Der Tag, an dem er zum Kriminellen wurde, ist Dieter Berninghaus nicht in Erinnerung geblieben; so wenig Eindruck machte seine Tat auf ihn. War's ein Montag, ein Freitag? War er im Büro, war er zu Hause? Nein, nichts Besonderes war an diesem Tag vor fast zehn Jahren.
"Ich hab nicht gerafft, dass ich mein Leben zerstöre. Dass ich mein Leben völlig zerfetze. Ich hab's einfach nicht gerafft."
Es war so leicht, die Tat zu begehen: ein Telefon, ein Satz, das war's. "Lassen wir das Geld in der Schweiz." So oder so ähnlich sagte er diesen Satz. Was sollte ihm schon geschehen? Ihm, dem Wunderkind? Dem Mann, von dem die großen alten Herren des deutschen Handels noch heute mit einem Raunen in der Stimme sprechen.
"Er hatte unglaubliches Potenzial", sagt Hans-Joachim Körber.
"Er war brillant", sagt Erwin Conradi.
"Berninghaus war kein Mann für Deutschland, er war ein Mann für Europa ", sagt Klaus Wiegandt. "Es ist eine tragische Geschichte. Er hat ja nur einen einzigen Fehler gemacht."
Dieser eine Fehler, er hat alles verändert, auch das Aussehen des Dieter Berninghaus. Er wirkt viel älter als ein Mann von gut 40 Jahren. Die durchwachten Nächte haben sich in sein Gesicht gegraben, Falten kreuz und quer, an Schläfen, Wangen, Stirn und Kinn. Nur die Augen sind frisch wie früher, blaugrün wie ein Polarmeer, und um sie herum liegt ein seltsam aufgeregter Zug.
Ja, sagt er, er hat wieder eine Arbeit. Er darf am Morgen einen Anzug anziehen und ins Büro gehen, ein schönes Büro, mit Gummibaum und Blick auf Zürich. "Hätte mir das jemand vor einem Jahr gesagt, ich hätte geantwortet: ,Eher heirate ich Paris Hilton.‘"
Teil 2: Was Berninghaus als junger Mensch tat