Beim Saunagang bleibt der Blackberry draußen. Aber sonst ist er immer dabei, ob beim Sport, im Restaurant oder beim Spaziergang. Nachts liegt er nicht auf dem Nachttisch, da gab es Proteste der Gattin, aber in Hörweite. Falls der Chef anruft. Der ruft natürlich nur an, wenn es wirklich, wirklich wichtig ist. Aber dann erwartet er einen diensteifrigen Mitarbeiter. Egal wo. Egal wann. Stichwort 24/7.
24 Stunden am Tag an den sieben Tagen der Woche verfügbar zu sein, das sorgt bei den meisten Managern für leichten Grusel. Fast 80 Prozent fürchten sich vor Informationsüberflutung und dem Zwang, ständig erreichbar zu sein. Das besagt eine Studie, für die 446 Führungskräfte und Mitarbeiter von der Managementberatung Comteam befragt worden sind.
Dieselben Manager sagen aber auch: Sie erwarten mehr Freiheit und Beweglichkeit. Soll sagen: keine Anwesenheitspflicht, keine Stechuhrmentalität. Dann schon lieber ständig Blackberry oder Smartphone in Reichweite.
Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen endgültig, das zeigt die Studie, und die Suche nach Freiräume wird schwierig. Jede Freiheit zeigt sich als scheinbare: Wer nicht im Büro sitzt, ist trotzdem jederzeit greifbar. Wer als Manager selbst entscheiden will, stellt fest: Dafür gibt es standardisierte Prozesse. Um die Effizienz zu erhöhen, heißt es, Aber Freiräume für eigene Entschlüsse fallen damit weg.
Ihr Job sei in den vergangenen fünf Jahren deutlich weniger attraktiv geworden, sagen mehr als die Hälfte der betroffenen Führungskräfte. Die regulierten Prozesse vieler Unternehmen schränken zunehmend den Entscheidungsradius ein. Die Führungskraft wird zur Ausführungskraft, die sich an Vorgaben hält und standardisierte Prozesse exekutiert. Als "neuen Taylorismus" wertet Comteam-Vorstand Lorenz Forchhammer diese Entwicklung: Die Führungskraft wird zum Fließbandmanager.
Und der fühlt sich entmündigt. Rund die Hälfte der befragten Angestellten hält das eigene Unternehmen für überorganisiert, nur jeder vierte fühlt sich durch vorgegebene Prozesse unterstützt. Das frustriert und geht auf die Motivation. Gut die Hälfte der Führungskräfte gesteht, den Sinn ihrer Arbeit kaum mehr zu erkennen. Beim Versuch zu sparen - denn je effizienter die Mitarbeiter, desto weniger werden benötigt - bewirken Unternehmen so das Gegenteil. Denn unmotivierte und ergo unproduktive Manager und Mitarbeiter sowie verpasste Marktchancen erzeugen hohe Kosten, die den Nutzen der Einsparungen durch Standardisierung infrage stellen.
"Ohne eigene Gestaltungsmöglichkeiten sind gute Mitarbeiter schnell wieder weg", sagt Forchhammer. Wenn sie denn überhaupt kommen. Leistungsstarke Mitarbeiter, das sollte sich herumgesprochen haben, erwarten mehr als nur ein gutes Gehalt. Sie wollen Familienleben und Arbeit unter einen Hut bringen, die eigenen Ziele erreichen und sich zugleich im Job verwirklichen. Diese Anspruchshaltung können sie sich erlauben, denn Fachkräfte werden allmählich rar.
Die Botschaft ist in vielen Unternehmen angekommen. Die Möglichkeiten, die ihnen ihre Firma zur Entwicklung einräumt, halten fast 60 Prozent für hoch. Doch damit, wie sie ihr Können einbringen können, sind die Befragten weniger zufrieden. Sie wollen mehr mitgestalten. Weniger als 20 Prozent der Befragten bezeichnen die ihnen eingeräumten Beteiligungsmöglichkeiten als sehr hoch.
Was die Erwartungen an die Zukunft dämpft. Die Innovationskraft ihrer Arbeitgeber bewerten die Befragten als mäßig: Beinahe 40 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass durch standardisierte Prozesse notwendige Innovationen behindert werden. "An der Schraube müssen Unternehmen noch drehen, denn Innovationen sind ein wichtiger Wettbewerbsfaktor", sagt Forchhammer. Er weiß: Kreativität und Innovation brauchen Freiräume, um zu gedeihen. Dasselbe gilt übrigens auch für Manager.