Gut drei Jahre nach dem Ende der Übernahmeschlacht mit VW beginnt für Porsches früheren Finanzchef Holger Härter demnächst der Prozess vor dem Landgericht Stuttgart. Härter muss sich ab dem 5. September zusammen mit zweien seiner damaligen Spitzenkräfte wegen Kreditbetrugs verantworten. Die drei müssen bereits zum ersten Verhandlungstag erscheinen, sagte ein Gerichtssprecher.
Der Ärger mit der Strafjustiz geht auf die Ereignisse des Jahres 2008 zurück. Damals wollte der kleine Sportwagenbauer Porsche den viel größeren VW-Konzern übernehmen. Härter gilt als der Kopf hinter den komplexen Finanzgeschäften des Stuttgarter Autobauers. Es war der spektakulärste Übernahmekampf in der Geschichte der der Autobranche. Die Porsche -Dachgesellschaft häufte 11,4 Mrd. Euro Schulden an und scheiterte mit den ehrgeizigen Plänen. Volkswagen drehte schließlich den Spieß um. Seit August gehört das Sportwagengeschäft der Porsche AG zu Europas größtem Autokonzern.
Härter und die beiden anderen Manager sollen im März 2009 während des Übernahmekampfs mit VW eine Bank bei Kreditverhandlungen falsch informiert haben. Härters Anwältin hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.
Auch gegen den früheren Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking könnte es ab Herbst wegen der Ereignisse von damals zur Anklage kommen. Die Vorwürfe lauten auf Marktmanipulation und Untreue.
Es dürfte noch lange dauern, bis der juristische Ärger um den Übernahmekampf aufgearbeitet ist. Nicht zuletzt, weil er auch in den USA ausgetragen wird. Dort werfen namhafte Investmentgesellschaften wie Greenlight und Glenhill Capital Porsche vor, Anleger in die Irre geführt zu haben. Getrieben von der Übernahmeschlacht war der Kurs der VW-Aktie auf mehr als 1000 Euro geschossen. Investoren, die auf fallende Kurse gewettet hatten, verloren viel Geld.
Erst von wenigen Tagen erlitt die Porsche-Holding im Kampf gegen die Milliardenklagen aus den USA einen Rückschlag. Ein New Yorker Richter stellte fest, dass die US-Justiz für eine der Klagen sehr wohl zuständig sei, was die Deutschen jedoch nicht hinnehmen wollen. Die Porsche-Holding baut selbst keine Autos mehr, hält aber 51 Prozent der VW-Stammaktien.
Die Investmentfonds versuchen ihr Glück zudem bei den deutschen Richtern. Ein Teil von ihnen klagt auch vor dem Landgericht Braunschweig. Dort laufen bereits zwei Verfahren von Privatanlegern, die sich durch Porsche geschädigt sehen. In Deutschland sind die Entschädigungssummen aber in aller Regel geringer als in den USA.