Die Macher hinter den News: Porträts von Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft.
Beim Sputnik-Start im Oktober 1957 kommt Jean-Jacques Dordain gerade auf ein Gymnasium. Im Juli 1969 - Neil Armstrong betritt gerade als erster Mensch den Mond - verlässt der Franzose als Ingenieur die Hochschule. Karriereziel: einmal die Erde aus dem Orbit sehen. Dordain gehörte zu den ersten fünf Astronautenkandidaten in Frankreich. "Aber leider bin ich nie ins All geflogen", bedauert der 61-Jährige heute. Dennoch ging er zur Europäischen Raumfahrtagentur (Esa) und führt sie seit vier Jahren als Generaldirektor.
Am Donnerstag ist der große Tag für ihn. Um 22.31 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird die Raumfähre "Atlantis" vom Kennedy Space Center in Florida starten und Europas Raumlabor Columbus ins All schießen. "Mit Columbus werden wir endlich voller Partner der Internationalen Raumstation", betont Dordain. Lange hat er für diesen Moment kämpfen müssen - nicht nur mit den Unwägbarkeiten der altersschwachen Shuttle-Flotte, vor allem gegen politische Widerstände in Europa.
Zwar ist er Herr über ein Budget von 3 Mrd. Euro jährlich. Doch Europas Raumfahrt ist kompliziert: Alle 17 Esa-Länder wollen entsprechend ihrer finanziellen Beteiligung an den Projekten mitwirken. Das führt nicht immer zur besten Lösung. Gegenüber der Politik müsste Dordain mehr Stehvermögen zeigen, klagen Kritiker aus der Raumfahrtindustrie. Denn ein voller Partner wären Europas Raumfahrer erst dann, wenn die Esa-Astronauten mit einer europäischen Rakete ins All fliegen können. Bisher steigen Thomas Reiter & Co notgedrungen bei den Amerikanern oder Russen ein. Europas Ariane-Rakete fliegt nur Satelliten ins All. Doch bei politisch heiklen Fragen bleibt Dordain stets diplomatisch in Deckung.
"Aber insgesamt macht er seine Sache recht gut", heißt es hinter vorgehaltener Hand in der deutschen Raumfahrtszene. Manche der Vorgänger Dordains waren weit weniger europäisch eingestellt und haben klar nationale Interessen verfolgt. Dordain ist heute ein Raumfahrtmanager mit 16-Stunden-Tag. Doch anders als die meisten seiner Direktoren, die zu reinen Technokraten mutiert sind, hat er sich seine Begeisterung für das Thema bewahrt. Hinter der markanten Hornbrille mit den kleinen runden Gläsern blitzen seine Augen auf, wenn er erzählt, wie er alle paar Wochen abends zum Himmel guckt, um die Raumstation über Paris ziehen zu sehen. Sein Schalk macht nicht einmal vor den Helden seiner Jugend halt. Als er vor einiger Zeit Neil Armstrong traf, trat er ihm auf den rechten Fuß. "Ich stand also auf dem Fuß, der als Erstes auf dem Mond war. Das ist doch fast so, als wär ich selbst über den Mond gelaufen."