die Rohstoffe, die seine Firma zur Produktion von Plastikkisten braucht, gut die Hälfte der gesamten Kosten aus, ein großer Teil davon entfällt auf Energie. "Allein am Strom hängen 14 bis 15 Prozent unserer gesamten Bruttowertschöpfung", sagt Johannink. In den kommenden Jahren dürfte der Geschäftserfolg angesichts steigender Preise sogar noch stärker vom Strom abhängen - und deshalb steuert der Unternehmer aus dem emsländischen Ringe-Neugnadenfeld massiv gegen.
Erstens engagiert sich Johannink im Strompool der Grafschafter Wirtschaftsvereinigung, einem regionalen Einkaufsverbund, über den rund 100 Betriebe ihre Stromnachfrage bündeln. Zudem schreibt er einen Teil seines Strombedarfs neuerdings über eine Internetbörse aus: Bei der Produktionsstätte in Chemnitz testet Ringoplast das Portal des mittelständischen Bundesverbands der Energie-Abnehmer (VEA).
Beide Methoden rechnen sich: Der Strompool hat 2011 Verträge ausgehandelt, die um zehn Prozent günstiger lagen als die besten Einzelangebote. Auch das VEA-Portal versetzt den Kunststoffproduzenten in eine ungewohnt komfortable Lage: "Ich kann da bundesweite Auktionen veranstalten", sagt Johannink - fast wie ein Konzern mit Zugang zur Strombörse EEX. Auch hier sind teilweise zweistellige Nachlässe drin.
Johannink steht mit seiner Strategien noch recht allein da. Auch wenn der Strommarkt schon vor 14 Jahren liberalisiert wurde, sind 80 Prozent der kleineren Gewerbestromkunden bis heute bei den früheren Monopolisten unter Vertrag, sagt Karsten Kranewitz, Vertriebsleiter von Ampere aus Berlin. Der Energiebroker handelt für 14.000 Stromkunden und im Auftrag mehrerer Handwerkskammern und Industrieverbände Rahmenverträge und Sonderkonditionen aus und zählt inzwischen zu den 100 größten Stromkunden der Republik. Kranewitz: "Auch wenn die Margen nicht mehr so hoch sind wie in den Anfangsjahren, lässt sich der reine Energiepreis gerade bei kleineren Kunden um bis zu 15 Prozent senken." Auf den Gesamtstrompreis, zu dem noch staatlich festgelegte Konzessionsabgaben, Netz- und Transportkosten, Ökoumlagen und Steuern kommen, sind immerhin fünf Prozent Ersparnis drin. "Produzierende Unternehmen kommen da schnell auf Zehntausende Euro."
Ohne fremde Hilfe ist das allerdings schwer. Wer als kleiner Kunde versucht, mit seinem Versorger zu verhandeln, hat kaum eine Chance. Energieberater könnten da helfen, sagt Melanie Baumann, Stromeinkäuferin bei den Leina-Werken in Windeck an der Sieg. Leina produziert und vertreibt mit 70 Mitarbeitern Warnwesten, Warndreiecke und Verbandskästen. Preisverhandlungen überlässt Baumann der Energie Ingenieur Agentur (Enia): "Wir haben einfach nicht die nötige Ahnung, die Gesetze ändern sich ständig." Leina spart so rund 2000 Euro pro Jahr.
Enia kümmert sich zudem um Anmeldungen, Zoll- und Steuerformalitäten und prüft die Rechnungen. "Einmal im Jahr reichen wir alles ein", sagt Baumann. Häufig passen Preise und Nutzungskosten für die Netzinfrastruktur nicht zusammen, sagt Enia-Geschäftsführer Jürgen Langenbach: "Die Rechnungen sind für sich genommen plausibel, aber teilweise stimmen die Mengen nicht überein." Das aber prüft kaum ein Mittelständler. Obwohl es sich oft lohnt: Nach Reklamationen erstattete der frühere Leina-Versorger mehrere Tausend Euro.