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Merken   Drucken   15.11.2007, 21:25 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Duncan Niederauer - Und wieder einer von Goldman

Zum Feiern hatte der neue Vorstandschef der New Yorker Börse keine Zeit. Schon am Morgen nach dem Aufstieg wartete business as usual auf Duncan Niederauer. Bereits um 8 Uhr spulte er auf einer Bankkonferenz im edlen New Yorker Millennium Broadway Hotel die Kennzahlen des Unternehmens ab.
von Claas Tatje

Zu dieser Konferenz hatte ausgerechnet die US-Bank Merrill Lynch eingeladen. Also jene Bank, die tags zuvor Niederauers Chef John Thain abgeworben hatte und damit erst den Weg für seinen Aufstieg an die Spitze der Börse frei gemacht hatte. Niederauers Beförderung kommt für viele Experten nicht sonderlich überraschend. "Thain war schon länger auf dem Sprung, und Niederauer hat nur auf seine Chance gewartet", kommentierte ein Broker den schnellen Führungswechsel bei der größten Börse der Welt.

Duncan Niederauer   Duncan Niederauer

Dabei war der 48-Jährige erst im April zur Börse gestoßen - als geschäftsführender Vorstand der europäischen Euronext sollte er die Reibungsverluste nach der Fusion mit der großen Schwester New York Stock Exchange minimieren. Bei dem Börsengiganten NYSE Euronext wurden bei seinem Amtsantritt Aktien im Wert von 28.500 Mrd. $ gehandelt - fünfmal mehr als am zweitgrößten Handelsplatz Tokio.

Der neue Chef unterscheidet sich nicht zuletzt charakterlich von seinem Vorgänger. "Niederauer ist einfach ein bisschen lockerer, wenn er auf den Flur runterkommt", urteilt ein Aktienhändler. Dabei hat die Biografie des Neuen einiges mit der von dem eher kühlen Thain gemein. Auch Niederauer war lange Zeit bei der Investmentbank Goldman Sachs tätig. Der Wallstreet-Kaderschmiede blieb er 22 Jahre treu, rasch stieg er dort zum Chef der Aktiensparte auf und machte sich intern für den Ausbau des elektronischen Handels stark. Diese Erfahrung im Wertpapiergeschäft kommt Niederauer jetzt zugute.

Kenner der Börsenbranche

Weiterer Vorteil: Er kennt die Börsenbranche. Seit 2000 war Niederauer für Goldman Sachs Handelstochter Spear, Leeds & Kellogg tätig und häufig auf dem Parkett anzutreffen. Seine Verhandlungspartner haben schon damals gemerkt "dass er immer gleich zur Sache kommt", sagt ein Wall-Street-Manager.

Die NYSE Euronext  kann so ein Kaliber gebrauchen. Denn Vorgänger Thain hat eine Börse im Umbruch verlassen. Die Integration der Euronext zum transatlantischen Bündnis ist in vollem Gange. Aber nur eine erfolgreiche Fusion könnte zu wenig sein, um langfristig als Aktiengesellschaft Erfolg zu haben. Mit jedem Monat verliert die NYSE Euronext Marktanteile im Aktienhandel an ihre Konkurrenten in London oder Hongkong, und der Boom der Derivatebörsen ging an der NYSE Euronext bisher weitgehend vorbei.

"Wahrscheinlich wird Niederauer weiter hinzukaufen müssen", vermutet ein Branchenkenner. Hilfe kann sich der US-Amerikaner dann bei seinen alten Freunden von Goldman Sachs  holen - oder bei seinem Ex-Chef und Merrill Lynch .

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  • Aus der FTD vom 16.11.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland
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