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Merken   Drucken   23.09.2012, 20:41 Schriftgröße: AAA

Kfz-Kasko: Schadensreduzierung in der Dienstwagenflotte

Kfz-Versicherer setzen ihre Preise für Dienstwagenflotten herauf. Wer nicht mehr zahlen will, hat nur eine Chance -  und zwar für weniger Unfälle zu sorgen.
© Bild: 2012 Bloomberg/Alessia Pierdomenico
Kfz-Versicherer setzen ihre Preise für Dienstwagenflotten herauf. Wer nicht mehr zahlen will, hat nur eine Chance - und zwar für weniger Unfälle zu sorgen.
von Anne-Christin Gröger

Einparken ist sowieso Glückssache. Und dazu noch die Steinschläge! Um 70 Prozent stiegen daher die Versicherungsprämien für die Dienstwagen des Telekomanbieters Ericsson im Herbst 2011. Zu viel Geld, fand Flottenmanager Andreas Nickel. Zu viele Unfälle, konterten die Gesellschaften, bei denen Nickel anklopfte. Schließlich fand er einen neuen Versicherer, der weniger Geld verlangte - weil sich Ericsson bereit erklärte, für jeden neuen Schaden einen Selbstbehalt zwischen 200 und 1000 Euro zu zahlen.

Martin Benzing kennt das Problem. Er ist Flottenmanager bei Arburg, Hersteller von Spritzgießmaschinen und Robotsystemen im Schwarzwald. Benzing musste jährlich hohe Summen für die Kfz-Kasko der 260 Firmenwagen aufbringen. "Lange Zeit hat kaum jemand geprüft, wann und wie ein Schaden zustande kam." Bis Benzing einen externen Risikoberater anheuerte. Der riet zu einer genauen Analyse: Wo sind die Fahrzeuge geparkt, draußen oder in der Tiefgarage? Wofür werden sie verwendet, für Kundenbesuche oder nur auf dem Werksgelände? Wie viel zahlt Arburg an Versicherungsprämien?

Durch Präventionsmaßnahmen die Mitarbeiter sensibilisieren

"Wir haben angefangen, unsere Mitarbeiter zu sensibilisieren", sagt Benzing. Ist ein Fahrer besonders häufig in Unfälle verwickelt, steht ein Gespräch mit dem Vorgesetzten und dem Flottenmanager an. Benzing geht es um Prävention. "Wir wollen so viele Schäden wie möglich vermeiden", sagt er. "Dann haben wir auch weniger Verwaltungsaufwand bei der Abwicklung mit dem Versicherer." Daher betreibt Arburg eine eigene Kfz-Werkstatt und beschäftigt eigene Mechaniker. Benzing organisiert zudem regelmäßig Fahrtrainings und Schulungen für die Fahrer. Dabei lernen sie auch, wie sie beim Fahren weniger Sprit verbrauchen.

Arburg ist auf dem richtigen Weg, sagt Karsten Weichelt, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Riskadvise. Viele Firmen beschränkten sich auf einzelne Maßnahmen, kritisiert Weichelt, gefragt sei jedoch "ein richtiges Konzept, dessen Ergebnisse sich auch kontrollieren lassen".

Schon um bei den Versicherern gute Argumente zu haben. Die haben aufgrund des scharfen Wettbewerbs jahrelang auch Fuhrparks mit vielen Unfällen günstig versichert und deswegen rote Zahlen geschrieben. Jetzt haben sie die Tarife für die Kfz-Kasko­versicherung nach oben nachjustiert.

Einigen Unternehmen drohten sie mit massiv erhöhten Prämien oder kündigten sogar den Vertrag. "Bei manchen Kunden verlangten die Versicherer den doppelten Beitrag", sagt Rüdiger Barth, Kfz-Experte beim Großmakler Aon. Seiner Einschätzung nach sind die Preise für Kfz-­Policen in dieser Zeit durchschnittlich um zehn Prozent und 15 Prozent gestiegen. Einige Unternehmen hatten große Schwierigkeiten, überhaupt noch eine Gesellschaft zu finden, die bereit war, ihre Flotte zu versichern.

Weniger Schäden sorgen für günstigere Kfz-Policen

Schäden zu vermeiden, das ist die bes­te Möglichkeit, um die hohen Preise für Kfz-Policen wieder zu reduzieren. Die Versicherer geben sich dabei hilfsbereit. "Gerade im Lkw-Bereich passieren sehr viele Schäden allein durch falsch eingestellte Rückspiegel", sagt Claudia Hermann von der Allianz. Damit das nicht mehr passiert, drängt der Versicherer bei Speditionen auf die Einrichtung von Spiegeleinstellplätzen.

Viele Fahrer gingen nachlässig mit dem Firmenwagen um, weil ja der ­Arbeitgeber die Unfallkosten übernehme, sagt Experte Weichelt. Da müssten Anreizsysteme greifen. "Eine Möglichkeit ist, vorsichtige Fahrer beim nächsten Karriereschritt mit einem größeren Dienstwagen zu belohnen." Auch die Kosten­beteiligung des Mitarbeiters könne eine Variante sein, falls das Malheur etwa am ­Wochenende passiert. Weichelt weiß mittlerweile, worin das Problem dabei liegt: "Nach einiger Zeit ereignen sich auffällig viele Unfälle eben freitags oder montags."

Bei Arburg im Schwarzwald habe das umfassende Konzept gegriffen, sagt Benzing. "2003 hatten wir noch 72 Schäden im Jahr - 2011 waren es noch 16."

  • FTD.de, 23.09.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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