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Als Lee Kun-hee vergangene Woche auf der Feier anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums als Vorstandschef von Samsung Electronics zur Bühne schritt, folgte ihm sein Sohn Lee Jay-yong vorsichtig mit einigen Schritten Abstand. So wie es in Südkoreas Kultur der Respekt vor den Älteren verlangt. Was auf den ersten Blick wie eine Fußnote des Protokolls scheint, sagt viel über den, der schon bald Südkoreas Vorzeigekonzern prägen dürfte.
Denn Lee junior scheute bislang die große Bühne. Das gilt künftig nicht mehr: Am Mittwoch gab Samsung Electronics, das Herzstück des südkoreanischen Vorzeigekonzerns, bekannt, dass der 70-jährige Firmenchef Lee Kun-hee seinen einzigen Sohn zum Vizevorstandschef befördert - und ihm damit den Weg zur Firmenspitze ebnet.
Was in von Corporate Governance geprägten westlichen Konzernen unvorstellbar wäre, ist in Asien durchaus üblich. Gleichwohl regt sich in Südkorea leise Kritik an Firmenerben in Konzernen, die die Wirtschaft des Landes dominieren. Und das gilt erst recht für Samsung, dem weltgrößten Hersteller von Smartphones und Fernsehern, der allein 20 Prozent zum Bruttosozialprodukt von Südkorea beisteuert.
Lee junior stammt aus der wohlhabendsten Dynastie des Landes. Mit einem Privatvermögen von 3,6 Mrd. Dollar ist der 44-Jährige der drittreichste Südkoreaner. Sein Großvater Lee Byung-chull hatte Samsung 1938 als kleinen Lebensmittelladen gegründet. Mittlerweile ist die Firma mit einem Börsenwert von knapp 200 Mrd. Dollar an HP, Sony und Toyota vorbeigezogen und belegt in der Liste der wertvollsten Unternehmen der Welt Platz 15.
Der Enkel, der seine Karriere bei Samsung 1991 begann, hat bislang wenig über sich preisgegeben. Bekannt ist lediglich, dass Lee junior gern Golf spielt, reitet und sich 2009 von seiner Frau scheiden ließ. Er gilt als ruhiger, hochintelligenter und fleißiger Manager, der E-Mails stets persönlich beantwortet, aber das Charisma seines Vaters vermissen lässt. Kritiker bemängeln daher, er sei nicht qualifiziert für die Führungsaufgabe - trotz eines MBA an Japans Eliteuniversität Keio und eines Doktortitels von der Havard Business School.
In seinem neuen Job wird Lee sich künftig noch mehr auf internationalem Parkett bewegen, um Geschäftsbeziehungen mit Firmenchefs aus aller Welt zu pflegen. Bisher verdiente er sich immerhin seine Sporen, indem er Partnerschaften mit Sony , HP und Apple einfädelte. Samsung würdigte das denn auch als "herausragendes Verdienst". Gerade im derzeit hart ausgefochtenen Patentstreit mit dem Erzrivalen Apple wird ihn die Beförderung stärken.
Rückhalt kann Lee gebrauchen, schließlich lastet auf ihm nun die Verantwortung, das Werk seines Vaters zu vollenden. Dieser soll seinen Angestellten einst eingeschärft haben, für den weiteren Wachstumskurs alles auf den Prüfstand zu stellen - "außer ihre Frauen und Kinder". Exemplarisch ließ der Patriarch stapelweise veraltete Handys verbrennen - um den Innovationsgeist seiner Mitarbeit anzufeuern.
Will der Konzern auch künftig mit Apple mithalten, muss Lee nicht nur Samsungs starke Position bei Fernsehern, Chips und Smartphones festigen, sondern weitere Wachstumsfelder wie das Solargeschäft oder die Biotechnologie aufbauen. Der Konzern braucht neben dem erfolgreichen Smartphone Galaxy neue Gewinngaranten - und eigene Innovationen. Bisher haben sich die Koreaner vor allem als perfekte Adaptor von Apples Pionierleistungen bei Smartphones und Tablets erwiesen. Nun, sagen Analysten, braucht Samsung selbst den großen Wurf.
Lee dürfte daran schon ein ganz persönliches Interesse haben: Er hält Samsung-Aktien im Wert von über 1 Mrd. Dollar.